Schnelles Internet noch Zukunftsmusik

Verbindung zur digitalen Welt: Auf Hochgeschwindigkeitsanschlüsse an das Internet werden Privathaushalte in Glückstadt nach den aktuellen Plänen der Betreiber noch viele Jahre warten müssen.
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Verbindung zur digitalen Welt: Auf Hochgeschwindigkeitsanschlüsse an das Internet werden Privathaushalte in Glückstadt nach den aktuellen Plänen der Betreiber noch viele Jahre warten müssen.

Glückstädter fordert flächendeckenden Ausbau von Glasfaser-Netz / Anbieter scheuen hohe Investitionen

shz.de von
05. Januar 2015, 17:07 Uhr

Wenn Jörg Mekelnburg zuhause ins Internet geht, sieht er häufig erstmal lange nur den kleinen farbigen Balken auf dem Bildschirm, der anzeigt, dass eine Internetseite geladen wird. Zu lange, findet der Glückstädter: „Bei uns im Tegelgrund haben wir Datenübertragunsraten von etwa drei Megabit pro Sekunde. Das ist nicht mehr zeitgemäß.“

Tatsächlich hat die Bundesnetzagentur im Juli 2014 festgelegt, dass ein Gebiet dann ausreichend versorgt ist, wenn Übertragungsraten von 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich sind. „In Glückstadt sind wir davon in vielen Stadtteilen weit entfernt“, kritisiert Mekelnburg. Das Problem: In weiten Teilen Glückstadts erfolgt die Internet-Verbindung über Kupferkabel, mit denen höhere Datenübertragungsraten technisch nicht möglich sind.

Schon heute sei ihm und vielen Menschen in seinem Umfeld das aktuelle Angebot zu langsam, sagt Mekelnburg, der als Leiter der Wohnstätten bei den Glückstädter Werkstätten auch Personalverantwortung trägt. „Ich bin schon mehrfach in Vorstellungsgesprächen von Bewerbern nach der Internetversorgung in der Stadt gefragt worden. Gerade die jüngeren Leute unter 40 schreckt das langsame Internet davon ab, hierher zu ziehen. Es ärgert mich ungemein, dass Glückstadt den Breitbandausbau verschläft, während sich fast der ganze Kreis Steinburg mit dem Zweckverband Breitbandversorgung aufmacht, um dem Bürger hochbitratige Anschlüsse zur Verfügung stellen zu können.“

Von Verschlafen könne keine Rede sein, sagt dazu Karl-Heinz Jacobs, Geschäftsführer der Glückstädter Stadtwerke, die neben ihren anderen Geschäftsfeldern auch als Internetanbieter aktiv sind. Sein Unternehmen habe die Möglichkeiten des flächendeckenden Ausbaus mit Glasfaser-Kabeln im Glückstädter Stadtgebiet auch vor dem Hintergrund der Aktivitäten in vielen Gemeinden im Kreis Steinburg intensiv geprüft. Detaillierte Pläne für einen Ausbau liegen bereits vor – bis 2018 könnte die ganze Stadt mit Glasfaser versorgt sein. „Wir sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass es im Moment betriebswirtschaftlich für uns nicht sinnvoll wäre, mit dem Glasfaserausbau beginnen.“

Die Analyse von Kundenbefragungen und Erfahrungswerten anderer Stadtwerkebetriebe habe ergeben, dass sich die notwendigen Investitionen von rund sieben Millionen Euro nicht rentieren würden.

Auch die Deutsche Telekom plant keinen Ausbau des Datennetzes in Glückstadt, wie Unternehmenssprecherin Stefanie Halle gegenüber unserer Zeitung erklärt. Die Versorgung sei insgesamt gut. Über Kupferkabel bestünden technisch in allen Wohngebieten die Möglichkeiten von Übertragungsraten von bis zu 16 Mbit/s (DSL) – abhängig davon, wie weit der Kunde vom Verteilerkasten entfernt wohne.

Die Verlegung von Glasfaserkabeln sei daher auch aus Sicht der Telekom nicht rentabel. „Allein einen Kilometer Glasfaser im Tiefbau zu verlegen kostet bis zu 70 000 Euro.“ Deshalb setze die Telekom dort, wo sich, wie in Glückstadt, der Eigenausbau nicht rechne, auf das „Kooperationsmodell“, so Halle weiter. Das bedeutet, dass die Telekom baut, wenn die Kommune die Kostenlücke mit Steuergeld füllt.

Ein Modell, das sich auch Karl-Heinz Jacobs vorstellen könnte Das zu entscheiden, sei aber Sache der Stadtvertretung.

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