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Schön geflötet – aber kein Kindertheater

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mozarts „Zauberflöte“, für Kinder als modernes Märchen inszeniert – dieses Versprechen lockte viele Kinder mit ihren erwachsenen Begleitern in den Kulturhof. Was sich dann aber in der Inszenierung des „Musor Flötenquartetts“ im voll besetzten Saal abspielte, hatte nur ein einziges Lob verdient. Nämlich das für die Disziplin der Kinder, die eine scheinbar endlos dauernde Stunde Langeweile klaglos über sich ergehen ließen.

Das war tapfer, denn schon nach zehn Minuten kamen die ersten Fragen von Kinderstimmen: „Was hat die da eben gesagt?“ Ja, was hatte die da gesagt? „Die da“ – das war die Erzählerin Stéphanie Raffaello. Sie las mit Bemühen vor, aber leider mit schwerem Akzent, so dass schon wegen des fehlenden sinnentnehmenden Lesens hohe Verstehenshürden aufgebaut wurden.

Mozarts Musik wurde geflötet, wobei sich die vier Damen als Könnerinnen erwiesen. Aber das reicht für die vollmundig angekündigte „kindgerecht interaktive Fassung“ nicht aus. Eine sauber gespielte Querflöte, deren Spielerin eine notdürftig verhängte Leiter besteigt, macht noch keine Königin der Nacht. Zwar waren die vier Damen kostümiert als besagte Königin der Nacht, als Sarastro und Tamino und als Papageno. Aber wo blieb Pamina? Nun, die hing als winziger Heidi-Klum-Zeitungsausriss an einem Notenständer herum. Folge: Die spannungsvolle Figurenkonstellation kam schlichtweg nicht in die Nähe von Anschaulichkeit, was ein Mindestkritierium für überlegtes Kindertheater wäre.

Die Flötistinnen standen in ihren Kostümen herum und flöteten. Jene Elemente der „Zauberflöte“, die ja auch Mozarts kindliche Freude an seiner Oper zum Ausdruck bringen könnten, fanden nicht statt: keine Schlange, kein Vogelkäfig, keine Darstellung der urkomischen Situation, in der sich Monostatos und Papageno voreinander erschrecken. Schon mal gehört, dass Requisiten zum Theater gehören? Fazit: Für die Erosionserscheinungen im kindlichen Publikum ist die mangelnde Reflexion des „Musor Flötenquartetts“ über die Möglichkeiten von Theater verantwortlich. Kindertheater entsteht nicht, wenn man im Karnevalskostüm herumsteht und dazu schöne Melodien flötet.

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