Schöne stille Momente

dirk schäfer

Dirk Schäfer zelebriert Jacques-Brel-Abend

shz.de von
08. Mai 2015, 05:00 Uhr

Mitten hinein, zuerst in die überschäumende Gefühlswelt der Liebe und des Liebens und dann in die der Sentimentalitäten, der melancholischen Momente und der feinen Melange aus Ironie und Narzissmus: Dirk Schäfer (Foto) hat am Mittwochabend Songs von Jacques Brel im Itzehoer Theater gesungen.

Er ist ein Selbstdarsteller, dieser Dirk Schäfer, aber ein stimmgewaltiger und geistreicher dazu. Zuletzt gastierte der Schauspieler und Sänger mit der virilen Aura vor drei Jahren im Studio, wo er mit Chansons von Édith Piaf und Jacques Brel brillierte. Diesmal brachte er „nur“ Brel mit, dafür aber sein Begleittrio mit Karsten Schnack am Akkordeon, Wolfram Nerlich am Kontrabass und Ferdinand von Seebach am Piano.

Das gab nochmal ein paar zusätzliche musikalische Facetten. Trotzdem: Der Funke wollte im gut besuchten Theater nicht so recht überspringen. Der kleine Saal umfasst einen Riesenraum, in dem Schäfer und sein Trio etwas ausgegrenzt wirkten. Ausgelassene Kneipenstimmung einerseits und Intimität andererseits kamen da nicht oder nur selten auf.

Schäfers Interpretationen leben von der Nähe. Wie Brel will er keine Moderationen, aber mit einem vorhersagbaren Wechsel von extrovertierten und introvertierten Songs entsteht noch keine Stimmung. Und genau die braucht er, damit sein Publikum nicht nur in stummem Betrachten seine Sangeskunst, sein Temperament, seine Tanzfiguren, seine durchgeschwitzten Klamotten, sein Stehen auf Stuhl und Flügel genießt. Manchmal wirkt das dann doch nicht wie choreographiert, sondern wie hektiziert.

Andererseits: Schäfer zelebriert sehr schöne stille Momente wie bei „Jojo“, er sitzt da im Schneidersitz an der Rampe, hinten begleiten ihn zwei Gitarren. Und das berühmte „Ne me quitte pas“, mit dem der junge Klaus Hoffmann als „Geh nicht fort von mir“ das kulturelle Musikgedächtnis besetzt hat, singt und spielt er in einer ganz eigenen Mischung aus Intimität und Intensität.

Dirk Schäfer findet da seinen unverwechselbaren Stil, der auch schon bei „Madeleine“ oder „Amsterdam“ anklang. Und den pflegt er auch in seinen Übersetzungen, die seine Authentizität unterstützen. Viel Beifall, aber dieser – im Gegensatz zum Auftritt von Schäfer – nicht bis zur Verausgabung.


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