Geschichte : Schüler als Torfstecher

Wuchten 50 Kilo Torfschlamm: Mike Heller hilft  Albert, Manuela, Melis, Mascha und Jaden den Cacher aus dem Loch zu ziehen.
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Wuchten 50 Kilo Torfschlamm: Mike Heller hilft Albert, Manuela, Melis, Mascha und Jaden den Cacher aus dem Loch zu ziehen.

Auftakt für die Moortage in Krempermoor. Am Wochenende wieder buntes Programm rund um ein historisches Handwerk.

shz.de von
20. Juni 2014, 16:51 Uhr

„Kann ich schaufeln?“. „Ich bin auch stark!“ 49 Schüler der dritten Klassenstufe aus der Grundschule Wellenkamp machten im Vorwege der Moortage, die am 21. und 22. Juni stattfinden, eine Zeitreise in eine mittelalterliche Welt. Auf der Rehwiese im Krempermoor wuchteten sie mit Schaufeln braunen Schlamm in Formen, lernten, wie man einen Heureiter baut und arbeiteten so wie die Bewohner aus Krempermoor vor mehr als 600 Jahren.

„Wir haben den Torf rausgeholt, in eine Box gepackt und darin getrampelt. Manche haben das mit Gummistiefeln gemacht und andere barfuß“, berichtete Jaden über den Kontakt mit dem braunen Nass aus dem Niedermoor. Zuvor brauchten Albert, Manuela, Melis, Mascha und Jaden ordentlich Muskelkraft, um den etwa 50 Kilogramm schweren Torfschlamm mit einem großen Cacher aus einem Moorloch zu gewinnen.

Zum Torfstechen sei das Niedermoor viel zu feucht, erklärte Mike Heller aus dem ehrenamtlichen Moorteam den Schülern. Deshalb werde der Torf hier gecacht und im Anschluss entwässert. „Das ist ganz schlammig. Man muss mit den Füßen richtig stampfen, damit es weich wird, dann wird der Torf in Formen gefüllt“, beschrieb Manuela.

Seit dem 13. Jahrhundert bis etwa 1960 wurde in Krempermoor Torf als natürlicher Brennstoff abgebaut. „Die Familien haben davon gelebt. Es gab nichts anderes als Binsen und Reet. Sie produzierten jeweils 40 000 bis 60 000 Torfsoden pro Jahr“, so Günter Meyer, der in seinen Moorführungen auch von der Geschichte im Moor erzählt.

Etwa drei Monate dauere es, bis der Torf trocken genug sei für den Transport, und vier bis fünf weitere Monate Trockenlagerung, bis das Material brennbar sei. Alleine für den eigenen Haushalt benötigte eine Familie 10 000 bis 12 000 Soden je Heizsaison.

Heute wird üblicherweise nicht mehr mit Torf geheizt. Mit den jährlichen Moortagen möchte die Gemeinde jedoch an die Handarbeit und den Rohstoff vor der Haustür erinnern. Sie finden an diesem Wochenende statt – mit Moorführungen über Flora und Fauna und die Entstehung der Moorteiche in der Eiszeit und buntem Rahmenprogramm mit Bogenschießen und Kräuterfee.

> Moortage 2014: Sa 12 bis 17 Uhr, So 10 bis 16 Uhr auf den Rehwiesen mit plattdeutschem Zeltgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr. Die St. Johannes-Kirchengemeinde richtet für den Gottesdienst einen Fahrdienst ab 9.20 Uhr vom Gemeindezentrum in Kremperheide ein. Im Gemeindezentrum findet kein Gottesdienst statt.

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