Wilster : Schwutzke als neues Zugpferd

Ortsbetreuerin Gerlinde Böttcher-Naudiet überreichte ein Geschenk an Helmut Jacobs für seine über 50-jährige Mitgliedschaft in der SPD.
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Ortsbetreuerin Gerlinde Böttcher-Naudiet überreichte ein Geschenk an Helmut Jacobs für seine über 50-jährige Mitgliedschaft in der SPD.

SPD Wilster nominiert Kandidaten für die Ratsversammlung. Helmut Jacobs tritt nach 46 Jahren nicht wieder an.

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26. Februar 2018, 05:00 Uhr

Wenn die Spitzenkandidatur der Parteien wie CDU und SPD gleichbedeutend mit einer Bewerbung um das Amt des Bürgermeisters wäre, könnte Bernd Schwutzke als neuer „Frontman“ der SPD Wilster bei einem Wahlsieg seiner Partei neuer Bürgermeister der Stadt Wilster werden. Sollte die CDU ihren Erfolg von 2013 wiederholen, bliebe Walter Schulz weiterhin der ehrenamtliche Bürgermeister der Marschenstadt. Die Entscheidung fällt bei der Kommunalwahl am 6. Mai.

Der derzeitige Bürgermeister-Stellvertreter Helmut Jacobs, seit 1972 in der Kommunalpolitik aktiv und verdienstvoll als Bürgervorsteher, Kreistags- und Landtagsabgeordneter, will sich in wenigen Monaten aus der Politik zurückziehen und sich nach 46 Jahren „ein wenig zur Ruhe setzen“. Sein Nachfolger in der SPD-Spitzenkandidatur soll Bernd Schwutzke werden. Er ist seit 18 Jahren SPD-Ratsherr.

Auf einer Mitgliederversammlung im Hotel Busch wählten 19 der aktuell 81 Mitglieder der SPD Wilster die neun Direktkandidaten sowie die weiteren Listenbewerber für die Neuwahl der Ratsversammlung. Direktkandidaten sind – mit großer Mehrheit in geheimer Wahl nominiert – Carsten Schröder, Kay Kaspereit und Natascha Böhnisch im Wahlkreis I, Frank Framke, Holger Stamm und Karin Lewandowski im Wahlkreis II sowie Bernd Schwutzke, Doreen Rupieta und Eike Starck im Wahlkreis III.

Vor der Festlegung der Reihenfolge auf den Plätzen 1 bis 9 gab es eine heftige Debatte unter den Genossen darüber, dass die Vorsitzende des Ortsvereins Wilster, Natascha Böhnisch, nur auf Platz 2 antreten und ihrem Mann Bernd Schwutzke für den Spitzenplatz 1 den Vortritt lassen wollte. „Du bist unser Zugpferd und das Gesicht der SPD“, machten Helmut Jacobs und Hans Dieter Hilgers der Vorsitzenden klar. „Du gehörst deshalb ganz nach vorn!“ Die Vorsitzende aber blieb konsequent. Eine Kandidatur um das Bürgermeisteramt kann sie offensichtlich nicht mit ihrem Beruf als Lehrerin an der Gemeinschaftsschule Wilster in Einklang bringen.

Diskutiert wurde auch über den Listenplatz 4 für die weithin unbekannte Bewerberin Doreen Rupieta. Sie ist neues Mitglied der SPD Wilster, Bundesjugendbeauftragte des Blauen Kreuzes und wurde den Mitgliedern als „kochkompetente junge Frau“ empfohlen. Wegen eines Termins in München hatte sie an der Mitgliederversammlung ihres Ortsvereins nicht teilnehmen können. Mehrere Mitglieder konnten sich mit der Rupieta-Kandidatur nicht anfreunden. „Ich kann doch keine Frau wählen, die ich überhaupt nicht kenne“, hörte der SPD-Vorstand immer wieder. Sie hätten lieber Karin Lewandowski auf Platz 4 gesehen anstatt auf Listenplatz 6. Aber auch Lewandowski lehnte einen Platztausch mit Doreen Rupieta ab.

Bei der Wahl um den Spitzenplatz 1 kam es dann aber plötzlich doch zu einer Stichwahl unter zwei Bewerbern. „Wenn es die Mehrheit so will, würde ich mich als Bürgermeister-Kandidat zur Verfügung stellen“, warf SPD-Ratsherr Holger Stamm seinen Hut in den Ring. „Du bist doch umstritten“, machte ihm Helmut Jacobs bewusst. Schließlich habe sich Holger Stamm, der seit zehn Jahren am Ratstisch sitzt, bei einer Jahrmarkt-Abstimmung nicht solidarisch mit seiner Fraktion gezeigt und gemeinsam mit der CDU gestimmt. Bei der Abstimmung setzte sich Bernd Schwutzke mit zehn Stimmen gegen sechs Stamm-Stimmen durch. Gleich drei Stimmzettel waren ungültig.

Die Kandidatenwahl war vom SPD-Kreisvorsitzenden Lothar Schramm und der Ortsbeauftragten für die SPD Wilster, Gerlinde Böttcher-Naudiet, geleitet worden. Böttcher-Naudiet dankte im Namen des SPD-Kreisvorstandes Helmut Jacobs für seine über 50-jährige Treue zur Sozialdemokratie und seine jahrzehntelange Mitarbeit in der Partei mit einem Blumenstrauß. Jacobs hatte als 24-Jähriger 1970 erstmals für die Ratsversammlung kandidiert und war zwei Jahre später für den ausgeschiedenen Gerhard Jens nachgerückt. 1974 war er Spitzenkandidat, Bürgervorsteher und Fraktionsvorsitzender und wurde 1990 zum ersten Mal Bürgervorsteher. „Als Spitzenkandidat wurde ich elfmal wiedergewählt“, erinnerte Helmut Jacobs.

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