Schleusenbau als Touristen-Erlebnis

„Im Schleusenneubau steckt riesiges touristisches Potenzial“, sagt VHS-Leiterin Dr. Elke H. Schmidt-Wessel.
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„Im Schleusenneubau steckt riesiges touristisches Potenzial“, sagt VHS-Leiterin Dr. Elke H. Schmidt-Wessel.

VHS-Leiterin Dr. Elke H. Schmidt-Wessel sieht riesiges Potenzial für Brunsbüttel

shz.de von
04. Mai 2015, 12:58 Uhr

Für Einheimische und Touristen wird die Volkshochschule ab dem Sommer Führungen zum Bau der 5. Schleusenkammer anbieten. Ein Gespräch mit VHS-Leiterin Dr. Elke H. Schmidt-Wessel.

Frau Dr. Schmidt-Wessel: Für die Schifffahrt ist die 5. Schleusenkammer enorm wichtig. Was bedeutet der Neubau für die Stadt als Tourismus-Standort?
Darin steckt ein riesiges touristisches Potenzial. Der Bau der Schleusenkammer wird auf Jahre das größte Wasserbauprojekt Europas sein und natürlich Fachpublikum, aber eben auch viele, viele Touristen anziehen.


Mit fachlicher Unterstützung des Wasser- und Schifffahrtsamtes hat die VHS das Konzept erarbeitet. Was erwartet die Besucher?
Eine Auswahl unterschiedlicher Führungen – kürzere und längere, für verschiedene Zielgruppen, mit unterschiedlichen Stationen. Dieses Programm kann ergänzt werden durch Stadtspaziergänge, ein Besuch im Elbehafen, vielleicht auch – das fände ich persönlich sehr spannend – durch Vor-Ort-Informationen über die zweite Brunsbütteler Großbaustelle, nämlich den Rückbau des Kernkraftwerks.


Wird es auch spezielle Baustellen-Führungen geben?
Natürlich wird es Führungen geben, die den Bau der Schleuse – die Vorgeschichte, die baulichen Herausforderungen, den Baufortschritt, überhaupt alles Technische – in den Vordergrund stellen. Aber: Die Baustelle auf der Schleuseninsel wird für niemanden zugänglich sein. Das wäre viel zu gefährlich.


Im Hauptausschuss ist bekannt geworden, dass die Containeranlage, die als Besucherzentrum dienen soll, frühestens im Herbst in der Schillerstraße errichtet wird. Hat Sie das überrascht?
Das kann man wohl sagen! Bis zu diesem Abend waren wir von Ende Mai ausgegangen. Ärgerlicherweise entstand in der Sitzung der Eindruck, als seien einige Anwesende in eine Art Übergangsplanung eingeweiht und wollten sich dazu nicht äußern. Von derartigen Plänen müssten wir als Durchführende des Besucherprogramms aber zuerst wissen. Und ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, was da los war.


Werden Sie die Führungen trotzdem ab Sommer anbieten?
Auf jeden Fall werden wir unsere bisherigen Schleusenführungen weiter anbieten, wobei unsere Gästeführer natürlich auch die Baustelle thematisieren werden. Wann und wie es mit dem neuen Konzept losgehen kann, wird sich hoffentlich rasch aufklären – anders als die jetzigen Führungen braucht das neue Programm ja einen Ort und gewissermaßen ein Dach über dem Kopf. Ich gehe davon aus, dass uns das WSA hierzu in Kürze einen Vorschlag machen wird. Offenbar gibt es dort internen Klärungsbedarf mit der Bau-Arge.


Was wird es später im Besucherzentrum zu entdecken geben?
In der Containeranlage wird nicht in erster Linie ausgestellt, sondern sie wird der Höhepunkt der Führungen sein. Hier kann der Schleusenführer für seine Gruppe ein kleines Feuerwerk zünden – mit Filmen, animierten Präsentationen, mit Erklärungen an den schon erwähnten Modellen, Webcams und einigem mehr, das jetzt noch in der Planung ist. Für Ausstellungen haben wir das Schleusenmuseum „Atrium“, das in das Gesamtkonzept eingebunden und durch einen Mix aus Dauer- und Sonderausstellungen aufgewertet werden soll.


Warum engagieren Sie sich so stark in diesem Bereich?
Wir organisieren seit Jahren die Gästeführungen in Brunsbüttel, und Schleusenführungen sind immer schon am häufigsten nachgefragt. Es hat sich glücklicherweise so ergeben, dass unsere Ambitionen, fachlich und didaktisch qualitätsvolle Führungen anzubieten, mit dem Wunsch der WSA-Leitung nach einem Partner aus dem Bildungsbereich zusammenfielen. Seit Oktober bereiten wir 16 Männer und Frauen intensiv darauf vor. Ich denke, dass es zu den Aufgaben der VHS als Partnerin der Stadt gehört, dabei mitzuhelfen, Brunsbüttel voranzubringen.


Im Vergleich zu der vor drei Jahren präsentierten Vision eines „Skywalk“ ist die Container-Lösung eine bescheidene Variante. Hätten Sie sich persönlich mehr gewünscht?
Der „Skywalk“ war ein mutiger, aber finanziell zu riskanter Entwurf. Unser jetziges Konzept gibt uns die Chance, es allmählich hochzufahren und unser Investment an Zeit und Geld an den zunehmenden Besucherstrom anzupassen. Damit kann ich, ehrlich gesagt, ruhiger schlafen. Allerdings muss jetzt seitens der Stadt dringend Geld für eine Marketingkampagne bereitgestellt werden, damit das Projekt in Gang kommt. Es sollte möglich sein, 100  000 auswärtige Besucher nach Brunsbüttel zu locken. Wenn jeder Dritte ein Bezahlangebot wahrnimmt, sind wir ausgelastet.

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