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Training für Lkw-Fahrer : Sichere Ladung, sichere Straßen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Berufskraftfahrer-Azubis aus Neumünster trainieren Ladungssicherung beim Verkehrsinstitut Nord auf dem Hungrigen Wolf. Auch Überladungsvermeidung steht auf dem Programm.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 05:00 Uhr

Mit 40 Sachen legt sich die Zugmaschine samt Auflieger in die Kurve. Auf der Ladefläche poltert es: Ein befüllter IBC-Tank kommt ins Rutschen, schießt über die seitliche Begrenzung hinaus und kracht auf die Straße. Flüssigkeit läuft aus. Ein weiterer Tank tut es ihm gleich.

Bei diesem Szenario handelte es sich glücklicherweise nicht um einen folgenschweren Vorfall im Straßenverkehr, sondern um eine anschauliche Demonstration dessen, was passieren kann, wenn Ladung falsch oder gar nicht gesichert ist. Um solche Fälle zu vermeiden, besuchten die Auszubildenden zum Berufskraftfahrer aus dem zweiten Lehrjahr der Walter-Lehmkuhl-Schule in Neumünster ein Praxisseminar zum Thema Ladungssicherung auf dem Hungrigen Wolf. Organisiert wurde es von Klassenlehrer Jan Schippmann gemeinsam mit dem Verkehrsinstitut Nord, das auf dem ehemaligen Flugplatzgelände ansässig ist und unter anderem verschiedene Sicherheitstrainings anbietet.

„Uns ist aufgefallen, dass die Schüler aus dem Unterricht in der Schule sehr wenig über Gefahrgutsicherung wissen“, erklärte Schippmann. Für Abhilfe sorgten neun Stationen, an denen die Schüler in kleinen Gruppen verschiedene Beladungssituationen mit unterschiedlicher Fracht probten. Die LKW und Anhänger, an denen geübt wurde, stellten die Ausbildungsbetriebe. Die Speditionen stünden ihm verlässlich mit Material zur Seite und seien „immer daran interessiert, dass die Ausbildung optimal ausfällt“, so Schippmann. Einen „regelrechten Boom“ erlebe der Beruf des Betriebskraftfahrers an seiner Schule derzeit. Mit siebzig neuen Auszubildenden im ersten Lehrjahr habe der Zweig im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von mehr als zehn Prozent erfahren. Aus dem ganzen Bundesland kommen die angehenden LKW-Fahrer an die Neumünsteraner Schule.

So auch Daniel Weih, der seine Ausbildung in Heikendorf bei Kiel absolviert und dort Motor- und Segelboote transportiert – „ein sehr spezielles Gebiet“, wie er selbst sagte. Ladungssicherung funktioniere hier mithilfe von eigens angefertigten Aufbauten und Spanngurten. Auch Tobias Tietjen kommt in seinem Ausbildungsbetrieb mit Ladungssicherung eher auf außergewöhnliche Art und Weise in Berührung: Bei einer Hausmülleinsammlungsgesellschaft fährt er Elektroschrott, Haus- und Sperrmüll in gepresster Form.

Die Schulung sei eine gute Möglichkeit, „um das mitzubekommen, was man aus der eigenen Firma nicht kennt“, so Tietjen. Gerade hebt er Metallfässer auf die Ladefläche, um diese zum Transport vorzubereiten. Nebenan sichern seine Kollegen einen schwer bepackten Sack, indem sie ihn mit Paletten umstellen und zu mehreren Seiten abspannen, damit nichts verrutschen kann. An einer weiteren Station prüft Jan Hargens gerade mit einem Vorspannkraftmessgerät, mit wie viel Kraft er zwei gestapelte Paletten festgezurrt hat: „500 Dekanewton, also etwas mehr als nötig.“ Nebenan herrscht Ratlosigkeit darüber, warum die Zugkraft auf der einen Seite der Ladung optimal, auf der anderen viel zu gering ist. Die Lösung liefert Staabsunteroffizier Alan Jenkinson: „Es fehlen die Kantenschoner, der Gurt kann nicht gleiten.“ Der Berufssoldat ist in Husum stationiert und gehört dort als Transportunteroffizier der Flugabwehrraketengruppe 26 an. Tagtäglich sichert er schwere Lasten und kann einige Tipps an die Berufsschüler weitergeben.

Neben Jenkinson waren weitere externe Fachleute beim Seminar vertreten: Martin Pieper und Frank Ehlers vom Verkehrsüberwachungsdienst in Neumünster hatten eine Achslastwaage im Gepäck. „Die Schüler sollen Überladungen vermeiden lernen“, so Pieper. In ihrem Berufsalltag kontrollieren die Polizisten „alles, was groß und schwer ist“. Neben überschrittenen Lenkzeiten, falschen und mangelhaften Genehmigungen bei Schwertransporten und unzureichender Ladungssicherung sei Überladung ein häufig auftretender Mangel. Wird ein solcher LKW aus dem Verkehr gezogen, wird ihm eine Zwangspause erteilt bis die Fracht umgeladen ist. Das kostet Zeit und Geld - und fällt immer auf den Fahrer hinterm Lenkrad zurück.

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