Hochsaison : Seehundstation Friedrichskoog: Über 140 Heuler aufgenommen

Die Seehund-Waisen „Primus“ (r) und „Primel“ beschnuppern sich in einem Außenbecken der Seehundstation Friedrichskoog.

Die Seehund-Waisen „Primus“ (r) und „Primel“ beschnuppern sich in einem Außenbecken der Seehundstation Friedrichskoog.

Bis zu ihrer Auswilderung werden die Robben-Babys meist zwei bis drei Monate von den Tierschützern aufgepäppelt.

shz.de von
30. Juni 2018, 09:40 Uhr

Friedrichskoog | Große Kulleraugen und herzerweichendes Klagen: In der Seehundstation Friedrichskoog ist Hochsaison. Dort werden verwaiste Robben-Babys gepflegt. Aktuell sind es mehr als 140 junge Seehunde, die betreut und gefüttert werden müssen. „Letztes Jahr waren es um diese Zeit 50 mehr“, sagte Stationsleiterin Tanja Rosenberger. Grund für den Rückgang ist das gute Wetter. „Dadurch konnten mehr Tiere bei der Mama bleiben.“ Seehunde bringen ihren Nachwuchs in der Regel Anfang Juni bis Mitte Juli auf einer trockengefallenen Sandbank im Wattenmeer zur Welt.

Wenn Robben-Babys von ihrer Mutter getrennt werden

Nicht immer verläuft die Kindheit der kleinen Robben gut. So kann es passieren, dass ein Tierbaby von seiner Mutter getrennt wird. Zum Beispiel durch einen Sturm oder durch ein Sommergewitter. Hohe Wellen und starke Strömungen tragen dann dazu bei, dass die Mutter ihr Junges nicht mehr findet, erklärte Rosenberger.

Nicht immer verläuft die Kindheit eines Robben-Babys gut. Die Tiere können durch Sturm oder Gewitter von ihren Müttern getrennt werden.
Wolfgang Runge/dpa

Nicht immer verläuft die Kindheit eines Robben-Babys gut. Die Tiere können durch Sturm oder Gewitter von ihren Müttern getrennt werden.

 

Doch auch Menschen sind immer wieder Grund für ein schweres Seehund-Schicksal. Denn viele wissen nicht: „Das Heulen ist ein normaler Kontakt-Laut, mit dem das Jungtier seine Mutter ruft, es ist kein Klagen“, erklärt Rosenberger. Und wenn eine junge Robbe für ein, zwei Stunden alleine am Strand liege, sei dies kein Grund zur Sorge.

Kämen Menschen dem vermeintlich hilflosen Tier aber zu nahe, weil sie helfen oder mit ihrem Handy ein Selfie machen wollten, komme die Seehund-Mutter nicht mehr an ihren Nachwuchs heran – und schon seien sie getrennt.

Die Heuler sollen ein Mindestgewicht von 25 Kilogramm erreichen

Damit sie nicht verhungern, werden die Seehund-Waisen nach Friedrichskoog gebracht. Dort versuchen die Mitarbeiter, die Tier-Mutter zu ersetzen. „Früher hatten wir sie mit einer speziell für Seehunde angemischten Ersatzmilch gefüttert, denn Seehund-Milch hat einen Fettgehalt von rund 45 Prozent und ist laktosefrei. Doch die künstliche Seehund-Milch führte nicht zu einer schnelleren Gewichtszunahme oder zu einer Verbesserung des Gesundheitszustands“, sagt Rosenberger. „Also sind wir auf Fischbrei umgestiegen, denn wir versuchen, die Seehunde so artgerecht wie möglich zu ernähren.“

Neuankömmling von Pellworm: Das Seehund-Baby „Primel“.
Wolfgang Runge/dpa

Neuankömmling von Pellworm: Das Seehund-Baby „Primel“.

 

Die Ernährung mit Fischbrei – zunächst aus pürierten Filets, wenn die Tiere älter wurden, blieben vor dem Pürieren auch Gräten und Kopf mit daran – „funktionierte zwar sehr gut, war jedoch sehr aufwendig in der Zubereitung.“ Seit diesem Jahr bekommen die Seehund-Babys in Friedrichskoog in den ersten Tagen eine „Lachs-Emulsion“. „Der Vorteil ist, sie hat einen sehr hohen Fettgehalt und ist komplett flüssig, so dass die Tiere es einfach schlucken können.“ Danach werde auf Fisch umgestellt. Zuerst gebe es ganze kleine Fische. „Später bekommen sie 300 Gramm schwere Heringe, bis sie das für eine Auswilderung nötige Mindestgewicht von 25 Kilogramm erreicht haben.“

Die Robben-Waisen blieben bis zu ihrer Auswilderung meist zwei bis drei Monate in der Obhut der Tierschützer. Die Kosten dafür summieren sich den Angaben zufolge für jedes Tier auf mindestens 1300 Euro. Bei kranken Robben könne es wegen zusätzlicher Tierarztkosten noch teurer werden, sagte Rosenberger.

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