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Auf Tonsuche in Itzehoe : Schüler fangen Klänge der Stadt ein

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein halbes Jahr lang waren Jugendliche, Sehbehinderte und Kulturschaffende auf Tonsuche in Itzehoe – jetzt präsentieren sie ihre Ergebnisse.

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erstellt am 21.Jun.2016 | 05:37 Uhr

Das Klicken der Blinden-
Ampel wird zum Samba-Rhythmus, das Donnern der Lokomotive zur Base-Drum und das Quietschen des Autos zur Melodie: Ein halbes Jahr lang waren Schüler der Kaiser-Karl-Schule (KKS) und der Steinburgschule in Itzehoe mit Aufnahmegeräten unterwegs und haben die typischen Klänge der Stadt eingefangen. Mit Hilfe moderner Ton- und Schnitttechnik entstanden einerseits ungewöhnliche Klangkunstwerke und andererseits eine Handy-App, die insbesondere Blinden und Sehbehinderten die Orientierung in der Stadt erleichtern kann. Beides stellen die Schüler am Donnerstag um 16 Uhr in der Aula der KKS, Hinterm Sandberg 1-3, der Öffentlichkeit vor. Eine CD mit den Ergebnissen sowie eine umfangreiche Text-Dokumentation sollen den Besuchern an die Hand gegeben werden.

„Es handelt sich um ein einmaliges Projekt, das die Ansätze von Medienpädagogig, Inklusion und Klangkunst miteinander vereint“, sagt Initiatorin Ingrid Ebinal vom Kulturverein K9. Neben Mitgliedern ihrer Gruppierung waren auch KKS-Musiklehrer Matthias Rheinländer, der Hamburger Klangkünstler Clemens Endres, Karl Friedrich Steltmann vom Blindenverein Steinburg und Medienpädagogen vom Offenen Kanal Westküste maßgeblich beteiligt.

Wöchentlich trafen sie sich mit den Schülern, um zunächst auf die Suche nach Tönen zu gehen. „Es gibt viele Orte in der Stadt, die klanglich sehr prägnant sind“, sagt Tristan Yorick Vogel (16), einer der teilnehmenden Schüler. „Das hätte ich nicht unbedingt so erwartet.“ Fasziniert hätten ihn vor allem der Friedhof („weil der so ruhig ist“) und die Rolltreppe im Holstein-Center („das Quietschen ist unheimlich markant“). Auf viele Geräusche hätten ihn die beiden sehbehinderten Teilnehmer – neben Karl Friedrich Steltmann war das Steinburg-Schüler Mirco Seefeldt (16) – erst aufmerksam gemacht, wie zum Beispiel das eigentümliche Klackern des Fahrkartenautomaten am Bahnhof. „Die beiden haben eine ganz andere Wahrnehmung unserer Stadt“, sagt Christian Reese (16).

Im zweiten Schritt des Projekts ging es mit Klangkünstlern und Medienpädagogen an das Schneiden der Aufnahmen. Nach und nach entstanden Ideen in den Köpfen der Schüler, welches Geräusch in den Klangkunstwerken am Ende zur Melodie, zum Bass oder zum Rhythmusgeber werden könnte. Am Ende entwickelten sie bis zu vier Minuten lange Klangkunstwerke, die fast wie gewöhnliche Musikstücke klingen: „Dass diese Klänge aus Geräuschen der Stadt entstanden sind, mag man gar nicht glauben“, sagt Ingrid Ebinal.

Eindeutiger dagegen sei die Zuordnung der Klänge zu ihrem Ursprung in der App, die in erster Linie auf Information setze. „Sie verknüpft einzelne Geräusche mit bestimmten Orten auf dem Stadtplan und ist damit ein Ansatz für ein Blinden-Leitsystem, das in Itzehoe bislang noch fehlt“, so Ebinal.

Schon jetzt erfährt das Vorhaben bundesweite Aufmerksamkeit: In einem Wettbewerb des Bundesfamilienministeriums für die Kooperation zwischen Kultur und Schule wurde „Wie klingt unsere Stadt“ als eines von zwölf Projekten für die Endrunde in der Kategorie „Teilhabe“ nominiert. Die Gewinner werden im November bekannt gegeben.

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