Itzehoe : Serientäter betrügt sogar die Eltern

Das Landgericht Itzehoe verhandelt derzeit den SM-Prozess. Der dritte Prozesstag wird am kommenden Donnerstag stattfinden.
Ein 25-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Itzehoe unter anderem wegen Raub und Erpressung verantworten.

Raub, Erpressung, Urkundenfälschung: Ein 25-Jähriger muss sich wegen zahlreicher Taten vor Gericht verantworten. Unter anderem stahl er seiner Adoptivmutter Schmuck.

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04. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Itzehoe | Seine kriminelle Energie machte nicht einmal vor den eigenen Adoptiveltern Halt: Wegen einer Raubserie sowie Urkundenfälschung, Betrug, Erpressung und Schwarzfahren muss sich ein 25-jähriger Itzehoer vor dem Landgericht Itzehoe verantworten. Er sitzt bereits seit dem 8. Juli in Untersuchungshaft. Mit ihm auf der Anklagebank: ein ehemaliger Klassenkamerad, der jedoch nur an einer Tat beteiligt war. Während der mutmaßliche Haupttäter schwieg, packte sein Kumpel vor Strafrichter Klaus Emmermann aus.

Das Duo überfiel demnach am 3. Juli am frühen Abend den „Top Kauf“-Markt in Oelixdorf. Der 25-Jährige zwang den Kassierer unter Vorhalt einer Pistole zur Herausgabe des Kasseninhalts. Mit 1865 Euro floh er, draußen wartete in einem geliehenen Wagen bereits sein Kumpan. Das Duo fuhr nach Hamburg, wo sich der Haupttäter in einen Zug nach Frankfurt setzte, nachdem er zuvor seinem Freund noch 400 Euro Beuteanteil gab.

Bereits am 27. Oktober vergangenen Jahres hatte der junge Mann der Anklage zufolge eine 52-Jährige überfallen. Im Vorraum einer Bank zwang er sie mit einer Schreckschusspistole, 500 Euro vom Konto abzuheben. Er floh auf dem Fahrrad. Am Silvesternachmittag suchte er die 52-Jährige im Haus ihrer Mutter auf und entschuldigte sich für seine Tat. Doch einige Stunden später kehrte er zu der allein lebenden Mutter zurück und presste ihr EC-Karte und PIN-Nummer ab. So erbeutete er weitere 500 Euro.

Am 16. Januar 2014 überfiel der 25-Jährige zudem in Oelixdorf eine 64-jährige Rentnerin. Diese ist zusammen mit seiner Adoptivmutter ehrenamtlich tätig, kennt den Angeklagten aber nicht. Unter dem Vorwand, dringend telefonieren zu müssen, stand er am frühen Abend vor ihrer Tür und verlangte mit vorgehaltener Waffe Geld. Die Rentnerin leistete heftigen Widerstand, den der Täter gewaltsam brach. Wieder erbeutete er EC-Karte und PIN, doch Beute machte er diesmal nicht – die Rentnerin hatte ihm eine ungültige PIN genannt.

Ende Februar stahl der Itzehoer seiner Adoptivmutter Schmuck und drohte den Eltern, diesen zu verkaufen, wenn sie ihm nicht 2000 Euro geben. Die Eltern zahlten nicht. Was aus dem Schmuck wurde, ist unbekannt, da die Adoptiveltern den Sohn zwar anzeigten, gleichwohl aber ihr Recht auf Aussageverweigerung nutzen.

Mitte Juni fälschte der 25-Jährige zudem Überweisungsträger und überwies jeweils 1000 Euro vom Girokonte seiner Mutter und seines Vaters auf sein eigenes. Vergleichsweise gering dagegen ist mit 12 Euro der Betrag, um den der Angeklagte die Bahn prellte: Im Oktober und November 2013 fuhr er vier Mal schwarz nach Elmshorn.

Sich weit nach vorne auf den Tisch lehnend, folgte der Angeklagte gelangweilt den Zeugenaussagen. Die Gelegenheit, sich bei seinen Opfern zu entschuldigen, nutzte er nicht. Der Prozess wird am 8. Dezember fortgesetzt.
 

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