zur Navigation springen

Nord-Ostsee-Kanal : Schleusenbau kommt langsam voran

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Arbeiten am Kanal hinken dem Zeitplan hinterher. Die Planung für das Trockendock wurden nach Magdeburg vergeben.

Die Bauarbeiten für die fünfte Schleusenkammer schreiten voran. Wenn auch langsamer als geplant. Eine große Baugrube für die Torkammer des so genannten Außenhauptes der neuen Schleuse macht erstmals die Dimensionen des 500 Millionen Euro teuren Bauprojekts deutlich: Über sechs Meter tief ins Erdreich reicht die Grube. In die Kammer wird später einmal das Schleusentor hineinfahren, wenn es Schiffen den Weg in die Schleusenkammer hinein oder aus ihr heraus eröffnet.Alleine für das komplette Außenhaupt werden rund 65  000 Kubikmeter Boden ausgehoben. Per Schiff finden diese ihren Weg zum Bodenlager Dyhrrsenmoor in der Wilstermarsch. Auf der etwa 65 Hektar großen Fläche sollen am Ende fast zwei Millionen Kubikmeter Bodenaushub lagern.

„Das Gros der bislang durchgeführten Arbeiten auf der Schleuseninsel ist kaum zu erkennen“, erklärt Thomas Fischer, vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Brunsbüttel. Dabei wurden unter anderen auf einer Gesamtlänge von jeweils 320 Metern Spundwände für die nördliche und südliche Kammerwand errichtet. Abgesehen von dem Zementwerk, das deutlich sichtbar auf der Mittelinsel zwischen Großen und Kleinen Schleusen aufgebaut wurde, finden die meisten Arbeiten unterirdisch statt.

Doch auch wenn schon einiges bewegt wurde, hängen die Arbeiten dem ursprünglichen Zeitplan hinterher. Die Ursachen für den Verzug sind vielseitig. „Die Suche nach Munitionsresten im Bereich der Schleusenbaustelle gestalten sich umfangreicher als ursprünglich vorgesehen“, benennt Thomas Fischer eine Ursache für den Zeitverzug auf der Baustelleninsel. Im Zuge der Kampfmitteluntersuchungen wurde unter anderen festgestellt, dass eine in den Planungsunterlagen eingetragene Böschungssicherung im Bereich des elbseitigen Vorhafens gar nicht existiert. Dies hatte zur Folge, dass deutlich mehr Erdreich untersucht werden musste, als vorgesehen war. Mehr als 1000 Verdachtspunkte wurden dabei erfasst. Diese zogen ihrerseits weitergehende Untersuchungen nach sich. „Glücklicherweise wurden keine Munitionsreste oder Blindgänger gefunden“, so Fischer. Mittlerweile ist die langwierige Suche nach Weltkriegsmunition fast abgeschlossen.

Dafür hapert es an anderer Stelle. Wände, die für den Hochwasserschutz errichtet wurden, stehen weiteren Arbeiten im Weg. Ebenso eine vorgeschriebene Straße, die als sichere Querverbindung auf der Schleuseninsel errichtet werden musste. Beides muss zunächst entfernt und an anderer Stelle und in anderer Form neu gebaut werden. Erst dann kann es weitergehen.

Europas größte Wasserbaustelle sei in keiner Weise mit Landbaustellen vergleichbar, betont Fischer. Für den Bau der Schleusenkammer sei es beispielsweise notwendig, in Chemielaboren unterschiedliche Betonarten zu entwickeln. Diese müssen nicht nur in ihren Eigenschaften variieren, sondern sehen sich verschiedenen Anforderungen ausgesetzt.

Hohe Anforderungen stellt die Baustelle auch an die Mitarbeiter des WSA. Vier Ingenieursplätze wurden beim Brunsbütteler WSA neu geschaffen. Die Mitarbeiter sollen sich eigentlich um die Planung für den Bau des Trockendocks kümmern. Das Planfeststellungsverfahren hierfür wurde in Verbindung mit dem Schleusenneubau eingereicht. Zwei der Stellen wurden bereits besetzt. Die Mitarbeiter werden jedoch zunächst an der Fertigstellung der Schleusenkammer mitarbeiten. Die vorbereitenden Planungen für das Trockendock wird bis zur Baureife erst einmal das WSA in Magdeburg übernehmen.

Eines von vielen Zeichen, die darauf hindeuten, dass sich die Struktur des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes im Umbruch befindet. Bereits 2011 hatte der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer die Weichen für ein umfassendes Sparprogramm beim WSA gelegt, das bis 2020 abgeschlossen sein soll. Im September wird es die erste Auftaktveranstaltung beim WSA geben. Im Zuge der Versammlung sollen erste Lösungsansätze erarbeitet werden, in welcher Form sich die 39 Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter in Deutschland neu strukturieren lassen.

Fest steht bereits, dass die jetzige Leiterin des Brunsbütteler WSA Gesa Völkl Brunsbüttel verlassen wird. Nachfolger wird Detlef Wittmüß, der derzeit das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Hamburg leitet.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen