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Hochwasserschutzkonzept : Schutz vor Hochwasser auch Privatsache

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit mehr als 20 Jahren versucht die Stadt Kellinghusen ihre Bürger besser vor den periodisch auftretenden Überschwemmungen zu schützen. Die Arbeit für städtisches Konzept geht weiter voran.

Mehrfach hatte Thorsten Evertz seine Arbeiten für ein städtisches Hochwasserschutzkonzept öffentlich vorgestellt. Von den theoretischen Darstellungen seiner Wirkungsanalyse wechselte der Ingenieur jetzt in die Praxis. Gemeinsam mit Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) marschierte er bereits durch die Störwiesen und sah sich Grundstücke im Bereich Brauerstraße und Birkenallee an. Wie im Rahmen der jüngsten Einwohnerversammlung im Dezember 2016 angekündigt, soll in Bürgergesprächen außerdem der öffentliche mit dem privaten Hochwasserschutz in Einklang gebracht werden.

Vorrangig klopft der Geschäftsführer des Unternehmens „Wasser und Plan“ dabei an die Türen von Anwohnern in der Birkenallee. Deren Unterstützung ist notwendig, damit in einem ersten Konzept-Baustein die Aufweitung des innerstädtischen Flussprofils in Angriff genommen werden kann. Seit mehr als 20 Jahren versucht die Stadt, ihre Bürger besser vor den periodisch auftretenden Überschwemmungen zu schützen. Über die notwendigen Schritte verhandelten verschiedene Bürgermeister, redeten sich Bürger in Initiativen und städtischen Versammlungen die Köpfe heiß, produzierten Experten schlaue Papiere. Kleinere Maßnahmen wie der Abriss der alten Eisenbahnbrücke und die Beseitigung von Fließhemmnissen an Uferböschungen konnten das Hochwasser nicht wesentlich beeinflussen.

Zuletzt platzte dem Geldgeber Land der Kragen: Kiel forderte die Umsetzung eines weiteren (bezuschussten) Gutachtens – das Hochwasserschutzkonzept – sowie die Mitgliedschaft in einem Wasser- und Bodenverband als Voraussetzung für die Bereitstellung weiterer Finanzmittel. Planerisch hat Gutachter Evertz alles in trockenen Tüchern.

Bei der Umsetzung der Vorgaben ist die Stadt jedoch auf den guten Willen von Bürgern angewiesen. Einigkeit mit den Besitzern der Poggenwiese besteht bereits hinsichtlich einer möglichen Teilflutung des Areals. Gefragt sind aber auch Eigner von Ufergrundstücken in der Birkenallee. Mit ihnen spricht Evertz jetzt über Punkte wie Vermessung, Absenkung von Uferstreifen und Schutzbauwerke. Auf der Tagesordnung stand das Thema im vergangenen Ausschuss für Hochwasser und Umwelt. Positiv vermerkte der Bürgermeister dort: „Die Dialogbereitschaft auf Seiten der Bürger ist auf jeden Fall da.“ Wegen rechtlicher Bedenken ein wenig ins Stocken geraten, sei hingegen der Beitritt zu einem Wasser-und Bodenverband. Bis zu 80 Prozent Förderung hängen von einer Mitgliedschaft ab, so Pietsch. Angesichts der voraussichtlichen Millionensumme für die Umsetzung des Schutzkonzepts ein unverzichtbare Anteil für die Stadt.

Info Verbandsbeitritt: Wasser- und Bodenverbände sind Körperschaften öffentlichen Rechts ohne Gebietshoheit. Sie dienen der Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen wasserwirtschaftlichen Aufgaben und damit dem öffentlichen Interesse und dem Nutzen ihrer Mitglieder. Zu ihren Aufgaben zählt neben der Unterhaltung von Gewässern auch der Schutz von Grundstücken vor Hochwasser. Als Voraussetzung für die Bereitstellung weiterer Fördermittel für die Umsetzung des Hochwasserschutzkonzepts fordert das Land eine Verbandsmitgliedschaft. Laut Bürgermeister Pietsch hat die Stadt vier Möglichkeiten, dem nachzukommen: Ein vollständiger Verbands-Beitritt, eine kooperative Mitgliedschaft, eine eigene Verbandsgründung oder die Mitgliedschaft in einem Bearbeitungsgebietsverband. Um die Handlungsfähigkeit der Stadt sicherzustellen, sollen 20  000 Euro in den Haushalt eingestellt werden.

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