zur Navigation springen

Glückstadt : „Schlüssel für jegliches Miteinander“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Lehrerin wirkt über ihren Tod hinaus - Geldspende zur Integration von Flüchtlingen im Rathaus übergeben

von
erstellt am 03.Nov.2015 | 17:46 Uhr

Heute am 3. November wäre Christa Redecker 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat ihr Sohn Michael Redecker eine Spende im Namen der Anfang September verstorbenen Glückstädterin übergeben. Es war ihr Wunsch, dass statt Blumen zu ihrer Beerdigung Geld gegeben wird, damit Flüchtlinge Deutschunterricht bekommen können. Das Ergebnis ist beachtlich: 100 Stunden Unterricht für zehn bis 15 Flüchtlinge können für zwölf Wochen an der Glückstädter Volkshochschule finanziert werden.

Michael Redecker übergab den Scheck dafür im Rathaus an die stellvertretende Bürgermeisterin Meike Sierck und die Integrationsbeauftragte Katharina Schmidt. Die Organisatorin des interkulturellen Teilhabeprojektes zeigte sich äußerst erfreut über die finanzielle Unterstützung. Meike Sierck dankte im Namen der Stadt für die Spende.

Christa Redecker hat über drei Jahrzehnte Deutsch und Englisch am Detlefsengymnasiums unterrichtet. Zahlreiche Schülerinnen und Schülern begleitete sie bis zum Abitur. Michael Redecker: „In vielen Gesprächen über die Flüchtlingskrise wies sie immer wieder darauf hin, wie wichtig Sprachkompetenz als Schlüssel für jegliches weitere Miteinander sei.“ Auch habe sie mehrfach betont, dass sie sich sehr in die Lage von Flüchtlingen versetzen konnte. Denn sie selbst floh während des Krieges im Frühjahr 1945 aus ihrer mecklenburgischen Heimatstadt Malchow mit ihrer Mutter, die Kriegerwitwe war, und drei kleineren Geschwistern nach Stelle im Landkreis Harburg. „Nur allzu gut kannte meine Mutter also das Gefühl, als Fremde angesehen zu werden und im wahrsten Sinne des Wortes mit Nichts neu anfangen zu müssen“, sagte ihr Sohn jetzt im Rathaus.

Christa Redecker, geborene Techen, machte ihr Abitur in Lüneburg und studierte anschließend in Hamburg und Kiel Anglistik und Germanistik. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich zu dieser Zeit, indem sie als Haushaltshilfe arbeitete und als ‚Reklamemädchen‘ Warenproben auf dem Hamburger Hauptbahnhof verteilte, erzählte ihr Sohn. Nach dem Staatsexamen und dem in Neumünster absolvierten Referendariat, begann Christa Redecker in den 1950er Jahren in Glückstadt zu unterrichten. Dort lebte sie lange mit ihrem Ehemann, dem Arzt Günther Redecker, der aber bereits 1990 starb. Das Ehepaar hatte zwei Söhne und drei Enkelkinder.

Christa Redecker fuhr oft ins Ausland. Ihr Ziel war es andere Kulturkreise kennenzulernen und im direkten Kontakt mit den einheimischen Menschen ihren persönlichen Horizont zu erweitern. Michael Redecker: „So war sie nicht nur in vielen bekannten Touristenzielen, etwa in Südeuropa, unterwegs, sondern besuchte bei verschiedenen Reisen unter anderem auch das Baltikum, Russland, Usbekistan, aber auch die Türkei, Israel und Jordanien. Jedesmal berichtete sie von geradezu überwältigender Freundlichkeit und Gastfreundschaft, die ihr in all diesen Ländern von den allermeisten Menschen entgegengebracht wurde.“

Vor diesem persönlichen Erfahrungshorizont reifte bei jedem Bericht über nach Deutschland kommende Flüchtlinge der Gedanke, den Begriff Willkommenskultur persönlich mit Inhalt zu füllen, sagte Michael Redecker. „Die Spende meiner Mutter soll direkt die Integrationsarbeit für Schutzbedürftige unterstützen.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen