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SCHUL-SCHLIESSUNG : Schwerer Abschied in Wellenkamp

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Gemeinschaftsschule Lübscher Kamp hat keine Zukunft – die Ansichten über die Schließung des Standorts sind geteilt.

Die Schülerzahlen sinken, die Anmeldungen reichen nicht für eine Zweizügigkeit – was sich länger abgezeichnet hat, ist für die Gemeinschaftsschule Lübscher Kamp nun traurige Realität: Es wird keine Zukunft für die Schule gesehen, der Unterricht soll kontrolliert auslaufen. Die Mehrheit der Ratsversammlung hat sich für diesen Weg entschieden und folgt damit einer Empfehlung von Schulrat Arnold Rehder (wir berichteten). Der Plan: Alle Schüler ab der 6. Klasse, die heute bereits die Schule besuchen, können dort noch ihren Abschluss machen. Die jetzigen Fünftklässler sowie die, die im Sommer dazu kommen, sollen jeweils nach der 6. Klasse im Klassenverbund an eine andere Gemeinschaftsschule wechseln – im Idealfall sogar mit ihrem Lehrer.

Nun reagiert das Kollegium auf den Beschluss. Wir stellen die Sicht der beiden Seiten gegenüber.

In einem Schreiben betonen die kommissarische Schulleiterin Ingrid Ludwig und ihre Stellvertreterin Nicole Mayer-Mieck: Anregungen aus Gesprächen zwischen Schulverwaltung und Politik seien von der Schule „sehr ernst genommen“ worden, „wir haben unsere Arbeit darauf ausgerichtet“. Es sei im September 2013 von der Politik – gemeint sind CDU und SPD – versprochen worden, dass der Standort „auf jeden Fall erhalten bleibt“ und dass Möglichkeiten einer Kooperation mit einer anderen Schule angedacht seien. Konkrete Planungen sollten nach Anmeldung der neuen fünften Klassen stattfinden. „Leider hat der Schulträger diesbezüglich mit uns keine Gespräche aufgenommen. Es wurden mit uns keine Kooperationsgespräche geführt!“ Was die Stadt mit anderen Schulen besprochen habe, „ist uns unbekannt“, so Mayer-Mieck auf Nachfrage.

Der in der Ratsversammlung erhobene Vorwurf, dass eine Kooperation mit der Grundschule Wellenkamp von dieser strikt abgelehnt werde, sei „ebenfalls nicht richtig“, heißt es im Schreiben. „Wir nutzen seit mehreren Jahren die Sporthalle und den Sportplatz. Unsere Sonderpädagogen arbeiten an beiden Schulen und tragen zu einem nahtlosen Übergang von der 4. zur 5. Klasse bei.“ Das zeige, dass in den letzten zwei Jahren viel bewirkt wurde, bekräftigt Mayer-Mieck. „Uns wurde leider keine Zeit gelassen, die Kooperation weiter auszubauen.“

Man habe auch mit der Schulleitung der Waldorfschule über eine Nutzung des dortigen Chemieraumes gesprochen. Dies sei aufgrund „logistischer und stundenplantechnischer Probleme“ kurzfristig nicht möglich gewesen. Aber: „Seit zwei Jahren nutzen unsere Schüler die Mensa der Waldorfschule.“

Ludwig und Mayer-Mieck „bedauern sehr, dass wir die aktuellsten Entwicklungen nicht mehr darstellen konnten und die Ratsversammlung und der Schulträger ihre Entscheidung ohne uns getroffen haben“. Zur Sitzung sei die Schulleitung nicht gekommen, weil „uns einfach die Kraft fehlte“, so Mayer-Mieck. Man sei „menschlich und politisch sehr enttäuscht“ worden. „Wir haben so viel Arbeit und Kraft reingesteckt in den zwei Jahren – und dann wurde das hinterrücks beschlossen, ohne mit uns darüber zu reden.“ Das sei auch das, „was uns so ärgert und traurig macht“. Wenn man gemeinsam gesucht, aber keine Lösung gefunden hätte, „wäre es okay gewesen“, so Mayer-Mieck.

Für die Lehrer wäre ein Fortbestehen als Außenstelle „eine gute Lösung“ gewesen. „Es wird hier was fehlen.“ Nichtsdestotrotz werde man nun mit aller Kraft daran arbeiten, das Beste für die Kinder daraus zu machen. „Frau Ludwig und ich werden auch die Schulleitung weitermachen“, betont Mayer-Mieck. „Wir schmeißen jetzt nicht hin!“

Es habe seitens der Verwaltung schon früh sehr intensive Bemühungen gegeben, einen Kooperationspartner zu finden, betont Andreas Arndt, Leiter des Amtes für Bildung. Da die Gemeinschaftsschule am Lehmwohld sowie die Wolfgang-Borchert-Schule (WBS) bereits Außenstellen haben, bliebe nur die Klosterhofschule. Wegen der geringen Zahlen sei jedoch klar gewesen, dass die Schüler maximal bis Klasse 6 an der Außenstelle bleiben können, danach müssten sie wegen der Wahlpflichtkurse an die Mutterschule. Doch die Klosterhofschule sei dafür „baulich nicht in der Lage“. Pendeln sei teuer. An der WBS sind es jährlich knapp 50 000 Euro. Dazu kommt, dass am Lübscher Kamp nach dem Beatenberger Modell unterrichtet wird. „Eine Rückfrage beim Ministerium hat ergeben: Es darf an einer Schule nur ein pädagogisches Konzept geben.“ Und: Es seien von der Schule Lübscher Kamp selbst keinerlei Anregungen zu Kooperationen gekommen. Sein Eindruck: „Man hat mehr darauf gehofft, eigenständig zu bleiben.“

Auch für Schulrat Arnold Rehder ist es „nicht sinnvoll“, die Schule als Außenstelle zu halten. Es gebe kreisweit deutlich weniger Anmeldungen als erwartet, an der WBS blieben wohl zwei Räume frei. „Warum tut es Not, eine Außenstelle zu halten, wenn wir woanders Platz haben?“ Itzehoe sei mit drei Gemeinschaftsschul-Standorten gut bedient – auch wenn die nicht perfekt verteilt seien.

Der Kern der Lösung sei: „Wir wollen alle mitnehmen: Eltern, Schüler, Schulleitung und Schulträger.“ Dazu gehöre auch, den Elternwillen zu berücksichtigen. Alle, die ihre Kinder bisher am Lübscher Kamp angemeldet haben, können sie dorthin gehen lassen – wenigstens bis zur 6. Klasse. Deshalb könne man auch nicht Kinder aus der Klosterhofschule gegen den Willen nach Wellenkamp schicken: „Wir müssen auch dort den Elternwillen respektieren.“ Der gefundene Weg sei der bestmögliche, betont Rehder. Beim Elternabend der 5. Klasse habe er das vermittelt. „Es lief bombastisch.“

Hinsichtlich der Grundschule Wellenkamp verweist Andreas Arndt auf einen Brief der Schulleitung aus dem November 2012. Darin wird sowohl eine inhaltliche als auch eine räumliche Kooperation „mit größter Skepsis“ gesehen. Es wird unter anderem befürchtet, dass „der Ruf der Grundschule erheblich leidet“. Eltern äußerten sich „empört, dass das den Grundschülern zugemutet werden soll“. Schulleiterin Waltraud Arbeiter sagte jetzt auf Nachfrage, dass nach wie vor eine inhaltliche Verbindung als nicht möglich angesehen werde. Doch gegen die Nutzung von Räumen spreche nichts.

Sowohl Arndt als auch Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen verhandelten mit der Waldorfschule wegen des Chemieraums. „Ab 10.30 Uhr könnte er genutzt werden“, erklärt Arndt. „Das sahen wir als nicht so problematisch an.“

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erstellt am 30.Mai.2014 | 05:00 Uhr

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