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Tage der offenen Gärten : Sein Stolz: Blütenbaum mit Kakaoduft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die grüne Oase ist ihr ganzer Stolz: Tipps fürs Gärtnern holt sich das Ehepaar Harder jedes Jahr bei einer Tour am Tag des offenen Gartens.

Wer den Garten der Harders im Kreis Steinburg betritt, den erwartet ein Biotop mit verschlungenen Wegen, vielem was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, und hinter jeder Ecke eine Überraschung – so wie die Clematis, ein eigentlich wenig spektakuläres Hahnenfußgewächs. „Mit ein bischen Fantasie riechen ihre Blüten wie eine heiße Tasse Kakao“, schwärmt Peter Harder (75). Und tatsächlich, aus der Blüte strömt ein süßlicher Duft. Warum Peter Harder die Clematis so schätzt, zeigt sich jedoch erst auf dem zweiten Blick und mit etwas Abstand: Das Klettergewächs rankt sich an einer Tanne bis in den Wipfel hinauf und macht aus dem Nadel- einen Blütenbaum. Peter Harder freut sich über diese weit sichtbare Blütenpracht. Und die Tanne? „Die muss das abkönnen“, meint er.

Eine Clematis habe er schon immer haben wollen, aber es habe nie so richtig geklappt. Den Tipp, die viel wüchsigere, kleinblumige Clematis anzupflanzen, habe er während eines Besuchs der „Offenen Gärten“ bekommen. Jedes Jahr nehmen die Harders aus dem Kreis Steinburg mit zwei befreundeten Ehepaaren an der Aktion „Offner Garten“ in Schleswig-Holstein und Hamburg teil. Und jedes Jahr finden sie dort neue Ideen und Anregungen für ihren eigenen Garten.

Das Gute an den Offenen Gärten sei: „Wenn man eine Pflanze schön findet, ist immer jemand da, der weiß, wie sie heißt und wo man sie bekommt“, erklärt der Hobbygärtner. Alte Parkanlagen und historische Gärten seien zwar auch wunderschön, aber man könne davon meist nur wenig in den eigenen Garten übertragen.

In einem seiner Lieblingsgärten, dem der Familie Graf in Ascheberg, habe Peter Harder vor Jahren zum Beispiel eine besonders hübsche Rose entdeckt: die Ghislaine Feligonde. Viele Besucher seien von der Pflanze angetan gewesen und hätten sie sich selbst angeschafft. „Für viele ist das wie Briefmarken sammeln“, erklärt der Hobbygärtner.

Ihm und seiner Frau gehe es jedoch mehr um den Spaß und die Freude. Und so habe er es auch als sehr erfrischend empfunden, als sich später herausstellte, dass diese prächtige Rose auch nur eine einfache Rose war. „Der Grafsche Garten ist aber eindeutig mit einer der Schönsten“, betont Gerda Harder und ihr Mann nickt bestätigend.

Das Ehepaar mag Gärten, in denen auch hier und da die Natur ihr Gesicht zeigen darf und dem Ganzen einen natürlichen Charme verleiht. „Bloß kein überpflegter Garten“, findet Gerda Harder. Zu ihren Füßen wachsen frech gelbe Butterblumen auf der Rasenfläche und in den Beeten blüht die Akelei – auch eine Entdeckung aus den „Offenen Gärten“. Das sei eine besonders robuste, pflegeleichte Pflanze, die sich selbst aussäht. Peter Harder bewundert an ihr besonders die vielfältigen Ausprägungsformen. Auf einem Tablett präsentiert er verschiedenste Blüten der Akelei, die er in seinem Garten gefunden hat. Die Blüten unterscheiden sich in ihrer Färbung – pink, weiß, rosa, lila und bläulich – und in der Anzahl der Blütenblätter. Einige sehen etwas buschiger, andere etwas schlichter aus. Aber die Akelei sei nichts für jeden Gartenfan. „Der eine sucht etwas ganz exklusives. Nicht jeder mag das, was jeder hat“, beschreibt Peter Harder die unterschiedlichen Geschmäcker unter Gartenliebhabern.

Ihn selbst könnte man einen Obstbauer nennen. „Der Apfel ist mein ganz großes Hobby“, schwärmt der 75-jährige Rentner und bremst sich dann gleich, denn über den Apfel könnte er stundenlange Geschichten erzählen. Aus den „offenen Gärten“ habe er besonders einen Trick mitgenommen: das Ausdünnen. Äpfel sitzen im Baum gewöhnlich in kleinen Trauben, fünf oder sechs Früchte dicht beieinander – und wachsen dann nicht besonders. Deshalb zücke er selbst nun immer die Schere, um die überzähligen Fruchtstände auf jeweils einen zu reduzieren.

Was mühselig klingt, bringt Peter Harder Freude und größere Früchte: „Da muss man einfach Spaß und Freude daran haben, und alles was Spaß und Freude macht, ist keine Arbeit“, äußert er.

Seiner Frau hingegen haben es die Stauden angetan. Sie hat über die „offenen Gärten“ die Hostas oder auch Funkien genannt für sich entdeckt. „Sie sind besonders geeignet für Kübel. Man braucht nichts rauszuschneiden oder zupfen – kleiner Kübel große Wucht“, beschreibt sie. Im Garten der Harders finden sich Funkien in jeder Ecke – in Kübeln oder als Bodendecker mit ihrem ausgeprägten Blattwerk mit teilweise vielfältigen grünen Schattierungen.

„Wir nehmen fast immer etwas für uns mit. Aber nicht alle Tipps verwirklichen wir“, erzählt Peter Harder und bleibt schließlich vor seinem Gewächshaus stehen, in dem Tomaten wachsen. Auch dieses rote Gemüse habe es ihm angetan und so konnte er sich ein Nachfragen nicht verkneifen, als die Tomatenpflanzen in einem Garten auf ihn einen besonders kräftigen Eindruck machten. Der Geheimtipp, den er dann zu hören bekam, war aber dann auch für den erklärten Gartenfan etwas zu schräg: „In jedes Pflanzloch einen Fischkopf geben. Das haben wir dann doch nicht gemacht“, erzählt er.

Seit über 30 Jahren werkelt er mit seiner Frau im Garten. Auch in diesem Jahr wollen sie sich neue Anregungen bei einer Tour durch drei „offene Gärten“ holen. Welche das sein werden, haben sie noch nicht ausgewählt. Den Besuch der „offenen Gärten“ empfehlen sie älteren Gartenfreunden, die Möglichkeiten suchen, um den eigenen Garten pflegeleichter zu gestalten und besonders auch Jüngeren, die gerade erst ins Gärtnern einsteigen wollen.

Am Aktionswochenende am 21. und 22. Juni öffnen insgesamt 239 Gärten in ganz Schleswig-Holstein und Hamburg. Schon am Sonntag, 1. Juni, können die ersten Gärten in Augenschein genommen werden. Der Garten der Harders ist nicht dabei – sie zeigten ihr Kleinod als begeisterte „Offene Gartengänger“ nur exklusiv für unsere Zeitung.

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erstellt am 27.Mai.2014 | 17:22 Uhr

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