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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 09:45 Uhr

Glückstadt : Sensationsfund auf dem Dachboden

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Privilegien aus der Gründerzeit der Stadt und historische Apotheker-Utensilien kommen jetzt ins Detlefsen-Museum

Christian Boldt kann sein Glück kaum fassen. Er hat eine Spende bekommen, die aus seiner Sicht eine Sensation für ganz Norddeutschland ist. Es ist das Inventar der alten Apotheke aus der Deichstraße. „Ein Traum“, freut sich der Direktor des Detlefsen-Museums. „Solch ein Fund passiert einem Museumsleiter vielleicht einmal in 40 Jahren.“

Es sind nicht nur die alten Möbel, die ihn begeistern, sondern auch die Original-Dokumente aus der Gründerzeit der Stadt. „Wir haben Unterlagen ab 1649 für die Schloss- und Garnison-Apotheke und ab 1671 durchgängig die Privilegien für die einzelnen Stadtapotheker. Wir können damit sagen, wer und wann in Glückstadt Apotheker war.“ Die Privilegien wurden bis ins frühe 19. Jahrhundert von den dänischen Königen ausgestellt. Zu verdanken hat das Museum diese außergewöhnliche Schenkung Stephan Schmuldt. Dem Apotheker war es ein Anliegen, dies alles dem Museum zu vermachen. Zu verdanken ist es aber auch seinen Vorgängern, denn sie alle hüteten den Schatz auf dem Dachboden des denkmalgeschützten Hauses in der Deichstraße.

So einzigartig die Spende ist, bedeutet sie aber auch viel Arbeit. „Wir müssen einige tausend Objekte inventarisieren.“ Für den Transport, das Gutachten und den Einbau in das Museum wird Geld benötigt, welches das Museum so zurzeit nicht auf der hohen Kante hat. Doch Christian Boldt ist zuversichtlich, denn nur wenige Museen in Norddeutschland haben Vergleichbares.

Deshalb hat er auch mit Leidenschaft schon im Haus die einzelnen Kästen durchstöbert. Alle sind lateinisch beschriftet und viele waren noch befüllt – er fand unter anderm Weihrauch und getrocknete Chilli-Schoten.

Die Möbel sind um 1770 herum gebaut worden. Fayencen und Porzellan entstanden um 1690 bis 1750. „Die meisten Gefäße sind aus dem 19. Jahrhundert.“ Dass alles aufbewahrt wurde, grenzt für Boldt an ein Wunder.

„Die Glückstädter Stadt-Apotheke existiert nachweislich seit 1633“, erklärt der Museumsdirektor. „Ursprünglich befand sie sich in der Großen Kremper Straße. Vermutlich verlegte sie der damalige Besitzer Johannes Brethauer 1671 in die Große Deichstraße 8, wo sie bis heute im Besitz des Apothekers Stephan Schmult besteht.“

Das Museum hat bereits aus diesem Haus in der Deichstraße eine komplette Einrichtung eines Verkaufsraumes bekommen. Das Mobiliar des Verkaufsraumes – Offizin genannt – stammt aus dem Jahr 1830. „Sie kam 1966 als Schenkung des Apothekers Gerd Wollschläger ins Detlefsen-Museum“, erklärt Boldt. „Die alte Ausstattung entsprach damals nicht mehr den aktuellen Ansprüchen.“ Die zahlreichen Schubladen, Gläser und Medizinfläschchen sind mit Fachbegriffen beschriftet. „Einzelne Objekte wie die hell glasierte Delfter Sirupkanne und der schwarze gläserne Mörser stammen aus den Anfängen. Auch der aromatische, leicht medizinische Duft hat sich über die Jahrhunderte erhalten“, so Boldt.

Wie genau die Apotheke zur Zeit ihrer Gründung im 17. Jahrhundert aussah, sei schwer zu sagen. „Die Apotheken im 17. Jahrhundert und bis weit ins 18. Jahrhundert glichen Krämerläden.“ In den Jahren der Belagerung Glückstadts von 1813/14 durch die Engländer und Schweden wurde das Haus in der Großen Deichstraße durch Beschuss und Brand stark beschädigt. Neben Wohn- und Verkaufsräumen gab es das Laboratorium, die Chemikalienkammer und die so genannte Stoßkammer, in der Heilkräuter und Gewürze mit Mörser und Stößel zu wohltuenden Arzneien zerkleinert wurden.

Boldt: „Im 17. Jahrhundert war die Apotheke mit einem Wein- und Aquavitlokal verbunden. Zu jener Zeit war ein Apotheker zugleich auch Brauer. Manchmal praktizierte er sogar als Arzt. Bis 1871 gab es mit der Schlossapotheke eine ständige Konkurrenz, so dass es die Stadtapotheker nicht immer leicht hatten. Daher wechselten die Besitzer besonders im 18. Jahrhundert häufig. 1772 wurde sie von dem Apothekergesellen Johann Georg Hermann Eller übernommen. Von da an blieb die Apotheke bis 1905 für 133 Jahre im Besitz der Familie Eller.“

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erstellt am 16.Apr.2016 | 08:00 Uhr

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