zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 21:14 Uhr

ausstellung : Schrecken nach dem Atom-Unfall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„Was wäre, wenn....“ – eine Ausstellung in der Itzehoer Stadtbibliothek zeigt die Folgen eines Atomunfalls. Bilder aus der Region werden Fotos aus dem Bereich Tschernobyl gegenüber gestellt.

von
erstellt am 15.Sep.2013 | 17:00 Uhr

Buntes Treiben im Brokdorfer Freibad. Daneben ein verfallendes Schwimmbad in der Geisterstadt Pripyat in der Nähe Tschernobyls. Ein belebter Markt in Lübeck. Und daneben der leere, graue Leninplatz in Pripyat. Von 70 solcher bildhafter Gegensätze lebt die Ausstellung „Brokdorf – Tschernobyl, was wäre, wenn...“ in der Stadtbibliothek. Die Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt präsentiert die Bilder und Texte von Alexander Neureuter, unterstützt von der Initiative Brokdorf-akut, der BUND-Kreisgruppe und der Attac-Regionalgruppe.

Die intakte norddeutsche Umgebung des Atomkraftwerks in Brokdorf und die Katastrophenregion rund um den 1986 havarierten Reaktor in Tschernobyl, dieses Gegenüber mache die Ausstellung aus, so Karsten Hinrichsen. Sie solle die Betrachter anspornen, diese Katastrophe und die im japanischen Fukushima nicht zu vergessen und daran zu denken, dass sich in der Nähe eine Anlage befinde, in der das Gleiche passieren könne. „Die Halbwertszeit des Erinnerungsvermögens ist kürzer als eine Legislaturperiode“, so Hinrichsen. Wenn etwas passiere, komme das ganze gewohnte Leben zum Erliegen, Themen wie Bildung oder Kanalbrücke hätten keine Bedeutung mehr – es gehe nur noch darum, sich und die Angehörigen zu retten. Deshalb bleibe es bei der Forderung, Brokdorf möglichst rasch endgültig abzuschalten, sagte Eilhard Stelzner.

Er hat unter den vielen Zitaten in der Ausstellung einen Favoriten: „Doch, doch, Kartoffeln kann man in Tschernobyl nach wie vor anbauen, mit dem Essen muss man jedoch warten. Vielleicht 20 000 Jahre.“ So sprach Igor Gramotkin, Leiter des Atomkraftwerks Tschernobyl, im Jahr 2011. Messgeräte werden ebenso gezeigt wie Puppen und Spielzeug aus der Katastrophenregion. „Mich hat besonders eine Fotografie von Kinder-Gasmasken betroffen gemacht“, sagte Hinrichsen. Hier dagegen nähmen die Behörden den Kraftwerksbetreiber Eon in Schutz, so dass er keine Gasmasken stellen müsse. Auch die vorsorgliche Versorgung mit Jod-Tabletten sei nicht ausreichend.

Bis zum 26. Oktober ist die Ausstellung in der Bücherei zu sehen. Ihr Macher Alexander Neureuter kommt am Dienstag, 1. Oktober, ins Pädagogische Zentrum am Lehmwohld. Um 19 Uhr zeigt er dort seinen Vortrag „Fukushima 360 Grad“, der auf zwei Studienreisen zum Unglücksreaktor in Japan basiert.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen