Verfolgungsjagd bis nach Rendsburg : Schüsse in Itzehoe: War es versuchter Mord oder Notwehr?

In einem Gewerbegebiet in Itzehoe kam es zu der Schießerei.

In einem Gewerbegebiet in Itzehoe kam es vor fünf Monaten zu der Schießerei.

Im Ortsteil Wellenkamp fallen Schüsse, eine Verfolgungsjagd endet erst in Rendsburg. Zwei Männer sind angeklagt.

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19. Januar 2017, 13:15 Uhr

Itzehoe | Im Mordprozess vor dem Landgericht Itzehoe um eine Schießerei in der Kreisstadt hat der Vertreter der Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Notwehr zugebilligt. „Das lässt sich nicht sicher ausschließen“, sagte der Vertreter der Anklagebehörde am Donnerstag in seinem Plädoyer. Der 29 Jahre alte Angeklagte hatte im Juni 2016 bei einer Auseinandersetzung einen 27-Jährigen mit einer Pistole niedergeschossen. Zu den Hintergründen der Auseinandersetzung gab es auch nach elf Tagen Beweisaufnahme keine Erkenntnisse.

Bei der anschließenden Flucht hatte er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft noch einmal auf den Fahrer eines Verfolgers geschossen. „Es war nur Zufall, dass die Kugel in der B-Säule des Fahrzeugs steckenblieb.“ Diesen Schuss wertete der Staatsanwalt als versuchten Totschlag. „Ein Schuss auf den Reifen wäre angebracht gewesen, nicht aber auf den Fahrer.“

Strafmildernd müsse berücksichtig werden, dass der Angeklagte noch unter dem frischen Eindruck der Notwehr wenige Minuten zuvor stand, sagte der Staatsanwalt. Er forderte dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe für den 29-Jährigen. Für den 24 Jahre alten Bruder neben ihm auf der Anklagebank beantragte er wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz sieben Monate auf Bewährung.

Der 29-Jährige hatte in einem Geständnis erklärt, er habe nur in dem Moment geschossen, als die mit Holzknüppeln und Messern bewaffneten angeblichen Opfer seinen Bruder angegriffen hätten. Entsprechend wollte sein Verteidiger auch die Kugel im Türrahmen des Autos in die Notwehrsituation mit einbezogen wissen. Er hielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr für seinen Mandanten für den Verstoß gegen das Waffengesetz als angemessen. Der Verteidiger des 24-Jährigen forderte für seinen Mandanten Freispruch. Die Urteile sollen am 30. Januar verkündet werden.

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