BRieftauben : Sie fliegen von Erfolg zu Erfolg

Zwei bis drei Stunden täglich  kümmert sich der Vorsitzende der Reisevereinigung Brunsbüttel zum seine Vögel.
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Zwei bis drei Stunden täglich kümmert sich der Vorsitzende der Reisevereinigung Brunsbüttel zum seine Vögel.

Reisevereinigung Brunsbüttel: Herbert Mottes Brieftauben haben ihm schon zahllose Trophäen eingebracht. Der Vorsitzende des Vereins hofft auf auf mehr junge Mitglieder.

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12. Juni 2014, 17:00 Uhr

Es gurrt und flattert, wenn Herbert Motte die Terrasse seines Hauses in Vaale betritt. Kaum geht er in die Hocke, schwirrt ein ganzer Pulk Brieftauben auf den 62-Jährigen zu. Meist mit Erfolg, denn ein bisschen Futter hat Motte stets für seine Vögel dabei. Schließlich sollen sie ihm gewogen bleiben und seine beachtliche Trophäensammlung vergrößern.

Der Installateur ist Vorsitzender der Reisevereinigung Brunsbüttel. 40 Mitglieder zählt dieser Verein der Brieftaubenzüchter, für die jetzt Hochsaison herrscht. Denn ihre Vögel starten regelmäßig zu Wertungsflügen. Dafür werden sie mit einem eigenen Transporter der Reisevereinigung weit nach Osten verfrachtet. Dann werden bis zu 4000 Brieftauben „aufgelassen“ – sie starten ihren Rückflug in die heimatlichen Schläge. Die schnellsten werden prämiert. Auch bei den Tauben hat längst die moderne Technik Einzug gehalten: Sie sind mit Transpondern ausgestattet, die beim Einfliegen in den Schlag die Zeitnahme auslösen.

Und fix sind die grauen Vögel allemal unterwegs. Bis zu 80 Kilometer können sie in der Stunde zurücklegen, erklärt Motte. „Mit drei Jahren sind sie auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit.“ Allerdings: Nur etwa ein Drittel der Tauben fliegen ihren Züchtern Preise ein. Dazu müssen sie erfolgreich auf acht Wertungsflügen mit Starts zwischen Pasewalk und Auflassorten in Polen meistern. „Das geht am Ende um hundertstel Punkte“, beschreibt Herbert Motte die Faszination des Wettkampfs.

Damit die Vögel heil das Ziel erreichen, ist eine sorgfältige Planung nötig. Denn Gewitter, Sturm und Dauerregen können die Tiere vom Kurs abbringen. Aber Motte weiß, auf wen er sich dabei verlassen kann: „Wir haben mit Gerd Walter einen sehr guten Flugleiter.“

Der Vorsitzende der Reisevereinigung ist amtierender Regionalmeister, dank er seiner guten Zucht. Nachdem die Tauben die Zeit zwischen September und März in Volieren verbringen, dürfen sie im Frühjahr endlich ins Freie. Zwei Mal am Tag lässt Motte sie dann ins Freie – das tägliche Training. „Nach einem Monat sind sie fit.“ Jetzt müssen sie das erste Mal eine größere Distanz fliegen, in der Regel von Eekholt (Kreis Segeberg) aus. Nach drei erfolgreichen Flügen geht es schließlich auf große Reise, etwa von Wismar aus. Auf eines legen Herbert und Mote und seine Zuchtfreunde großen Wert: „Wir quälen die Tauben nicht zum Erfolg.“ Antrieb für die Rückkehr in den heimischen Schlag ist die Aussicht, die Weibchen wiederzusehen. Die Tauben orientieren sich auf ihren Flügen am Magnetfeld er Erde. Das bedeutet auch: Bei einem anderen Züchter gekaufte Tauben steuern ihren ursprünglichen Schlag an.

Schon als Kind hatte der heute 62-Jährige Tauben gehabt, später ließ er von dem Hobby ab – bis eines Tages eine Taube aus seinem früheren Bestand auf dem Dach seines Elternhauses landete. „Dann hatte es mich wieder gepackt.“ Zwei, drei Stunden täglich kümmert sich um seine 100 Vögel. Im Jahr summieren sich Ausgaben für Futter, Tierarzt und Reisekosten auf stattliche 4000 bis 5000 Euro. Kein ganz billiger Zeitvertreib, wie Motte zugibt. Aber: „Es ist ein faszinierendes Hobby.“

Die Reisevereinigung Brunsbüttel würde sich über jüngere Mitglieder freuen. Allerdings sei zunächst deren Geduld gefragt, Erfolge stellten sich erst nach einigen Jahren ein. „Als Einsteiger kommt man gleich in die Bundesliga“, beschreibt er die Herausforderung.


>Kontakt: 04827/1332.

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