Musik, Film und TV : Schüler startet eigenes Unternehmen

600 000 Euro sammelte Finn Plotz als Startkapital. Noch in diese Jahr soll sein neues Produkt auf den Markt kommen.
Foto:
1 von 2
600 000 Euro sammelte Finn Plotz als Startkapital. Noch in diese Jahr soll sein neues Produkt auf den Markt kommen.

Schluss mit dem Geräte-Wirrwarr: Eine Erfindung von Finn Plotz aus Glückstadt soll Musik, Film und Fernsehen aus einer Hand bieten. Vier Investoren stellen ein großes Startkapital bereit.

von
24. Januar 2015, 16:00 Uhr

Wenn Finn Plotz (19) abends zur Entspannung einen Film anschauen möchte, dann verzweifelt er regelmäßig: Seinen Wunsch-Film findet er in der Regel nur per Stream im Internet. Hier stößt sein Fernseher an seine Grenzen. Am PC lässt sich der Film zwar abspielen, aber der Klang ist nicht optimal. Eine Verkabelung mit der Stereo-Anlage würde zu viel Zeit und Nerven kosten.

Ein von Plotz selbst entwickeltes Produkt soll Abhilfe schaffen: Ein Gerät, das sich an den Fernseher oder die Musikanlage anschließen lässt und Filme, Musik und Fernsehprogramme jederzeit und nach individuellen Wünschen abspielt. „Das Produkt soll die richtigen Sachen zur richtigen Zeit einfach und verständlich präsentieren“, erklärt Plotz. Simplex soll es heißen. „Das ist das Gegenteil von komplex“, erklärt der Erfinder. Mehr könne er im Moment noch nicht verraten, denn die Planung seines Produkts geht gerade in die „heiße Phase“: Im März soll ein erster Prototyp hergestellt werden, im Juli die Massenproduktion starten und im Herbst soll das Gerät auf den Markt kommen.

Für Plotz bedeutet das im Moment Anspannung pur: Schon morgens nach dem Aufstehen checkt er seine Mails. Wenn er nachmittags aus der Schule kommt – Plotz besucht die dreizehnte Klasse des Detlefsengymnasiums – nimmt er Geschäftstermine in Hamburg oder Berlin wahr oder sitzt am heimischen Schreibtisch. „Auch jetzt gerade rattert es in mir“, sagt der Abiturient beim Interview. Tag und Nacht denkt der Jungunternehmer im Moment darüber nach, was bei seinem Produkt noch fehlen könnte.

Die Idee dazu kam dem Schüler im Sommer 2013, nachdem er sich über das neue Heimkino seiner Eltern geärgert hatte, das einfach nicht funktionieren wollte. Als er entspannt auf der Gartenliege ein Buch las, schoss es ihm durch den Kopf: „Da muss es einfachere Lösungen geben.“ Nach einigen Tagen im stillen Kämmerlein war die Idee für sein neues Produkt geboren.

Nun galt es, Ingenieure, Firmen und Investoren zu überzeugen. Erste Adresse für den Schüler war Dr. Gerrit Tamm aus Hohenaspe, der als Professor für Wirtschaftsinformatik und als Unternehmer in Berlin arbeitet. „Ich erzählte ihm von meiner Idee und hatte gleich am nächsten Tag einen Termin bei ihm in Berlin“, sagt Finn Plotz.

Professor Tamm half, ein erstes Geschäftsmodell zu entwickeln, und vermittelte weitere Kontakte, die sich nun Schritt für Schritt ergaben, darunter das Innovationszentrum in Itzehoe (IZET), verschiedene Technologie-Unternehmen und die mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein (MBG).

Die MBG ist eine von drei Investoren, die Finn Plotz insgesamt 600 000 Euro Startkapital bereitstellen. Der 19-Jährige ist selbst überrascht von der enormen Summe, die er eingeworben hat. „Angesichts meines Alters waren viele meiner Kontakte zunächst skeptisch. Doch sobald ich von meiner Idee erzählt habe, stieß ich auf Begeisterung.“

Zahlreiche Präsentationen vor privaten Investoren hielt Plotz, zeigte Technikern seine Pläne und ließ sich von Marketingleuten beraten. Auch wenn sein Leben in den vergangenen Monaten manchmal sehr stressig gewesen sei: „Richtige Arbeit ist das eigentlich nicht. Es ist die tollste und spannendste Sache, die ich bis jetzt in meinem Leben machen durfte.“

Ansporn gibt dem jungen Unternehmer sein Gefühl: „Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, ein tolles Produkt mit einem greifbaren Mehrwert entwickelt zu haben.“ Die Konzepte von internetfähigen Fernsehern seien noch nicht ausgegoren und die Geräte in der Bedienung viel zu kompliziert. Zwei Drittel der deutschen Bevölkerung würden sich daher immer noch vom linearen Fernsehen vorgeben lassen, welche Sendungen sie schauen, obwohl Internet-Dienste doch ganz andere Möglichkeiten böten. „Mehrwert durch Einfachheit – das ist die Philosophie meines Produkts.“

Ob Plotzs Idee wirklich so genial ist, das dürfen einige Glückstädter schon im Mai prüfen. Dann soll mit 50 Geräten eine interne Testphase starten. Bis dahin muss der junge Geschäftsführer dafür sorgen, dass die Fäden von Planung, Zulieferung und Produktion nach seinen Wünschen zusammenlaufen. Momente der Verzweiflung gehörten ebenso zu dieser Phase wie die Vorfreude auf das neue Produkt. Eins ist für den Unternehmer, der zunächst den deutschen und später auch den europäischen Markt erobern möchte, bereits klar: „Ich bin fest davon überzeugt, mit Simplex erfolgreich zu werden, bin mir der Stolpersteine auf meinem Weg aber mehr als bewusst.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen