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Gemüseanbau : Seit Generationen Gemüse angebaut

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Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Familienbetrieb: Kurt Harms übergab Hof an Margrit und Klaus Thomas, deren Sohn Martin bewirtschaftet Hof jetzt und der Ur-Enkel hilft bereits

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erstellt am 26.Aug.2014 | 05:00 Uhr

Blumenkohl soweit das Auge reicht: Gemüsebauer Martin Thomas hat 400 000 Pflanzen gesetzt. „Jetzt haben wir eine ruhige Phase“, sagt der 42-Jährige. „Es war nachts zu warm, deshalb haben die Pflanzen noch keine Köpfe angesetzt.“ Voraussichtlich wird der Blumenkohl zum 1. September geerntet.

Martin Thomas ist Gemüsebauer am Herzhorner Rhin. Mit Mathis Ole ist die nächste Generation sicher, denn der 13-Jährige liebt die Arbeit auf dem Hof. Er kennt sich bereits gut aus, darf auch schon Trecker fahren auf dem Acker.

Sein Vater macht sich zurzeit Sorgen um die Preise. „Sie sind für Blumenkohl in diesem Jahr katastrophal.“ Allerdings hätten die Kohlbauern in Dithmarschen weit größere Probleme wegen des Einfuhrstopps der Russen. Ein hoher Anteil Dithmarscher Kohl werde nach seinem Kenntnisstand nach Russland exportiert.

Martin Thomas verkauft sein Gemüse quasi vor Ort. Er gehört der Erzeugergemeinschaft Godeland-Nord an. Der Sitz ist auf der anderen Seite des Rhins, von dort wird die Ware zum Großmarkt nach Hamburg gefahren und dort verkauft. In der Regel an Supermärkte. Nur einen Teil Blumenkohl und Tomaten liefert er direkt an den Lebensmittelmarkt Frauen in Glückstadt.

Blumenkohl ist das Hauptgeschäft, aber die Größenordnungen der anderen Sorten sind auch beachtlich: Unter anderem 100 000 Rotkohlpflanzen setzten er und seine Mitarbeiter, 60 000 Stück Weißkohl und je 50 000 Stück Wirsing und Kohlrabi. Viel Arbeit, aber nicht so ein gutes Geschäft diesmal. „Dafür war das letzte Jahr gut.“

Der Gemüseanbau ist kein leichtes Geschäft. Dies zeigt sich auch darin, dass es nur noch wenige Gemüsebauern gibt in der Engelbrechtschen und Blomeschen Wildnis. Beide Orte sind traditionell herausragende Gemüseanbaugebiete – die Bodenqualität ist einmalig, auch wegen der Nähe zur Elbe. Es sind gerade mal ein Dutzend Gemüsebauern verblieben. Früher waren fast alle Nachbarn am langgestreckten Rhin Kätner, auf der Rhinseite vom Hof Thomas sind es gerade noch vier.

Unterstützung bei der Arbeit hat Martin Thomas von seiner Ehefrau Ariane (36), aber auch von seinen Eltern Margrit (63) und Klaus Thomas (66). „Wir haben 1980 den Hof übernommen“, erklärt Margrit Thomas. In den 70er und 80er Jahren sei die Boom-Zeit im Gemüsebau gewesen. „Die Preise waren gut, der Absatz auch.“ Das Ehepaar investierte damals viel. Beide arbeiten aber auch viel, „das merken wir heute in den Knochen. Wir haben nie Urlaub gemacht.“ Das Ehepaar baute den Betrieb aus, kaufte Land dazu und baute 1985 eine Kühlhalle.

„Im Winter hatten wir die Halle voller Gemüse, das in großen Kisten lag.“ Täglich wurde dann Kohl und Sellerie geputzt. „Wir mussten noch das Gemüse waschen, den Strunk abschneiden und in kleinere Kisten umpacken“, erinnert sich die 63-Jährige. „Es musste ja ordentlich aussehen. Jeder Kohlkopf wurde noch einmal angefasst.“ Und jeder Chinakohl wurde damals in eine Folie verpackt. Neben Sohn Martin half auch Tochter Sonja. Die heute 40-Jährige wohnt mit Ehemann Björn Erichsen (40) im Nachbarhaus.

Warum die Zeiten damals so viel besser waren , erklärt sich Margrit Thomas mit mehreren Faktoren: „Die Verdienstspanne war besser, die Kosten nicht so hoch.“ Zudem sei die ausländische Konkurrenz auf dem Gemüsemarkt nicht so groß gewesen, wie heute.

Übernommen hat Margrit Thomas den Hof von ihrem Vater Kurt Harms. Der heute 95-Jährige fing gleich nach der Schule – sie lag nur ein paar Häuser weiter am Rhin – auf dem elterlichen Hof an zu arbeiten. Sein Vater Dietrich Harms bewirtschafte damals nur zwei Hektar Land. „Er hatte noch ein Schiff“, erzählt Kurt Harms. Damit fuhr der Vater ab Hof das Gemüse über den Rhin und die Elbe nach Hamburg. „Mit dem Schiff transportierte er auch Stalldung und Sand von der Oberelbe.“ Als Kurt Harms den Hof 1949 übernahm und seine Frau Frieda heiratete, gab es das Schiff schon nicht mehr. Das Gemüse wurde auf Lastwagen verladen und in Hamburg auf dem Großmarkt verkauft. Sein älterer Bruder John hatte inzwischen einen Großhandel an der Grillchaussee aufgemacht.

In der Zeit nach dem Krieg baute der Kätner hauptsächlich Frühkartoffeln an, Zwiebeln sowie frühe und späte Sorten Kohl. Später kam Blumenkohl hinzu. „Wir konnten gut davon leben“, sagt Kurt Harms. Anders als heute kamen die Erntehelfer, einige waren Schulkinder, aus der näheren Region. „Wir haben alles mit der Hand gemacht.“ Für den Transport wurden Schienen auf die Felder gelegt, damit dort Loren fahren konnten. In diesen wurde das Gemüse vom Feld gebracht. Kurt Harms pachtete Ländereien dazu als es dann mittlerweile Maschinen für den Ernteeinsatz gab.

„Ich war immer gerne Gemüsebauer, auch weil ich mein eigener Herr war. Ich brauchte vor niemanden die Mütze abnehmen.“

Die Familie über vier Generationen ist eng verbunden. Gegenseitige Hilfe selbstverständlich. Auch wenn Kurt Harms nicht mehr viel mithelfen kann, so ist er doch mittendrin, wenn demnächst der Blumenkohl geerntet wird. Eines haben alle gemeinsam: Sie essen immer noch gerne ihr selbstangebautes Gemüse.

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