Bahn : Schüler entsetzt über neuen Fahrplan

Sind eigentlich Bahn-Fans, haben aber jetzt die Nase voll, die Schüler Frederieke, Silas und Malte Radebold aus Glückstadt.
Sind eigentlich Bahn-Fans, haben aber jetzt die Nase voll, die Schüler Frederieke, Silas und Malte Radebold aus Glückstadt.

Waldorf-Schüler aus Glückstadt müssen jetzt lange in Itzehoe auf dem Bahnhof warten. Alternative: Mit dem Rad zur Schule fahren

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29. Dezember 2014, 11:45 Uhr

Frühes Aufstehen sind die Geschwister gewohnt, seit Jahren fahren sie jeden Morgen mit der Bahn nach Itzehoe zur Schule. Jetzt freuen sie sich über die Weihnachtsferien. Denn sie wissen: Im neuen Jahr werden sie wieder morgens geknickt und etwas übermüdet am Tisch sitzen. Was die Waldorfschüler Malte (17), Silas (15) und Frederike (14) vor Weihnachten noch erleben mussten, hätten sie sich nicht zu träumen gewagt: Mit der Umstellung des Fahrplanes müssen sie jetzt um 5.30 Uhr aufstehen.

Seit sechs Jahren sind sie Abo-Kunden mit einer für ein ganzes Jahr vergünstigten Karte. „Denn Bahnfahren ist wichtig“, sagt ihre Mutter Birgit Radebold. Bislang fuhren sie täglich mit der Regionalbahn (RB) nach Itzehoe. „Bis zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember war das überhaupt kein Problem“, sagt Silas. Um 7.17 Uhr sind sie in die Bahn gestiegen, um 7.34 Uhr in Itzehoe angekommen und dann in den Bus umgestiegen. Sie kamen um 7.55 Uhr an der Schule an, die um 8 Uhr beginnt. „Wir kamen jeden Morgen perfekt hin, alles lief super“, erzählt Malte.

Jetzt fährt die Bahn aber schon um 6.51 Uhr – 26 Minuten früher. Um das zu schaffen, laufen sie morgens schon um 6.40 Uhr zu Hause los. Sie sind um 7.06 Uhr in Itzehoe, wo die Jugendlichen erst einmal stranden: 34 Minuten müssen sie auf den Bus warten.

Zuvor boten NOB und RB ab Glückstadt drei Züge im kurzen Abstand an, die Geschwister konnten um 6.50 Uhr, um 7.06 Uhr (NOB) oder um 7.17 Uhr (RB) mehrere Verbindungen nach Itzehoe wählen. Jetzt gibt es nur noch einen Zug um 6.51 Uhr. „Da sind dann alle drin, die bisher in den anderen drei Zügen gefahren sind“, sagt Frederike. „Wenn wir den Zug verpassen müssen wir eine Stunde warten.“ Auch auf der Rückfahrt gibt es lange Wartezeiten am Itzehoer Bahnhof.

Birgit Radebold ärgert sich: „Da habe ich gerade einen großen Artikel gelesen, wie schädlich das Aufstehen für Schulkinder vor 6 Uhr ist, dass die Noten schlechter werden und das Wachstum gehemmt ist und dass in Hamburg an einer Schule als Pilotprojekt der Schulbeginn um eine halbe Stunde nach hinten verlegt wird, und dann müssen wir so einen Fahrplan hinnehmen. Der Sprung beim Aufstehen von 6 Uhr auf 5.30 Uhr ist extrem. Für die Nordbahn sollte das keine Überraschung gewesen sein.“ Gemeinsam wollen sie sich nun beschweren.

Hinzu kommt: Die Züge morgens sind voll. „Vorher haben wir immer einen Sitzplatz bekommen, aber nun sind alle besetzt und die weiteren Pendler, die ab Krempe und Kremperheide zusteigen, müssen stehen“, sagt Frederieke und Malte fährt fort: „Ich bin ein paar Mal aus Hamburg gefahren. Da war der Zug in Altona komplett leer. Aber ab Glückstadt gab es keinen Sitzplatz mehr. Die Zugestiegenen mussten stehen.“

Zudem beklagen sie: Es gäbe in dem Zug keine herunterziehbaren Fenster mehr wie früher, „sondern eine Klimaanlage, die in Kombination mit dem Motor des Zuges so laut ist, dass man davon einen Brummschädel bekommt“, beschwert sich Frederieke. Wenn die Türen sich auf dem Bahnsteig öffnen und schließen, erzeugen sie ganz schnelle, hohe Piepgeräusche, die für die Kinderohren die reinste Qual darstellen. Darüber hinaus nervt die Geschwister die ständige Ansage, „das Klo ist jetzt besetzt“. Auch das Licht im Abteil sei viel zu hell. „Da blenden die grelle LED-Strahler, und das alles zusammen führt zu Kopfschmerzen“, sagt Silas. Er beschwert sich auch darüber, dass zwischen den Lehnen so große Abstände seien, dass der Hintermann durch sie hindurch gucken könne und so keine Privatsphäre mehr möglich sei. „Sie haben einfach zu viel Schlechtes in die Waggons mit eingebaut.“

Frederieke erlebte, dass alle Passagiere aussteigen mussten, weil der Zug aus Versehen auf ein falsches Gleis gefahren war und erst wieder aufs andere Gleis wechseln musste.

Die drei Schüler haben nun einen drastischen Schritt beschlossen: „Wir werden unser Abo kündigen. Die 18 Kilometer fahren wir im Sommer mit dem Fahrrad zur Schule“, kündigt Malte an. „Da können wir dann in Ruhe um 7.15 Uhr los fahren. Das ist zwar anstrengender, wir brauchen aber nicht so früh aufzustehen und sind sogar 20 Minuten schneller als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Birgit Radebold findet das „absurd“.

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