Ehrenamt als Richter : „Schöffenamt macht richtig Spaß“

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In allen Gemeinden werden Laienrichter gesucht – der Brokdorfer Thomas Dolling wirbt für das Ehrenamt.

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13. März 2018, 05:07 Uhr

Von seinem Beruf her gilt Thomas Dolling als Glücksbringer. In seinem Ehrenamt ist aber vor allem sein gesunder Menschenverstand gefragt. Der Schornsteinfeger aus Brokdorf ist ehrenamtlicher Richter. In dieser Funktion ist am Schöffengericht in Itzehoe mehrmals im Jahr die Urteilskraft des 47-Jährigen gefragt. Gemeinsam mit einem weiteren Schöffen steht er einem hauptamtlichen Juristen zur Seite. „Das macht richtig Spaß“, kann er diese Aufgabe nur wärmstens weiterempfehlen.

Dolling war vor fünf Jahren über einen Aufruf in unserer Zeitung auf das Ehrenamt aufmerksam geworden. Er machte sich schlau, bewarb sich und wurde von der Brokdorfer Gemeindevertretung vorgeschlagen. Der Zeitaufwand, so beruhigt er, halte sich durchaus in Grenzen. Man bekomme Anfang des Jahres einen Terminplan. Im Schnitt kämen fünf bis acht Gerichtstage pro Jahr auf den Laienrichter zu, wobei die Termine auch schon mal nach zwei Stunden abgearbeitet sind. Für inhaltliche Abwechslung sorgen die Delinquenten. Vor dem Schöffengericht geht es um Drogen, Betrug, Körperverletzung, Bedrohung. „Das sind keine kleinen Sachen. Da drohen schon mal bis zu zwei Jahre Haft.“

Im Unterschied zu den hauptamtlichen Richtern, die sich zuvor in die Akten vertiefen konnten, geht Schöffe Dolling gänzlich unvoreingenommen in die Verhandlungen. Er hört Angeklagte und Zeugen, bildet sich eine Meinung. Gemeinsam mit dem Richter und dem Co-Schöffen werden dann Urteil und Strafmaß bestimmt. „Und das geht nicht immer 3:0 aus“, betont Dolling, dass ein Schöffe dabei volles Mitspracherecht habe.

Ob ihn die Verfahren auch emotional belasten ? Mitleid mit den Opfern habe er, mit Verurteilten aber nicht. Nur einmal sei ihm etwas mulmig gewesen, als es um einen Prozess mit Hell’s Angels und Bandidos ging und das Gerichtsgebäude unter Polizeischutz stand.

„Es ist ein sehr interessantes Ehrenamt“, sagt Thomas Dolling immer wieder. Auf einer Info-Veranstaltung zum Auftakt werde man auch gut vorbereitet. Er will sich jetzt für eine weitere Amtsperiode bis 2023 bewerben. Nach der Bezahlung gefragt, schmunzelt Dolling: „Reich wird man davon nicht.“ Es gebe aber eine kleine Aufwandsentschädigung und ein geringes Kilometergeld. Arbeitnehmer sollten im Vorfeld aber auf jeden Fall mit ihrem Arbeitgeber wegen der erforderlichen Freistellung sprechen. Einmal vereidigt, sei das Ehrenamt nämlich Pflicht – wobei in Urlaubs- oder Ausfallzeiten auch Hilfsschöffen bereitstehen.

Weitere Informationen oder auch Bewerbungen für das Schöffenamt bei Ordnungsamtsleiter Thorsten Franck, 04823/948210, und im Internet unter: www.schoeffenwahl.de

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