Afrikanische Schweinepest : Schneller sein als die Seuche

Umfassende Sperrzonen werden eingerichtet, sollte die Krankheit im Kreis auftreten.
1 von 2
Umfassende Sperrzonen werden eingerichtet, sollte die Krankheit im Kreis auftreten.

Der Kreis Steinburg bereitet sich intensiv auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vor.

von
10. Februar 2018, 17:00 Uhr

ASP – diese drei Buchstaben treiben den Veterinären und Schweinehaltern auch im Kreis Steinburg die Sorgenfalten auf die Stirn. Denn die Afrikanische Schweinepest (ASP) kommt aus Richtung Osteuropa immer näher. Ob infizierte Wildschweine jemals Deutschland und den Kreis Steinburg erreichen werden, kann niemand vorhersagen – doch die Gefahr ist groß. Deshalb bereiten sich alle Länder und zuständigen Behörden auf den Ernstfall vor und haben vorsorgliche Schutzmaßnahmen ergriffen.

„Wir müssen schneller sein als die Seuche – die ersten 24 Stunden nach Ausbruch sind die wichtigsten“, sagt Landrat Torsten Wendt. Es werde überlegt, einen Notfallplan zu erstellen, in dem auch die Erfahrungen der jüngsten Geflügelpest im Kreis mit einfließen würden. Käme es zum Ausbruch, würde das Team des Veterinäramtes mit Ressourcen aus dem Katastrophenschutz verstärkt, kündigt Wendt an.

Während der Verwaltungschef sich auf Landesebene informiert und an entsprechenden Expertenrunden teilnimmt, kümmert sich vor Ort Veterinäramtsleiterin Dr. Birte Hellerich um die Prävention. Diese beginnt bei der Kontrolle der 213 Schweinehaltungen im Kreisgebiet. So müssen Freilandhaltungen doppelt eingezäunt sein, Tiere dürfen weder raus- noch reinkommen. Für ihr eigenes Amt mit den 15 Mitarbeitern hat Birte Hellerich bereits einen Notfallplan erstellt, „damit im Notfall jeder weiß, was er zu tun hat“. Für sieben Tierärzte gibt es darüber hinaus bereits je einen Notfallkoffer, unter anderem mit Schutzkleidung und Beprobungsmaterial, damit die Veterinäre schnell handeln können. Ein weiterer Teil der Präventionsarbeit besteht in der Information. „Wir brauchen die Mitwirkung aller Beteiligten, wenn wir Erfolg haben wollen.“ So plant Birte Hellerich zielgerichtete Veranstaltungen, zum Beispiel für Jäger, Landwirte, Ordnungsämter und auch für die Polizei. „Wir müssen alle für die Gefahr sensibilisieren.“

Denn eines ist klar: Die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest stellt die Geflügelpest – so dramatisch diese war – sogar noch in den Schatten. „Sobald es auch nur ein infiziertes Wildschwein in Deutschland gibt, wird der Handel mit Schweinefleisch in Deutschland und mit Drittländern gesperrt.“ Die wirtschaftlichen Folgen für die Schweinehalter seien verheerend.

Die größte Gefahr geht nach Aussagen von Birte Hellerich dabei nicht einmal von infizierten Wildschweinen aus, die von Polen oder Tschechien aus nach Deutschland kommen könnten. Vor allem über eine Verschleppung durch den Menschen kann die Tierseuche sprunghaft große Entfernungen in kurzer Zeit überbrücken und rasch auch Deutschland und damit den Kreis Steinburg treffen. Das Virus überträgt sich übers Blut, indirekt deshalb auch über verunreinigte Werkzeuge, Fahrzeuge, Schuhe Kleidung oder Essen. „Das kann auch eine Wurst oder Schinken sein, die aus Osteuropa mitgebracht und hier weggeworfen werden“, sagt die Veterinärin. Deshalb würden auch Landwirte, Transporteure und Saisonarbeiter darauf hingewiesen, aus den betroffenen Gebieten keine fleischhaltigen Produkte mitzubringen und alle eingeführten Lebensmittel ausschließlich in dafür vorgesehene geschlossenen Mülltonnen zu entsorgen.

Ist die Seuche erst einmal angekommen, greifen weitreichende Restriktionsmaßnahmen. Acht Kilometer um den Fundort eines infizierten Wildschweines herum wird ein so genanntes Kerngebiet eingerichtet, „das eventuell sogar mit einem Zaun umgeben wird“, so Landrat Torsten Wendt. Damit soll verhindert werden, dass infizierte Tiere ausbrechen. Im Radius von 15 Kilometern gibt es eine Gefährdungszone und dann kommt noch eine Pufferzone (30 Kilometer). Bei einem Ausbruch in Steinburg könnte somit der gesamte Kreis betroffen sein. Eine Empfehlung, um die Seuche auszurotten, lautet, 70 Prozent des Wildschweinbestandes in der Pufferzone zu erlegen, so Birte Hellerich.

Infizieren sich Hausschweine, muss der gesamte Bestand getötet werden. Um den Hof herum im Radius von drei Kilometer gibt es dann einen Sperrbezirk mit strengsten Auflagen auch für andere Schweinebetriebe. Wie bei der Geflügelpest wird darüber hinaus noch ein Beobachtungsgebiet im Radius von zehn Kilometern angeordnet.

Info: Die Afrikanische Schweinepest geht auf das Warzenschwein zurück, das in Afrika mit dem Virus lebt. In Europa wurde das Virus erstmals 2007 in Georgien festgestellt, vermutlich per Schiff über Speisereste eingeführt. Seitdem breitet es sich immer weiter und schneller aus. 2014 wurden erstmals ASP-Infektionen in den EU-Mitgliedsstaaten Polen, Litauen, Lettland und Estland festgestellt, nachdem sich das Virus zuvor über die Kaukasusregion nach Russland, in die Ukraine und nach Weißrussland ausgebreitet hatte. Seit 2017 ist eine Zunahme der Infektionen in Ostpolen und im Baltikum bei Haus- und Wildschweinen festzustellen. Zudem erfolgte im Juli 2017 der erste Nachweis bei Wildschweinen im Osten Tschechiens sowie im August 2017 bei Hausschweinen im Osten Rumäniens. Wurden 2017 noch 4140 infizierte Wildschweine ermittelt, waren es im Januar 2018 schon 759. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und ersten Krankheitserscheinungen, beträgt meist vier Tage. ASP führt in nahezu allen Fällen zum Tod des Schweins innerhalb von sieben bis zehn Tagen. Das Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar – weder durch den Verzehr von Schweinefleisch, noch über direkten Tierkontakt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen