Theaterspiel : Schüler bringen „Auf immer und ewig“ auf die Bühne – und die Autorin hilft

Autorin Margret Steenfatt probt mit GMS-Schülern Szenen aus ihrem Buch „Auf immer und ewig“.
Autorin Margret Steenfatt probt mit GMS-Schülern Szenen aus ihrem Buch „Auf immer und ewig“.

Mitglieder des Kurses „Darstellendes Spiel“ der elften Klasse der Kellinghusener Gemeinschaftsschule bringen den Jugendroman „Auf immer und ewig“ auf die Bühne.

shz.de von
20. November 2013, 05:00 Uhr

„Den Feuerschein sollten wir auf jeden Fall darstellen.“ Der dramaturgische Vorschlag aus der Schülerrunde ruft ein positives Echo hervor. Der Synagogenbrand auf dem Hamburger Bornplatz am Tag nach der „Reichkristallnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 wird im gemeinsam verfassten Stück eine wichtige Rolle spielen. Jeden Donnerstag treffen sich Mitglieder des Kurses „Darstellendes Spiel“ der elften Klasse der Gemeinschaftsschule, um Szenen für eine Theateraufführung vorzubereiten.

Auf die Bühne bringen wollen sie den Jugendroman „Auf immer und ewig“ von Margret Steenfatt. Das Besondere daran: Die Hamburger Autorin wird die jungen Leute im Rahmen des Bundesprojekts „Kultur macht stark“ ein Jahr lang als Patin begleiten. Nach der gemeinsamen Buchlektüre sind die Schüler nun damit beschäftigt, ein Drehbuch mit eigenen Texten zu verfassen. Am Ende sollen 13 Szenen das Geschehen nachempfinden.

„Auf immer und ewig“ handelt von der Freundschaft zwischen Nathan, Nike und Paul. Die Drei nennen sich „Die Schwarze Hand“ und machen sich einen Jux daraus, die Nachbarschaft im Hamburger Grindelviertel mit kleinen Streichen zu foppen. Das Nathan Jude ist, spielt für die Kinder keine Rolle. Doch dann häufen sich die Angriffe auf Nathan und seine Familie und Paul trägt plötzlich die braune Uniform der Hitlerjungen. „Auf immer und ewig“ – das Motto ihrer Freundschaft gilt jetzt nur noch für Nike und Nathan. Auf viele von Nikes Fragen lässt Steenfatt die Eltern schweigen – eine Erfahrung, welche auch sie als Kind machte. „Ich habe erst mit 15 Jahren erfahren, was wirklich los war“, erklärt die 1935 geborene Schriftstellerin.

Am Anfang des außerschulischen Angebots „Kultur macht stark“, gefördert vom Bundesministerium für Bildung, stand eine Autorenlesung. Als Partner sorgte der Friedrich-Bödecker-Kreis in Schleswig-Holstein (FBK) mit der Vorsitzenden Renate Kruse (Wrist) für die Organisation des Bundesprojekts. „Vor Ort arbeiten wir eng mit der Stadtbücherei und dem Stadtjugendpfleger zusammen“ sagt Kruse. Die Kooperation mit der Gemeinschaftsschule habe sich wie von selbst angeboten: Die Schule bezieht als Mitglied des bundesweiten Schulnetzwerks „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ klar Stellung. Außerdem sei die Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus schon vorher auf vielfältige Weise erfolgt. „Zuletzt beteiligten sich GMS-Schüler an einer vom FBK mitorganisierten Gedenkfeier zur Bücherverbrennung 1933 mit Lesungen“, so Kruse.

Das „Kultur macht stark“- Angebot biete jungen Erwachsenen aus der Sekundarstufe II nun Gelegenheit, beim Lesen, Schreiben und Inszenieren den Text zu reflektieren und sich eigene Gedanken dazu zu machen. „Die Schüler müssen nicht bei Laune gehalten werden“, bestätigt auch Kursleiter und Deutschlehrer Hagen Stolp. Er unterstreicht: Die intensive Zusammenarbeit mit der Autorin funktioniere auch deshalb so gut, weil ein großer Teil von ihnen bereits in der Sekundarstufe I bei Kollegen exzellente Theaterarbeit genossen. Es wird aber nicht nur diskutiert, geschrieben und gespielt: Geplant ist auch ein Besuch des Grindelviertels, wo das Buch spielt, und wo heute vor fast jedem Haus „Stolpersteine“ an deportierte und in KZs getötete jüdische Hamburger erinnern.

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