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Architektur : Schönes Stück Itzehoe in neuem Glanz

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Privates Engagement rettet ein historische Gebäude von 1659 . Der Heimatverband würdigt restaurierte Nagel’sche Häuser mit einer Info-Tafel.

von
erstellt am 21.Apr.2017 | 05:01 Uhr

„Sie haben der Stadt ein Kleinod wiedergegeben“, würdigte Bürgervorsteher Heinz Köhnke das Engagement von Hans Ramm, der die denkmalgeschützten Nagel’schen Häuser am Sandberg 47, Ecke Hinterm Klosterhof, aufwendig restaurieren ließ. An die wechselvolle Geschichte des Fachwerkensembles erinnert nun eine aktualisierte Informationstafel des Heimatverbandes für den Kreis Steinburg. Zur offiziellen Übergabe der Tafel hatten sich Verwandte, Freunde, Vertreter des Heimatverbandes, der Kreisverwaltung und der Stadt eingefunden. Heinz Köhnke über das Kulturdenkmal am Sandberg, eines der ältesten noch erhalten Gebäude der Stadt: „Dies ist ein schönes Stück Itzehoe. Wir haben nicht mehr viel davon. Und das, was wir haben, sollten wir erhalten.“

Zuständig für die mittlerweile weit mehr als 200 Info-Tafeln des Heimatverbandes ist der Arbeitskreis für Kultur- und Regionalgeschichte. Dessen Sprecher Hermann Schwichtenberg erinnerte an den großen Brand von 1657, der im Dänisch-Schwedischen Krieg Itzehoe verwüstete. 1659 errichtete Lorenz Evers das Fachwerkensemble am Sandberg. Die Gebäude dienten während der vergangenen Jahrhunderte unter anderem dem Korn- und Lebensmittelhandel, der Landwirtschaft, der Bierbrauerei und der Branntweinbrennerei. Noch heute befindet sich in der Diele mit Erker am Eingang Sandberg die Luke des Ausschanks und eine barocke Treppe.

1905, nach mehreren Eignerwechseln, erwarb der Stellmacher August Nagel das Anwesen und restaurierte es 1915. Ein größerer Umbau folgte 1950 durch August Nagels Sohn Hans. Vor die brüchig gewordene, ursprünglich weiß verputzte Fassade wurde neues Fachwerk gesetzt, die Fächer rot verklinkert. Hans Nagels Enkel Hans Ramm ist der heutige Eigentümer. Er sanierte sein Elternhaus in den vergangenen Jahren von Grund auf. Wohnungen und Geschäftsräume entstanden.

Hermann Schwichtenberg dankte dem Hausherrn für dessen vorbildhaftes städtebauliches Engagement, Marianne Ehlers für die plattdeutsche Übersetzung der Tafel, dem Grafiker Michael Herold sowie den Firmen Templin und Ossenbrüggen für die Gestaltung bis hin zur Installierung.

Hans Ramm warf einen Blick auf die jüngsten Sanierungsarbeiten am Sandberg 47 unter Federführung des Architekten Herbert Lentfer und auf die eigene Familiengeschichte. Mehrfach sei bei seinen Großeltern der Komponist Ferruccio Busoni zu Gast gewesen. Ebenso der frühere Hamburger Bürgermeister Max Brauer, ein enger Freund des Großvaters. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Nagel’schen Häuser ein denkwürdiger politischer Schauplatz. Ramm: „1945 fanden hier die ersten Entnazifizierungen statt.“

Ein außergewöhnlicher Blickfang neben dem mit Schnitzereien versehenen Balkenwerk ist zudem ein ehemaliger Wasserspeier, ein vergoldeter Drache, der hoch oben über einem Regenfallrohr thront. „Fafner“, sorgfältig restauriert, solle das Haus vor Unbilden schützen. Kunst am Bau entstand in einem Winkel des Hauses. „Wir haben dort eine Stele aufgestellt, die von meinem Mann Dieter Brackmann entworfen wurde,“ sagt Ramm. Die drei Absätze der Stele, die von der Bahrenflether Schmiede Holm angefertigt wurde, stellen die Entwicklungsschritte des Anwesens dar.

Der Hauseigentümer blickt auf ein weiteres Projekt mit seinen vom Land Schleswig-Holstein mit der Denkmalschutz-Plakette ausgezeichneten Nagel’schen Häusern: Er bereitet sich auf den Landes-Denkmal-Wettbewerb 2020 vor.

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