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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 15:57 Uhr

Gift : Sechs Bäume gefällt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kosten für die Stadt belaufen sich auf 30 000 Euro. Täter konnten nicht ermittelt werden

Mein Freund der Baum ist tot – Schlagerstar Alexandra beklagte seinerzeit das Bäumesterben wegen des sauren Regens. In der Overndorfer Lieth mussten gestern Morgen Bäume sterben, weil sie offensichtlich störten. In der Lieth die Firma HDL von Carsten Mohr mit Motorsägen, Schredder und Greifbagger an, um sechs vergiftete Buchen zu beseitigen. Begleitet von einem Kamerateam des NDR verrichteten die Garten- und Landschaftsbauer ihr trauriges Werk. Mit beträchtlicher krimineller Energie waren im vergangenen Jahr die gesunden Bäume im Wurzelbereich angebohrt, und die zirka 15 Zentimeter tiefen Kanäle laut eines von der Stadt in Auftrag gegeben Gutachtens mit einem hochgiftigem Herbizid verfüllt worden (wir berichteten).

60 bis 80 Jahre benötigten die Laubbäume, um zur stattlichen Größe heranzuwachsen. Nur Minuten dauerte es, bis der erste von ihnen nach exakt gesetztem Keilschnitt fiel. Im Schredderlärm erklärte Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) den Fernsehleuten die Bedeutung der Lieth als Naherholungsgebiet der Störstädter. Die Stadt sei immer darauf bedacht, den Grünschwund in Grenzen zu halten, unterstrich Pietsch. Wie im Overndorfer Teil des Grüngürtels zu sehen, klappe dies aber nicht immer. „Ein starkes Stück“, nennt Pietsch die heimtückische Giftattacke. Neben der Vernichtung von Stadtbild prägenden Bäumen – der Liethsaum zählt zu den Wahrzeichen wie die Türme von Rathaus, St. Cyriacus und Luisenberg – wird die Aktion auch den Steuerzahler eine Stange Geld kosten. Rund 30  000  Euro werden für die aufwändige Fällung und Entsorgung fällig.

„Eine Aktion aus egoistischen Gründen Einzelner muss von der Allgemeinheit bezahlt werden“, beschreibt Volker Ballin (Kellinghusener Liste) den gemeinen Akt. Die Anmaßung, ein halbes Dutzend fast hundertjähriger Bäume auf einen Streich den Garaus zu machen, sei zudem völlig sinnlos. „Durch die Naturverjüngung wird der Nachwuchs relativ schnell hochschießen.“ Besonders perfide bei dem Gilftanschlag: Die Löcher im Stamm wurden durch zuvor herausgeschnitzte Rindendeckel abgedeckt, so dass der Frevel zunächst auch den Fachleuten vom städtischen Bauhof nicht aufgefallen war. Als ein Baum im vergangenen Jahr einging, dachten sie zunächst an eine Krankheit. Zur Rechenschaft gezogen werden die Baumkiller wohl kaum. Die Ermittlungen seien abgeschlossen, Bürgerbefragungen im Umfeld hätten keinerlei sachdienliche Hinweise ergeben, sagte Polizeisprecherin Merle Neufeld.

Ein Zuschauer wundert sich gestern, dass niemand aus der Nachbarschaft Interesse am Geschehen vor der Haustür zeigt. „Ganz anders als bei der Durchforstung der Lieth. Aber hier haben einige wohl Angst, einen roten Kopf zu bekommen.“ Schließlich kamen die Anlieger Heiko und Stefanie Gietzen. „Das ist eine Schande“, schimpfte Heiko Gietzen über die unsinnige Tat. Seiner Meinung nach sind die Bäume an Liethsaum und -hang wichtig, um dem abschüssigen Gelände Stabilität zu verleihen. „Sie nehmen außerdem einen Teil des Wassers aus den zahlreich vorhandenen unterirdischen Quellen auf“, nannte Gietzen einen weiteren Punkt. Dass das Erdreich in Bewegung ist, steht für ihn außer Frage. „Seit wir 1986 hierher gezogen sind, belegen wir dies durch Markierungen im Haus“. Wie ein Schutzschild hätten die Bäume zudem Gewittern und Stürmen die Spitze genommen. „Durch die große Lücke bekommen wir das jetzt aus erster Hand.“

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