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Seemannsmission Brunsbüttel : Seeleute brauchen warme Klamotten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ehemaliger Wilsteraner Zahnarzt Wolfgang Berndt engagiert sich im Ruhestand in der Kleiderkammer der Mission.

von
erstellt am 03.Mai.2016 | 05:30 Uhr

Alljährlich vor Weihnachten verkauft die Brunsbütteler Seemannsmission einen besonderen Adventskalender. Wer den kauft, unterstützt die Arbeit von Diakon Leon Meier und seinem Team und hat die Chance auf einen von vielen gespendeten Preisen. Im Januar 2015 gehörte Meier selbst zu den Gewinnern: Damals heuerte Bernd Voss in der Kanalstraße 8 an. Der Zahnarzt aus Kleve im Kreis Steinburg war in den Ruhestand gewechselt und hatte einen der Seemannskalender geschenkt bekommen. Schnell stand für ihn fest: In der Einrichtung möchte er sich engagieren. Seitdem ist Wolfgang Berndt Herr der Kleiderkammer in der Brunsbütteler Mission.

Jeden Mittwoch ab 17 Uhr kümmert er sich um die gespendete Kleidung, sortiert die Textilien in einen Schrank ein, aus dem sich die Seeleute – überwiegen Philippiner – bedienen dürfen. Doch es ist schwieriger geworden für den 63-jährigen, brauchbare Kleidung für seine Kundschaft zu bekommen, die mitunter ein Jahr lang kaum von Bord kommt. „Wir brauchen vor allem warme Sachen und Wetterjacken“, erzählt Berndt und schiebt nach, was gar nicht hilft: Anzüge. Solche Spenden seien sicher gut gemeint, aber nicht für den Alltag an Bord geeignet. Sweater und Pullover in Standardgrößen statt XXL würden ständig nachgefragt. „Selbst im Sommer gehen diese Klamotten gut weg.“ Grund: Viele wissen, das sie zur kälteren Jahreszeit wieder in Nordeuropa unterwegs sein werden und sorgen deshalb vor. Viel Zeit zum Shoppen haben die Seeleute ohnehin nur selten. Bei den meisten wird außerdem die Familie in der fernen Heimat mit der Heuer unterstützt.

Er selbst habe mit der Seefahrt nie zu tun gehabt, sagt Berndt. Aber als gebürtiger Hamburger ist ihm die maritime Welt nicht fremd. Und auch aus seiner Wahlheimat Kleve ist er oft zum Spazierengehen an die Elbe bei Brokdorf gefahren.

Als er sich aus seiner Praxis in Wilster zurückzog, um einmal in der Woche als einer von Leon Meiers zehn ehrenamtlichen Unterstützern in Brunsbüttel aktiv zu werden, betrat Wolfgang Berndt Neuland. Längst aber packt er neben der kleinen Kleiderkammer mit an, wo immer seine Tatkraft gebraucht wird. „Im Grunde mache ich alles, was hier anfällt.“ Dazu gehören häufige Reparaturen der Billard-Queues. Deren Spitzen müssen vom vielen Spiel immer mal überarbeitet werden. „Das mache ich mit Vorliebe“, sagt Berndt verschmitzt.

Den Grund für das Nachlassen von Kleiderspenden an die Seemannsmission in der Kanalstraße sieht Leon Meier in einer Verlagerung von Interessen. „Die Blickrichtung hat gewechselt. Jetzt werden verstärkt Flüchtlinge unterstützt.“ Wie Wolfgang Berndt hofft der Diakon, dass bei aller Hilfsbereitschaft die Seemannsmission nicht in Vergessenheit gerät. >

  Infos: www.seemannsmission-brunsbuettel.de

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