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Start-ups in Itzehoe und Umgebung : Selbstständige sind Job-Motor

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit 2012 gab es insgesamt 234 erfolgreiche Gründungen in Itzehoe. Die Stadt bietet gute Bedingungen für junge Unternehmen.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Gibt es eigentlich Start-ups in Itzehoe und Umgebung? Junge Unternehmer mit innovativen Ideen? Unsere Zeitung hat sich auf die Suche begeben – und ist fündig geworden. Erste Erkenntnis: Nur in Ausnahmefällen finden sich Start-ups in der Innenstadt, wie zum Beispiel das neue Geschäft des „Kaffemachers“. Die jungen Unternehmen bleiben in der Regel für die meisten Bürger unauffällig – trotz ihres Erfolgs. Laut Industrie- und Handelskammer (IHK) gab es 292 Gründungen seit 2012, 234 Firmen davon sind noch aktiv. Regionale Wirtschaftsvertreter sprechen von guten Bedingungen für Gründer in der Stadt.

Von der automatischen Steuerung für Modelleisenbahnen bis zur Wärmegewinnung aus Abwasser reichen die Ideen, die der Leiter des Innovationszentrums (Izet), Ralf Thiericke, in den letzten Jahren betreut hat. „Dafür, dass es keine Hochschule in der Nähe gibt, stehen wir nicht schlecht da“, sagt er. Die meisten Gründungen kämen aus der Wirtschaft, Durchschnittsalter der Jung-Unternehmer sei Mitte 30. „Natürlich ist Itzehoe nicht Berlin, dafür sind die Gründer aber häufig wesentlich bodenständiger und haben fundiertere Ideen als es in Großstädten der Fall ist.“

Thiericke und sein Mitarbeiter Thomas Schmidt stehen als Ansprechpartner für Gründer im Technologie-Bereich bereit. Sie bieten Selbstständigen bei den ersten Schritten Beratung, helfen Kontakte zu knüpfen, Geld einzuwerben – und stellen im Izet auch Räume zur Verfügung. Aktuell würden etwa 15 Gründungen betreut, so Thiericke. Zirka zehn neue Mieter ziehen jedes Jahr ins Izet ein. Wie viele von ihnen am Ende erfolgreich sind, sei schwer zu sagen. „Jede Gründung ist völlig individuell.“ Festhalten lasse sich lediglich, dass die Professionalität der Gründungen in letzter Zeit deutlich gestiegen ist.

Größtes Problem sei die Finanzierung, sagt Thomas Schmidt. „Gerade im Technologie-Bereich braucht man in der Regel viel Geld für eine Gründung.“ Sechsstellige Summen sind die Regel, manchmal werden auch Millionen gebraucht. Zwar gebe es in Schleswig-Holstein gute Möglichkeiten für Gründer, etwa über Stiftungen an Kapital zu kommen. Dennoch gelinge das längst nicht für jedes Start-up.

Der Leiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Elmshorn, Paul Raab, sieht ebenfalls gute Bedingungen für Gründer in Itzehoe – nicht nur für Technologieunternehmen. „Als Kreisstadt zieht Itzehoe Menschen aus dem Umland an. In der Innenstadt herrscht eine große Aufbruchstimmung und es gibt ein gutes Angebot an verfügbaren Gewerbeflächen“, sagt Raab. Außerdem glaube er, dass die Attraktivität durch den Ausbau der A  20, die an der Stadt vorbeiführen wird, noch weiter steige. Gründer in Itzehoe bräuchten die gleichen Fähigkeiten wie anderenorts auch: die Überzeugung von der eigenen Idee, um auch andere von ihr überzeugen zu können, sowie fachliche Qualifikation und kaufmännisches Basiswissen.

In die Zweigstelle der IHK in Elmshorn kommen pro Jahr etwa 100 Gründungswillige aus dem Kreis Steinburg zu einer Erstberatung. Der überwiegende Teil von ihnen stammt aus Itzehoe. Längst nicht jeder von ihnen gründet letztlich auch ein Unternehmen.

Martina Hummel-Manzau, Geschäftsführerin der Egeb-Wirtschaftsförderung berät mit dem Projekt „Startbahn“ seit 2008 Gründer aus Steinburg und Dithmarschen, beispielsweise in Seminaren zu kaufmännischem Wissen oder zur Stärkung der Unternehmerpersönlichkeit. 4800 potentielle Existenzgründer wurden seitdem beraten – das kann von der Unterstützung bei der ersten Idee bis zur Hilfe während der Gründung und der Unternehmensentwicklung gehen.

„Insgesamt sind in den Regionen mehr als 3000 Arbeitsplätze entstanden. Start-ups sind ein echter Jobmotor“, sagt Hummel-Manzau. Auch sie lobt Kompetenz, Enthusiasmus und Bodenständigkeit der Gründer in Itzehoe. Sie bedauert, dass die Start-ups so wenig wahrgenommen werden: „Dort liegt unglaublich viel Potential für die Gründer selbst, oft aber auch für neue, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.“

Die Gründerquote in Deutschland insgesamt ist rückläufig. Laut Studie der KfW-Bankengruppe machten die Existenzgründer im Jahr 2003 noch 2,8 Prozent der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung aus. 2015 waren es nur noch 1,5 Prozent. Ein Grund dafür ist die gute Beschäftigungslage. Trotz dieses Rückgangs nimmt die Zahl der innovativen Gründungen zu.

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Start-ups aus der Region, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre gegründet wurden, werden wir ab sofort im loser Folge in einer neuen Serie vorstellen.

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