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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 10:39 Uhr

Schüler rettet Mann aus der Stör

vom

16-jähriger Rettungsschwimmer reagierte geistesgegenwärtig

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Itzehoe | Eigentlich wollte Enno Hafemeister am Montagabend nur eine Fahrradtour entlang der Stör machen. Doch dann sah er um 19.50 Uhr ein Motorboot auf Höhe der Delftorbrücke, das ihm seltsam erschien - schon alleine, weil es so nah an der Brücke war. "Der Bootsführer schrammte die Brücke und dann fiel mir auf, dass hinter dem Schiff eine Person im Wasser schwamm", erzählt der 16-Jährige. Der Schüler ist Mitglied der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Und so war ihm schnell klar, dass es sich um ein Unglück handeln musste - und dass seine Hilfe gefragt war.

Zunächst fuhr der Itzehoer auf die Delftorbrücke, wo auch schon einige Passanten das Geschehen beobachteten. Von dort rief er hinunter und fragte, ob er helfen könne. "Das Bewusstsein der Person auf dem Boot war getrübt", erkannte er. Kein Wunder, wie sich später herausstellte: Die Polizei stellte bei dem 60-jährigen Bootsführer einen Atemalkohol-Wert von 2,43 Promille fest.

Jetzt gab es für Enno Hafemeister kein Zögern mehr. Als er sah, dass die Person im Wasser sich nicht mehr über Wasseroberfläche halten konnte, fuhr er sofort zum Ufer. In wenigen Sekunden streifte er seinen Fahrradhelm vom Kopf und schwamm in voller Kleidung zu dem Verunglückten. Der Schüler ist ausgebildeter Rettungsschwimmer. Durch sein Wissen, das er sich bei seinem Hobby in der DLRG in Theorie und Praxis angeeignet hat, war es dem 16-Jährigen möglich, den Mann aus dem Wasser zu retten. "Er hat Danke gesagt und konnte nach wenigen Minuten auch wieder ein bisschen mit mir sprechen", erzählt Enno Hafemeister.

Während sich der 64-Jährige vom ersten Schock erholte, bat sein Lebensretter Passanten darum, einen Notruf abzusetzen. Wenige Minuten später war der erste Streifenwagen vor Ort. Gemeinsam mit den Beamten wurde der Verunglückte die Böschung hoch gebracht und schließlich mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren.

Der Bootsführer und der Retter wurden dagegen zur Wache gebracht, um ihre Aussagen zu machen. "Dort klebte ich erst einmal zehn Minuten an der Heizung, um mich aufzuwärmen", erzählt der 16-Jährige.

Inzwischen hat er sich längst von seinem Einsatz erholt. Einen Schrecken habe er nicht erlitten, sagt er. Wegen der guten Vorbereitung bei der DLRG habe er sofort gewusst, was zu tun ist. Für ihn war der Einsatz selbstverständlich. Auf den Hinweis, dass er ein echter Lebensretter sei, sagt er nur bescheiden: "Ja, wenn Sie es so nennen wollen."

Für den 60-jährigen Bootsführer wird es ein Nachspiel geben: Die Polizei ermittelt wegen des "Führens eines Fahrzeuges unter Alkoholeinfluss". Wie es zu dem Unfall gekommen sei, könne er sich gar nicht erklären, sagte der Mann den Beamten. Sein Kumpel sei "einfach so vom Boot gefallen". Er sei zu ihm gefahren, um ihn wieder an Bord klettern zu lassen, doch das habe nicht geklappt. Dann sei plötzlich sei der junge Mann da gewesen.

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