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Schiffshavarie : Siderfly nach Dänemark geschleppt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Endstation Abwrackwerft: Die am 28. Oktober 2013 im Nord-Ostsee-Kanal bei Brunsbüttel havarierte Siderfly ist unterwegs ins Dänische Grenaa. Dort soll der Frachter verschrottet werden.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2014 | 11:55 Uhr

Seine letzte Fahrt trat am Mittwoch um 7.30 Uhr der am Brunsbütteler Südkai liegende Frachter Siderfly an. Geschleppt vom dänischen Hochseeschlepper Westsund und am Heck vom Brunsbütteler Schlepper Parat in der Spur gehalten, machte sich die 100 Meter lange Siderfly auf nach Grenaa, wo Skandinaviens größter Schiffsentsorger Fornæs seinen Firmensitz hat. Etwa zwei Tage wird die 400 Kilometer lange Reise dauern. Bei Fornæs wird die Siderfly dann abgewrackt.

Zum schrottreifen Havaristen wurde das am 27. August 1984 als Borgfleth im niedersächsischen Elsfleth auf Kiel gelegte und im Juni 1985 fertiggestellte, später als Eemsea und zuletzt als Siderfly fahrende Mehrzweck-Küstenmotorschiff am 28. Oktober vorigen Jahres gegen 3 Uhr morgens. Voll beladen mit 3800 Tonnen Harnstoff fuhr die Siderfly gen Brunsbüttel, als aus dem Landeshafen kommend der 116 Meter lange LPG-Gastanker Coral Ivory nach den bisherigen Erkenntnissen die Kurve nicht recht bekam. Beim Einbiegen auf den Nord-Ostsee-Kanal in Fahrtrichtung Kiel driftete der Tanker in den Kurs des entgegenkommenden Harnstoff-Frachters und riss mit seinem Wulstbug den Doppelrumpffrachter auf. Rund 30 Quadratmater maß das riesige Loch. Während die Coral Ivory nahezu unbeschädigt blieb, drohte die Siderfly zu sinken. Letztlich kam sie am Nordufer kurz vor der Brunsbütteler Hochbrücke, etwa 400 Meter vom Kollisionsort entfernt mit schwerer Schlagseite zum Liegen. Schlepper drückten sie über Tage gegen das Ufer, damit sie nicht in die Fahrrinne absinkt.

Mit eingegrabenen Ankern sowie mehreren schweren Baggern konnte die Siderfly am Ufer fixiert und der seit der Kollision gesperrte Kanal wieder geöffnet werden. Am 6. November war der Havarist nach Löschen der Ladung, Abpumpen des eingedrungenen Wassers und Flicken der Löcher in der inneren Bordwand soweit wieder hergestellt, das man ihn an den wenige Kilometer entfernten Brunsbütteler Südkai verholen konnte. Dort lag die Siderfly bis gestern.

Ebenso lang hatte man beim Wasser- und Schifffahrtsamt Sorge vor einer zweiten Rosethorn. Vom 3.August 2008 bis 25. April 2012 lag dieses Schiff damals nach Maschinenschaden am Südkai, bevor sie zum Verschrotten nach Dänemark gebracht wurde. Die Rosethorn war von ihrer Reederei aufgegeben worden.

Ob Fornæs jetzt die Siderfly gekauft hat oder im Auftrag abwrackt – dazu gab es keine Informationen. Dennoch nannten Experten gestern ungefähre Zahlen. Auf gut 1000 Tonnen schätzten sie das Gewicht der Siderfly, mit 150 000 Euro bezifferten sie den Schrottwert.

105 000 Euro erbrachte die 69 Meter lange Rosethorn vor zwei Jahren bei der Zwangsversteigerung. 150 000 Euro waren damals allein an Liegegebühren aufgelaufen: 370 Euro pro Tag. So dürften bei der Siderfly jetzt rund 30 000 Euro an Liegegebühren zusammengekommen sein.

Abwracker Fornæs, 1993 gegründet, hat nach eigener Darstellung auf seiner Homepage bis heute weit über tausend Schiffe verschrottet. Reeder und Schiffseigner können bei Fornæs so ziemlich alles an Ersatzteilen und Ausrüstung erwerben, was ein Schiff so braucht. So werden wohl auch Teile und Ausrüstungsgegenstände der Siderfly auf anderen Schiffen eine neue Verwendung finden.

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