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Musikprojekt in Wilster : Schnupperstunde mit Powerfrauen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Musikprojekt im Kulturhaus startet heute mit Workshop. Teilnehmerinnen schon zum Auftakt mit Begeisterung dabei

Es dauert keine zwei Stunden – dann legen die Frauen schon spontan den Monika-Rap hin. Sie kommen aus Wilster, Itzehoe, Glückstadt und aus Landgemeinden. Zwölf mutige Teilnehmerinnen sind dem Aufruf des Kulturhauses am Markt in Wilster und unserer Zeitung gefolgt. Sie nehmen an einer ersten Schnupperstunde für ein in der Region bislang einmaliges Musikprojekt teil. Am Ende eines Workshops mit anschließendem Intensivtrainining soll ein Trio stehen, das vielleicht sogar landesweit auf eine kleine Tournee geht. Einzige Bedingungen: weiblich, um die oder über 60 Jahre alt und ein ordentliches Maß ein Begeisterungsfähigkeit für etwas ganz Neues. Der Auftakt war verheißungsvoll. Was am Ende dabei herauskommt, ist zur Zeit noch völlig offen.

„Es ist keine Frage des Alters, sondern der Einstellung“, eröffnet Kulturhaus-Chef Anton Brade. „Heute wollen wir einfach mal ein bisschen was ausprobieren.“ Sekunden später wiegen sich die Frauen schon im Walzertakt. Das allerdings sollte nur das Aufwärmprogramm sein. „Ihr könnt alles ausprobieren“, erhöht Brade das Tempo beim musikalischen Begleitprogramm mit einem Jazzstück. Und die Frauen lassen sich das nicht zweimal sagen. „In unserem Alter sind wir nicht mehr besonders eitel“, begründet eine Teilnehmerin später – noch ganz außer Puste – ihren offenkundigen Rhythmus im Blut. Derweil hat Brade das Tempo weiter angezogen. Twist zu den Klängen von Chubby Checker, anschließend Hip Hop.

Aber auch das ist noch steigerungsfähig. Jetzt sollen nämlich zu den Tanzbewegungen auch noch die Stimmbänder in Form gebracht werden. „Lieber laut und falsch“, erstickt der Vortänzer auch hier jede Scheu im Keime. „Ihr habt vielmehr Luft als ihr denkt“, gibt er seinem Dutzend Schülerinnen erst einmal ein „A“ vor“. Im nächsten Moment greift er sich die Wilstersche Zeitung. „Sucht euch einfach eine Überschrift aus!“ Wenige Minuten später erklingt so lautstark wie vielstimmig „Neues Gesetz macht Strom billiger.“ So schnell kann man eine Tageszeitung vertonen. Brade weiß auch warum: „Mit diesem ganz blöden Satz kann man schon etwas erzählen.“ Wenn man die Worte in eine passende Melodie gießen kann. Und wieder ertönt im Chor die Nachricht vom billigen Strom. Und als Zwischenruf gibt es dazu noch: „Um vier Prozent.“

Tanzen, Singen, spontan sein. Obwohl die Frauen sich größtenteils nie zuvor im Leben gesehen haben, wirkt schon vieles wie aus einem Guss. Selbst Anton Brade wundert sich ein bisschen über die kaum vorhandenen Anlaufschwierigkeiten und zündet schon die nächste Stufe. Jetzt sollen die Frauen sich auch noch spontan eine Geschichte ausdenken und auf die noch imaginäre Bühne bringen. Die Ausgangslage: Zwei Frauen treffen sich nach 20 Jahren erstmals wieder, um überrascht festzustellen, dass sie einst ein und denselben Mann begehrt hatten. „Hier kommt es auf Gedächtnistraining ebenso an wie auf Reaktionsvermögen“, weiß Brade. Gleichzeitig müssen auch noch reichlich Emotionen zum Ausdruck gebracht werden. Die Teilnehmerinnen meistern auch noch diese Hürde. Mehr noch: Mit immer kräftigeren Stimmen rappt die Gruppe: „Ich bin die Monika aus Itzehoe.“ Anton Brade ist begeistert: „Jetzt noch mit Musik hinterlegen und schon haben wir den ersten Hit.“

Bis es soweit ist, kommt auf die Frauen aber noch reichlich Arbeit zu. Am heutigen Donnerstag und dann sieben Wochen lang jeweils donnerstags läuft ab 16 Uhr der Workshop im Kulturhaus. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Mitstreiterinnen können gerne noch einsteigen. Am Ende sollen die Ergebnisse zunächst einem kleinen Publikum aus Freunden und Bekannten im internen Kreis präsentiert werden. Dann will Brade aus dem Kreis der Teilnehmerinnen sechs Frauen heraussuchen, die jeweils – als Erst- und als Zweitbesetzung – ein Trio bilden. „Dann gibt es ein halbes Jahr Proben“, macht Brade auch klar, dass bei aller Begeisterung und natürlichen Talenten harte Arbeit erforderlich ist. Abschreckend hat das offenbar auf keine der Frauen gewirkt. Im Gegenteil. Allgemeiner Tenor: Sie machen nach der ersten Schnupperstunde weiter. Eine Besdorferin sagt auch warum: „Es ist alles besser, als zu Hause zu sitzen.“ Mit dem Monika-Rap in Kopf und Beinen geht es jetzt in die nächste Runde. Mit Blick auf die nächsten Termine zieht Anton Brade nach dem Auftakt aber schon mal ein höchst positives Fazit: „Ich hatte ehrlich gesagt mit mehr Hemmungen und Bedenken gerechnet. Mit welcher Energie die Frauen da nach vorne geprescht sind, hat mich selbst überrascht. Es hat mich davon überzeugt, dass wir wirklich eine fetzige Bühnenshow auf die Beine stellen können, und ich freue mich schon jetzt auf das, was da alles noch kommt.“

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