Wirtschaft : Schüler werden zu Personalchefs

Spielleiter Günter Wangerin (re.) erklärt Till Olsen (li.) und Marten Punken den Umgang mit betriebswirtschaftlichen Fragen.
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Spielleiter Günter Wangerin (re.) erklärt Till Olsen (li.) und Marten Punken den Umgang mit betriebswirtschaftlichen Fragen.

Planspiel des Unternehmensverbandes soll Gymnasiasten die Berufswahl erleichtern

shz.de von
10. Juli 2015, 05:00 Uhr

Finanz- und Personalchef oder Sprecher der Geschäftsleitung – normalerweise kein Job für Schüler. Anders beim Unternehmensplanspiel Wiwag (Wirtschaftswochen AG) des Unternehmensverbandes (UV) Unterelbe-Westküste, das in diesem Jahr bei den Stadtwerken Itzehoe veranstaltet wurde. 18 Oberstufenschüler der Auguste-Viktoria-Schule, der Kaiser-Karl-Schule und des Sophie-Scholl-Gymnasiums nahmen an dem Planspiel teil, um sich mit verschiedenen betriebswirtschaftlichen Themen auseinanderzusetzen.

Unter der Leitung von PR-Berater Günter Wangerin mussten sich die Schüler in Sechsergruppen als Unternehmen mit unterschiedlichen realitätsnahen Problemen und Szenarien beschäftigen: Was, wenn der Börsenkurs sinkt? Wenn gestreikt wird oder sich die Nachfrage ändert? Am Ende der Woche verfassten die Schüler einen umfangreichen Abschlussbericht, den sie anschließend präsentierten.

Ken Blöcker, Geschäftsführer des UV Unterelbe-Westküste, möchte durch dieses Praxisangebot „eine gesellschaftliche Bildungsverantwortung übernehmen“ – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und Abwanderung junger Menschen aus der Region. Darin sieht auch Gastgeber Manfred Tenfelde, Geschäftsführer der Stadtwerke, ein Problem: „Es wird immer schwieriger, qualifizierte neue Fachkräfte zu bekommen.“ Der Verband sieht diese Veranstaltung als einen Weg, junge Menschen rechtzeitig an wirtschaftliche Rahmenbedingungen heranzuführen und somit einen Beitrag zur Gewinnung von künftigen Führungskräften zu leisten.

Während des Planspiels arbeiteten die Schülergruppen täglich von 8.30 bis etwa 17 Uhr an Konzepten für ihr Produkt – unter dem Namen „In Time AG“, „Eleven Thirty-Five AG“ und „Trainergy“ galt es, als Unternehmen Sportuhren zu vermarkten. Zwischen den Arbeitsphasen hörten die Schüler Informationsblöcke aus der Praxis zu Themen wie Ausbildungsfragen, Rechnungswesen, Personal, Finanzen/Controlling oder Absatz/Marketing. Die Vorträge hielten Mitarbeiter der Volksbank Raiffeisenbank und der Sparkasse Westholstein sowie der Kölln-Flocken-Werke Elmshorn.

Till Olsen, Zwölftklässler der Auguste-Viktoria-Schule, wollte mit dem Planspiel herausfinden, ob ein wirtschaftlicher Beruf etwas für ihn wäre. Die Veranstaltung habe ihm Spaß gemacht und sei informativ gewesen, sagte der Gymnasiast. Marten Punken aus der zwölften Klasse der Kaiser-Karl Schule möchte später einen Job in Richtung Betriebswirtschaft oder Marketing haben. Sein Urteil: Das Planspiel habe ihn auf jeden Fall weitergebracht.

Spielleiter Günter Wangerin erkennt jedes Mal eine messbare Entwicklung der Schüler: Montagmorgen seien sie noch unsicher, freitags finde er es beeindruckend, „mit welchem Selbstverständnis die Schüler Fachbegriffe verwenden“.


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