Schlechte Reinigung am Klinikum ?

Patientin empört / Spezielles Vorgehen verunsichert

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03. April 2013, 03:59 Uhr

Itzehoe | "Ich bin froh, dass ich da raus bin!" Fünf Tage lag Regina Brunstein im Klinikum Itzehoe auf Station 17. Die medizinische Versorgung sei sehr gut gewesen, betont die 55-Jährige. Auch das Pflegepersonal lobt sie. Wenn sie an die Reinigung denkt, stehen ihr jedoch die Haare zu Berge. "Es war erschreckend. Ich habe mich nur geekelt."

Nicht ein einziges Mal sei richtig geputzt worden. "Die Reinigungskraft hatte nur einen trockenen Lappen, mit dem war sie eine Sekunde in der Toilette und hat danach damit die Tür abgewischt", erzählt sie. Beim Feudeln habe sie in der Toilette angefangen und den Wischmop dann quer durchs Zimmer geschoben. "Dass mal die Nachttische abgewischt wurden, habe ich nie gesehen." Die Toilette habe sie schließlich selbst sauber gemacht.

Sie könne verstehen, dass das Personal unter Stress stehe. "Aber in einer Klinik darf so etwas nicht sein. Da können Menschen sterben." Die anderen Frauen im Drei-Bett-Zimmer, in dem sie lag, "fanden das auch schlimm." Sie sei früher schon öfter im Klinikum gewesen - "da wurde noch richtig geputzt".

Anke Möcklinghoff, Leiterin Wirtschaft & Service am Klinikum, ist erstaunt über die Vorwürfe. "Es hat in letzter Zeit keine Beschwerden gegeben." Das Personal werde ständig geschult, es gebe Kontrollen, das Klinikum sei ein zertifizierter Betrieb. "Wir bemühen uns sehr."

Es sei ein striktes Reinigungssystem vorgegeben. Das könne für den Laien durchaus Fragen aufwerfen. So werde beispielsweise nass gewischt, aber nicht getrocknet. Denn nur so könne das Desinfektionsmittel einwirken. Beim Feudeln werde nur auf eine Stelle Mittel aufgebracht und von dort aus spiralförmig verteilt. Und die Nachttische seien für die Reinigungskräfte tabu, zu leicht könnten etwa Medikamente durcheinander kommen. Das sei Sache der Stationshilfe. Doch die war während des Aufenthalts von Regina Brunstein im Urlaub.

Der schlechte bauliche Zustand der Station tue ein Übriges. Jahrzehnte alte Waschbecken oder Böden sähen auch nach dem Putzen nicht frisch aus. Über das Wochenende habe sich der Eindruck wohl noch verstärkt, denn da werde die Reinigung tatsächlich "ausgedünnt".

All das hätte Anke Möcklinghoff der Patientin gerne selbst erklärt. "Schade, dass sie uns nicht direkt angesprochen hat. Nur wenn wir es wissen, können wir Dinge erklären - und besser werden." Es gebe ein Beschwerdemanagement. Und auch die Reinigungskräfte selbst geben gerne Auskunft.

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