Material Beton : Sechs Künstler arbeiten an einem Thema

Zum Thema „Goldene Arbeit“ stellen verschiedene Künstler im  M 1 aus.
Zum Thema „Goldene Arbeit“ stellen verschiedene Künstler im M 1 aus.

Eine gemeinsame Ausstellung zeigen sechs Künstler im Kunsthaus M 1 in Hohenlockstedt.

shz.de von
06. Juni 2014, 17:00 Uhr

Sechs Künstler, ein Thema und ein gemeinsamer Film im Kunsthaus M 1: Babak Behrouz, Nick Koppenhagen, Eva Könnemann, Marco Kunz, Katja Lell und Laura Nitsch wagten das Abenteuer, sich zusammen als Gruppe Gleichberechtigter dem Material Beton künstlerisch anzunähern. Herausgekommen ist ein 50-minütiger Film, der erzählt von einer gemeinsamen Suche – sowohl in Bezug auf die Vorgehensweise in der Gruppe, ihre Möglichkeiten oder auch die konkrete Umsetzung von Angeboten eines einzelnen und der Veränderung durch die Gruppendynamik. Teile des Films zeigen transkribierte Textverläufe von Gesprächen, die innerhalb der Gruppe um obige Themen kreisen. Klare Meinungen traten gegeneinander an, denn die Akteure waren sich einig: Wir wollen Schwarz- und Weiß-, aber kein Graubrot.

Der Film dokumentiert auch in Wort und Bild einzelne Stationen. Das zahlreich erschienene Publikum erlebte also die Akteure auch beim Überlegen: „Und dann weiter?“ fragt der eine. Schweigen. Die Kamera hält durch. Nach ausgedehnten Orientierungsphasen folgen Aktionsschübe: die Betonmischmaschine wird angeschmissen, die Akteure, in blau-weißer Kluft, hantieren mit Stift und Lineal, hämmern und schaufeln. Am Ende bildet ein flaches Wasserbassin mit freier, darin stehender Figur das Endergebnis. Aus der Idee von „Material Beton“ entstand so das Projekt „Golden Arbeit“. Mit dabei, im Film sowie im Publikum, war Hündin Elli, die mit ihrem Buddeln im neben der Projektionswand installierten Sandhaufen für allgemeine Heiterkeit sorgte.

Während der Gemeinschaftsfilm in der Großen Halle gezeigt wurde, liefen die Arbeiten der einzelnen Künstler in den oberen Räumen des Kunsthauses. Jeder konnte das gemeinsam entwickelte Material von 80 Stunden Film und 100 Stunden Gespräche auch für sich verwenden und setzte es in eine eigene Arbeit um.

Im Januar 2012 hatte die Gruppe ihre Idee der jetzigen M.1-Kuratorin Annette Hans vorgestellt. 2013 konnte sie die sechs Akteure durch eine Förderung für einen zweiwöchigen Aufenthalt ins M.1 einladen. Nun präsentierte sie im M.1 die Erstaufführung der mit „Golden Arbeit“ betitelten Festivalversion der Künstlergruppe, die bis zum 29. Juni sonntags von 14 bis 18 Uhr (und nach Vereinbarung) durchlaufend gezeigt wird.

Eine Herzensangelegenheit für Annette Hans war zuvor der Abend mit Mechthild Hobl-Friedrich gewesen, die zwei Stunden lang aus Alfred Anderschs „Sansibar oder der letzte Grund“ vorlas – mit einem Bronzeguss von Ernst Barlachs „Klosterschüler“ als Leihgabe aus Güstrow. „Ich bin mir sicher, das Publikum hat das Kunstwerk nach der Lesung ganz anders gesehen!“ freute sich die Kuratorin über den Erfolg der Veranstaltung.

„Golden Arbeit“ mit Babak Behrouz, Nick Koppenhagen, Eva Könnemann, Marco Kunz, Katja Lell und Laura Nitsch ist im M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung, Breite Straße 18. Hohenlockstedt, bis zum 29. Juni jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung (04826/850110) zu sehen. Näheres unter www.arthurboskamp-stiftung.de


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