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Rettungsaktion : Schlick-Schlamassel: Senior in Seenot

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Grevenkoper (75) läuft mit seinem Motorboot vor dem Fähranleger auf Grund. Verwandte hatten ihn vorher als vermisst gemeldet.

Spektakulärer Rettungseinsatz gestern Nachmittag auf der Elbe: Dort war bereits am Vormittag ein 75-jähriger Grevenkoper mit seinem Kajüt-Motorboot Moni aus ungeklärten Gründen vom Kurs abgekommen. In Höhe des Fähranlegers – etwa 150 Meter vom Ufer entfernt – war er auf Grund gelaufen. Gegen 14 Uhr machte der Senior in seiner misslichen Lage dann durch Winken auf sich aufmerksam.

Suse Winkler vom „Happy Town Beach-Club“ sah es und rief den Notruf. Bernd Kleemann und Ronald Specovius von der Glückstädter Wasserschutzpolizei waren kurz darauf vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt wussten die beiden Beamten: Der 75-Jährige war von Familienangehörigen bereits als vermisst gemeldet worden. „Der Eigner hatte gegen 10.30 Uhr mit seinem Boot den Glückstädter Hafen verlassen und wollte nach Beidenfleth. Doch dort wartete die Familie dann vergeblich“, erklärte Bernd Kleemann.

Weil es keine Verbindung zu dem Senior gab, der in dieser Zeit auf seinem Boot verharrte, konnten die Beamten einen medizinischen Notfall nicht ausschließen. Mit einem Megafon wurde so gut es ging miteinander kommuniziert. Um 14.10 Uhr wurden Rettungsdienst, Notarzt und die Feuerwehr angefordert.

Die Rettung erwies sich jedoch als äußerst schwierig – denn von Wasser war weit und breit keine Spur. Vielmehr umgab jede Menge Schlick die Moni. Mit dem Einsatzboot der Glückstädter Feuerwehr kam keiner weiter. Die Feuerwehrleute Steffen Knoop und André Larisch schlüpften deshalb in Vollschutzanzüge und wateten, ein Schlauchboot hinter sich herziehend, zum Havaristen. Nach rund 80 Metern mussten die beiden aber aufgeben. Sie steckten hüfttief im Schlamm. Nach 20 Minuten kehrten sie völlig verdreckt an Land zurück.

Auch wenn der Bootseigner signalisierte, keine Hilfe mehr haben zu wollen, ließ sich die Wasserschutzpolizei davon nicht beeindrucken. „Wegen des östlichen Windes hat die Moni frühestens Freitag wieder Wasser unter dem Kiel. Solange kann der Mann nicht an Bord bleiben“, so die Einschätzung von Roland Specovius. Inzwischen waren auch die Familienangehörigen des Mannes an der Einsatzstelle eingetroffen. Es folgten viele Telefonate. Dann stand fest: Der Rentner sollte mit einem Helikopter von Bord seines Schiffs gewinscht werden. Um die Moni wollte sich die DLRG aus Wedel mit ihrem Luftkissenboot kümmern.

Gegen 15.30 Uhr kreiste dann ein Rettungshubschrauber einer Privatfirma, der sonst in St. Peter-Ording stationiert ist, über dem Havaristen. „Eigentlich ist unser Einsatzgebiet die Nordsee mit ihren Offshore-Windparks“, sagte einer der beiden Piloten. Mit fünf Besatzungsmitgliedern besetzt seien Rettungseinsätze der „Northern Ziro Rescue One“ mit mehreren tausend Euro die Stunde nicht ganz billig. Verfolgt von vielen Schaulustigen ließ sich Notarzt Rüdiger Franz dann auf das Boot abseilen. Nach langen fünf Minuten wurden Notarzt und Patient an einer Seilwinde unter dem Hubschrauber hängend an Land gebracht und dort dem Rettungsdienst übergeben. Der Senior brauchte am Ende nicht ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.

Inzwischen hatte die DLRG ihr Hovercraft-Boot am Deich vom Trailer gehoben. Weil gestern glücklicherweise viel Wind wehte rutschte das Luftkissenboot durch das Deichvorland in den Elbschlick. Die Helfer mussten einige Priele überwinden und gelangten nur über Umwege zum havarierten Motorboot. Dort wurde die Moni dann soweit gesichert. Sie soll jetzt in den nächsten Tagen bei Hochwasser geborgen werden.

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