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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 14:12 Uhr

Schöne Grüße nach Bayern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Heute Oktoberfest in Wewelsfleth, nächste Woche Oktoberfest bei der Feuerwehr in Wilster. Von den Bayern lernen, heißt feiern lernen. Das ist aber nicht alles, was die Wilstermarsch den Bayern zu verdanken hat. Nur wegen des erbitterten Widerstands aus dem Süden der Republik bleibt den Menschen hier nämlich die „Monstertrasse“ wohl erspart.

Mit solchen Vokabeln hatte CSU-Chef Horst Seehofer die von Tennet geplante Trasse mit Gleichstromleitungen von Wilster aus über die Elbe bis fast an die Alpen tituliert. In dieser Woche machte das Bundeskabinett auf entsprechenden Druck hin den Weg für eine Verkabelung im Erdreich frei. Na also, geht doch.

„Das ist sinnvoll“, jubelt plötzlich auch Landes-Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Noch vor gut einem Jahr hatte er zum Entsetzen vieler Marschbewohner noch ganz anders geklungen. Auf einer Regionalkonferenz im Nachbarkreis Pinneberg machte er vom Podium aus einen Diskussionsteilnehmer regelrecht nieder, weil dieser sich vehement für Erdkabel stark gemacht hatte. Das sei alles technisch nicht ausgereift und auch viel zu teuer. Einer Steinburger Bürgermeisterin, die sich damals besorgt nach dem „Schutzgut Mensch“ erkundigte, beschied er knapp: Die gesamte Gesellschaft müsse die Energiewende eben mit tragen.

Zumindest die in der Marsch ansässige Gesellschaft von Menschen wird sich nun weniger über Habeck als über Seehofer freuen. Und da stimmt nun auch der Umweltminister wieder mit ein: „Der Beschluss der Bundesregierung ist ein Erfolg für Schleswig-Holstein.“

Netzbetreiber Tennet muss die Stromautobahn Südlink jetzt neu planen – die Trasse von Brunsbüttel ins schwäbische Großgartach und die von Wilster ins bayrische Grafenrheinfeld. Schon Mitte August teilte das Unternehmen interessierten Bürgern mit, dass man den Einsatz von Erdkabeln ja schon immer für sinnvoll gehalten habe. Das hatte vor einem Jahr zwar auch noch anders geklungen. Aber das ist jetzt egal.

Mit dem veränderten gesetzlichen Rahmen soll ein neuer Korridorvorschlag erarbeitet werden. Alle bislang vorgelegten Pläne dürften damit Makulatur sein. Die neue Trassenführung, so Tennet, unterscheide sich von Freileitungskorridoren, weil jetzt andere Schutzgüter wie Boden und Wasser in den Vordergrund rückten. Vom Schutzgut Mensch ist zwar immer noch keine Rede. Aber der ist bei unterirdischen Leitungen nach Bayern ja auch in der Marsch nicht mehr wirklich betroffen.

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von
erstellt am 09.Okt.2015 | 14:21 Uhr

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