Schmugglern auf der Spur

Moderne Technik: Karl-Hermann Paulsen im Maschinenraum des Zollbootes.
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Moderne Technik: Karl-Hermann Paulsen im Maschinenraum des Zollbootes.

Der Zoll ist im Einsatz um illegale Einfuhren und Steuervergehen zu verhindern / Besatzung nimmt aber auch Seenotrettungsaufgaben wahr

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06. Juni 2014, 14:19 Uhr

Als Zollstandort blickt Glückstadt auf eine lange Tradition zurück. Christian IV. gründete die Stadt nicht zuletzt, um mit Einnahmen aus dem Elbzoll sein Staatssäckel aufzufüllen. An den späteren Kampf der Zöllner gegen Schmuggler auf Elbe und Stör erinnert heute im Außenhafen das Museumsschiff „Rigmor“, ein ehemaliger Zollkreuzer von 1853. Direkt nebenan liegen Gegenwart und Zukunft des Zollwesens in der Elbestadt: Das 2011 in Dienst gestellte Zollboot „Glückstadt“ ist eines der modernsten Schiffe des deutschen Zolls – und „das Schönste“, wie Schiffsführer Delf Horwege betont.

Einsatzgebiet von Horwege und seinen 15 Kollegen, die im Schichtbetrieb meist zu fünft oder sechst die Besatzung der „Glückstadt“ bilden, ist die Unterelbe zwischen Hamburg und Cuxhaven. Die Seegrenze in der Nordsee ist eine EU-Außengrenze und sehr viele der Waren, die über diese Grenze ins Land kommen, werden per Schiff über die Elbe Richtung Hamburg oder durch den Nord-Ostsee-Kanal transportiert. „Unsere Aufgabe ist die Kontrolle dieser Warenströme auf dem Wasser, damit keine verbotenen Dinge eingeführt werden und dem Staat keine Einnahmen verloren gehen“, erklärt Thomas Gartsch, Sprecher des Hauptzollamtes Itzehoe, dem die „Glückstadt“ unterstellt ist. Um dies zu gewährleisten, beobachtet die Mannschaft etwa, ob von verdächtigen Handelsschiffen Drogenlieferungen an Land gebracht werden. Doch nicht nur das internationale organisierte Verbrechen beschäftigt die Zöllner. Auch die Kontrolle von Sportbootführern, die zum Beispiel von Helgoland steuerfreie Zigaretten einführen, gehört zu den Aufgaben von Horwege und seinen Kollegen. „Während der Saison kontrollieren wir Schiffe in den kleineren Häfen entlang der Elbe. Dort sind wir nicht immer gern gesehen, aber es gehört dazu“, sagt Horwege.

Die vermutlich wichtigste Aufgabe der „Glückstadt“ ist es aber, Präsenz zu zeigen. „Wir werden wahrgenommen und das schreckt natürlich von Straftaten ab“, erläutert Nautiker Rico Thieme die Bedeutung der regelmäßigen Streifenfahrten des Zollbootes. Gelegentlich nehmen die Zöllner der „Glückstadt“ auch polizeiliche Aufgaben wahr. Sie werden auf dem Wasser vom Gemeinsamen Lagezentrum See in Cuxhaven geführt, einer Einrichtung von Bundes- und Länderbehörden mit maritimen Sicherheitsaufgaben. Thomas Gartsch: „Wir arbeiten eng mit Küstenwache und Wasserschutzpolizei zusammen und unterstützen uns gegenseitig.“ Und natürlich hilft die Besatzung in Seenotfällen. „Wenn wir in der Nähe sind, helfen wir zum Beispiel auch mal einem Segler, der einen Wassereinbruch hatte, mit unseren Pumpen“, sagt Horwege.

Um ihre Aufgaben zu erfüllen, ist die 23 Meter lange „Glückstadt“ mit modernster Technik ausgestattet. An Bord befindet sich beispielsweise eine hochempfindliche Wärmebildkamera mit der die Zöllner Aktivitäten an Deck von verdächtigen Schiffen auch bei Nacht beobachten können. „Bei optimalen Bedingungen können wir mit der Kamera vom Wasser aus nachts die Ratten über den Deich laufen sehen“, erklärt Rico Thieme. Für das Übersetzen auf andere Schiffe oder Kontrollen in Flachwasserbereich steht der Besatzung das Tochterboot „Fortuna“ zur Verfügung.

Angetrieben wird die wendige „Glückstadt“, die sich laut Steuermann Thieme „wie ein Moped“ fährt, von zwei über 600 PS starken Common-Rail-Dieseln, die das Schiff auf bis zu 23 Knoten beschleunigen. „Alles computergesteuert, effizient und sauber“, sagt der leitende technische Offizier Karl-Hermann Paulsen. Nachteil der modernen Technik: Größere Reparaturen lassen sich nur mit Laptop-Einsatz und selten auf See durchführen. „Ist aber auch nicht nötig. Abgesehen von ein paar Kinderkrankheiten am Anfang, laufen die Motoren einwandfrei“, so Paulsen.

Besucher der Glückstädter Matjeswoche haben Gelegenheit das Zollboot aus der Nähe kennenzulernen. Am 14. und 15. Juni nimmt die „Glückstadt“ an der Open-Ship-Meile teil und steht, ausnahmsweise im Binnenhafen, von 9 bis 17 Uhr Gästen zur Besichtigung offen. Delf Horwege: „In den vergangenen Jahren war das Interesse sehr groß. Wir freuen uns schon.“

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