zur Navigation springen

SCHLIESSUNG DROHT : Schüler kämpfen für Lübscher Kamp

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Zukunft der Wellenkamper Gemeinschaftsschule steht auf der Kippe. Jugendliche hoffen auf neue Chance durch Aufschub.

von
erstellt am 15.Mai.2014 | 05:00 Uhr

Es war ein Schock für die Schüler der Gemeinschaftsschule Lübscher Kamp: In unserer Zeitung mussten sie gestern lesen, dass der Bildungsausschuss wegen der sinkenden Schülerzahlen keine Zukunft für die Wellenkamper Schule sieht. Das wollen die Schüler nicht einfach so hinnehmen. „Wir sind überhaupt nicht der Meinung, dass unsere Schule geschlossen werden soll“, sagt Lea-Marie (16) aus der 9. Klasse. Das sehen auch ihre Mitschüler so, weiß sie: „Wir sind durch die Klassen gegangen und haben gefragt.“

Aus Sicht der Teenager gibt es viele gute Argumente, die für den Erhalt der Schule sprechen. „Viele Schüler, die hier zur Schule gehen wollen, kommen aus Wellenkamp. Gerade für Jüngere sind kurze Wege wichtig“, betont Lea-Marie. Und Wellenkamp sei ja schließlich der größte Stadtteil. Durch das Neubaugebiet in Breitenburg kämen auch viele Kinder dazu.

Es gebe in der Schule auch einen größeren Anteil an Schülern mit besonderen Lernschwierigkeiten, sagt Joelina-Sophie (15). „Für sie ist es an einer kleinen Schule besser.“ Das gelte aber auch für alle anderen, meint Schülersprecherin Elizaveta (17). „Jeder kennt jeden, die Lehrer haben einen besseren Überblick, wir sind wie eine große Familie, jeder hilft jedem.“ Auch neue Schüler würden gut aufgenommen. So etwas wie Mobbing gebe es am Lübscher Kamp nicht. „Unsere Schule ist klein, aber fein“, sagt Carina (15). Das liege nicht zuletzt am „guten pädagogischen Lehrkonzept“, meint Lea-Marie. „Das macht viel Spaß, sowas haben nicht viele Schulen.“

Wenn die Schule geschlossen werde, gebe es in Wellenkamp nichts mehr für die Jugend, bedauert Joelina-Sophie. „Seit die Begegnungsstätte umgebaut wurde, ist es sowieso schon weniger.“

Der Weg des kontrollierten Auslaufens, wie ihn Schulrat Arnold Rehder vorgestellt hat, würde bedeuten, dass die jetzigen und künftigen Fünftklässler nach der 6. Klasse geschlossen die Schule wechseln. „Das ist eine große Umstellung“, meint Joelina-Sophie. Man müsse sich an neue Mitschüler und Lehrer gewöhnen – „das ist normal, dass man das nicht gut findet“, ergänzt Carina.

Doch die Jugendlichen denken nicht nur an sich selbst. „Unser Hausmeister verliert dann seine Wohnung und seinen Job, den er jahrelang gemacht hat“, bedauert Joelina-Sophie. Und auch viele der Lehrer seien schon lange an der Schule. „Für sie ist es auch schade“, weiß Schülersprecherin Sophie-Marie (16). „So ein Kollegium findet man nicht wieder“, unterstreicht Schulsozialarbeiterin Stephanie Glenz, die die Schüler gut verstehen kann. „Gerade weil es so klein ist, ist es ein optimales Arbeiten hier, auch für mich.“

Mit der Schule sterbe auch eine Tradition, betont Sophie-Marie. „Die Schule gibt es schon so lange, Eltern und ältere Geschwister waren schon hier, jeder kennt die Schule. Es ist schade, dass sie jetzt so einen schlechten Ruf bekommen hat, weil die Politiker sie so darstellen.“ Auf Politik und Verwaltung sind die Schüler nicht gut zu sprechen. Man habe immer wieder versprochen, in einen Physik- und Chemieraum zu investieren. Doch das sei nicht eingehalten worden. „Es hieß, dass alle um die Schule kämpfen, aber hinter unserem Rücken wurde etwas anderes beschlossen“, sagt Joelina-Sophie. Deshalb müssten die Schüler selbst kämpfen. Ihr Appell an die Ratsversammlung, die heute entscheidet: Man möge der Schule noch eine Chance geben. Es habe dort gerade eine Aufbruchstimmung eingesetzt, vielleicht ließe sich das Ruder noch herumreißen. Und wenigstens als Außenstelle einer anderen Schule könnte Lübscher Kamp doch erhalten bleiben, hoffen sie. „An der Klosterhofschule ist es so voll, wieso kann von dort nicht eine Klasse hierher, dann sind wir zweizügig“, meint Joelina-Sophie. „Wir haben immer geholfen und uns um andere gesorgt, haben neulich auch Kuchen zugunsten der Explosionsopfer verkauft“, sagt sie. „Uns hilft keiner.“


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen