Selbstversorger mit Knubbel-Deutz

Muss auch im Rentenalter von 63 Jahren noch mächtig ran: der Deutz-Schlepper von Harald Jensen. Links: eines der Dexter-Rinder, die der 58-Jährige auf seinem Hof hält.
Muss auch im Rentenalter von 63 Jahren noch mächtig ran: der Deutz-Schlepper von Harald Jensen. Links: eines der Dexter-Rinder, die der 58-Jährige auf seinem Hof hält.

Schafe, Hühner, Dexter-Rinder und ein alter Traktor: Wie Harald Jensen sich ein möglichst unabhängiges Leben sichern will

shz.de von
31. Juli 2015, 15:58 Uhr

In der Szene heißen sie liebevoll Knubbel-Deutz – wegen ihrer kompakten Maße und der kurzen Motorhaube. Einer von 37  000 gebauten Exemplaren der Baureihe F1 L 514 steht in Ecklak auf dem Hof von Harald Jensen: ein Zylinder, luftgekühlt und unverwüstlich. Den 15er Deutz aus dem Baujahr 1952 hatte der 58-Jährige im Vorbeifahren in Brokstedt entdeckt. „Der stand in einer Ecke, dem war kalt und der hatte kein Zuhause“, wird bei Harald Jensen schnell klar, dass der knubbelige Schlepper zum Familienmitglied geworden ist.

Bremsen und Kupplung mussten überholt werden, auch das Getriebe musste er aufmachen. Der Deutz war technisch auf eine Höchstgeschwindigkeit von sechs Stundenkilometern begrenzt, damit er überhaupt noch auf die Straße durfte. Jetzt hat er die Vorabnahme anstandslos überstanden. Jensen ist zuversichtlich, dass rechtzeitig vor dem Bauernmarkt in Wilster auch der TÜV endgültig grünes Licht gibt.

Dabei hat der Ecklaker ganz bewusst auf eine Totalsanierung des Traktors verzichtet. Dem Gefährt soll man die Jahre und die bislang schon geleistete schwere Arbeit gerne ansehen. Nur einen zu arg verbeulten Kotflügel hat Jensen wieder geradegerückt – auf Bauernmanier. Der Schlepper wurde mit einem Kettenzug an einem Baum befestigt. Dann wippte Jensen so lange auf einer Felge herum, bis der Kotflügel wieder halbwegs in Position war. Alles andere bleibt wie es ist.

Arbeiten muss der Deutz auch heute noch. Harald Jensen bewirtschaftet seit rund zwölf Jahren einen kleinen Hof, um seinen Eigenbedarf zu decken. Sein immer noch erklärtes Ziel: Er will Selbstversorger sein. Strom holt er sich von der Sonne, auf dem Hof laufen Hühner herum. Und auf der Weide stehen Fleischschafe und Dexter-Rinder, eine aus Irland stammende und vor 50 Jahren noch fast ausgestorbene Rasse, die als besonders robust gilt. Und offenbar auch wenig schreckhaft ist. Unbeeindruckt verfolgt das Dexter-Rind, wie Harald Jensen mit seinen 15 PS über die Weide knattert.

Von Haus aus ist Harald Jensen Schiffbauingenieur. In Hamburg ist er geschäftsführender Gesellschafter eines Ingenieurbüros mit 20 Mitarbeitern. Drei Tage die Woche pendelte er in die Hansestadt, den Rest kann er von Ecklak aus erledigen – und sich seinem Hof, seinen Tieren und seinem Fuhrpark widmen. „Es macht einfach Spaß“, schwärmt er von der mehr als 60 Jahre alten Technik des Deutz. „Auch heute noch bekommt man da jede Schraube aufgedreht und immer noch Ersatzteile.“ Viel hätte nicht gefehlt, und er könnte auf dem Hof auch mit schwererem Geschütz arbeiten. Als junger Student sei ihm einmal ein Lanz Bulldog für 200 Mark angeboten worden. Heute werden die legendären Ackerschlepper im fünfstelligen Bereich gehandelt. Aber Harald Jensen hat dafür ja seinen Knubbel-Deutz.

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