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Flüchtlingshilfe : Schnelle Diagnose dank Dolmetscher

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mehr als 20 Flüchtlinge melden sich freiwillig, um bei der Erstaufnahme Medizinern und anderen Helfern bei der Übersetzung zu unterstützen.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 12:18 Uhr

„Können Sie das Wort Impfung übersetzen und auch Schmerzen beschreiben?“ – Dr. med. Michael Kappus, ärztlicher Direktor am Klinikum Itzehoe, stellt diese und weitere Fragen Flüchtlingen vornehmlich auf Englisch. Junge Männer und Frauen, die am Regionalen Bildungszentrums (RBZ) die DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) besuchen. Einige sprechen schon etwas Deutsch, die meisten eben Englisch, aber gemeinsam wollen sie eines: Als Dolmetscher bei der Erstaufnahme von weiteren Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan helfen.

„Die Bereitschaft war wirklich groß, uns zu unterstützen“, betont Reinhold Wenzlaff. Der Zweckverbandsvorsteher des Klinikums und Lehrer am RBZ hatte den Kontakt hergestellt. Hintergrund ist die geplante Erstaufnahmeeinrichtung in Glückstadt und damit erforderliche medizinische Versorgung. Das Problem: die sprachlichen Barrieren für das Personal. Übersetzer werden dringend gebraucht. Als sich der ärztliche Direktor an die hauptsächlich Syrer und Afghanen wendet, rechnet er mit einem Einsatz in zwei bis vier Wochen in der Elbestadt. Doch die Zeit bleibt nicht, gleich am Wochenende bedurfte es des Einsatzes von Dolmetschern in Kellinghusen.

Auf die Liste für die Übersetzungsaufgaben in Glückstadt ließen sich 20 bis 30 Freiwillige setzen, „auf die wir glücklicherweise nun zurückgreifen können“, so Reinhold Wenzlaff. Wie wichtig die Kommunikationshilfe ist, zeigte sich in der Liliencron-Kaserne, wo sechs Flüchtlinge als Dolmetscher im Einsatz waren. Überhaupt: „Alle Hilfskräfte haben top gearbeitet“, lobt Wenzlaff alle Beteiligten. Gemeinsam mit seiner Parteikollegin Marion Gaudlitz hatte sich der CDU-Kreistagsabgeordnete schon in den Wochen zuvor ehrenamtlich darum bemüht, Übersetzer zu bekommen. „Wir haben in den Schulen gesucht und in den Ämtern nachgefragt, wo Syrer leben, die Englisch und Deutsch sprechen.“ Denn Sprach-Hürden zu überwinden, sei unbedingt notwendig, um den neu ankommenden Flüchtlingen das Leben in fremder Umgebung zu erleichtern.

Dass möglichst schnell Deutsch vermittelt wird, dafür gibt es im Regionalen Bildungszentrum für junge Flüchtlinge im Alter bis 25 Jahre den entsprechenden Unterricht. „Die Kollegen berichten darüber ausgesprochen positiv“, betont RBZ-Leiter Klaus-Peter Teske. „Die jungen Leute sind höflich, dankbar und pünktlich.“ Und: „Sie sind sehr, sehr motiviert, wollen lernen!“, fügt Reinhold Wenzlaff hinzu. Teske und Wenzlaff werben gleichzeitig dafür, dass Firmen den zum Teil hoch gebildeten Menschen mit Praktikum oder Betriebserkundung die Tür zur Arbeitswelt öffnen. Außerdem werden noch Ehrenamtler gesucht, die die deutsche Sprache vermitteln – bezogen auf Alltagssituationen.

Denn die Zahl der Schüler in den DaZ-Klassen ist entsprechend des Flüchtlingszustroms sprunghaft gestiegen. „Wir sind jetzt bei über 200“, sagt Rainer Albert, der die DaZ-Klassen am RBZ koordiniert. Und es werden mehr. „Da sind viele hochqualifiziert“, betont er. Eine große Herausforderung, die Menschen auch entsprechend zu fördern, wobei Albert die große Unterstützung von Schulleitung und Kollegium besonders hervor hebt.

Für die Flüchtlinge aus den DaZ-Klassen sei das Übersetzen bei der Erstaufnahme eine willkommene Aufgabe. Und so schrieben sich auch viele in die Kontaktlisten für das Klinikum ein. Dafür, dass sie vor Ort sein können, soll ein Shuttle-Dienst eingerichtet werden, kündigte Reinhold Wenzlaff an. Zudem sollen sie voraussichtlich eine kleine Aufwandsentschädigung „dafür bekommen, dass sie uns helfen“.

 

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