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Verkehr : Schlechte Noten für Itzehoes Radwege

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zu schmal und zu holprig: Teilnehmer von bundesweitem Städte-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs kritisieren Zustand von Fahrbahnen.

Es ist kein gutes Zeugnis, das Itzehoes Radler dem „Fahrradklima“ in ihrer Stadt ausstellen: Mit der Schulnote 4,0 – „ausreichend“ – bewerten die Teilnehmer der großangelegten Vergleichsbefragung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) die Kreisstadt. Im unteren Drittel auf Platz 258 von 364 deutschen Städten bis 50  000 Einwohner landet Itzehoe damit. Repräsentativ ist die Umfrage mit 27 Fragen zwar nicht, weil die Befragten nicht zufällig ausgewählt werden. Bei 120  000 Teilnehmern in ganz Deutschland lassen sich aber begründete Vergleiche zu anderen Städten ziehen und Schwächen benennen.

Vor allem zwei Punkte haben zur Bewertung beigetragen, erklärt Ines Pretzlaff vom ADFC Itzehoe: Eine glatte 5 bekam die Oberfläche der Radwege. Und nur unwesentlich besser, mit 4,9, wurde die Breite der Wege bewertet. „Die Oberflächen, die durch Verwitterung, Wurzelaufbrüche und Ähnliches teilweise sehr beschädigt sind, wurden an vielen Stellen seit Jahren nicht erneuert“, sagt Pretzlaff. Dies sei für Radfahrer nicht nur unangenehm, sondern zum Teil auch gefährlich. „Sicher wird an einigen Stellen auch mal ein gravierender Mangel behoben, aber die nötige Renovierung maroder Radwege wurde noch nicht in Angriff genommen.“

Oft seien die Radwege auch zu schmal. „Das Überholen ist meist gar nicht machbar“, sagt Pretzlaff. „Dabei wird es in Zeiten der zunehmend verbreiteten Räder mit Elektroantrieb immer wichtiger, weil mehr Radler mit unterschiedlichem Tempo die Wege nutzen.“ Ebenfalls schwach wurde das Sicherheitsempfinden mit der Note 4,2 bewertet. Ursachen seien „baulich schlecht geführte Radwege“ oder Schutzstreifen, bei denen oft der Mindestabstand von Autos unterschritten werde, so Pretzlaff.

Positiv schätzen die Befragten dagegen die Öffnung der allermeisten Einbahnstraßen ein. Dies helfe, unnötige Umweg zu vermeiden, so Pretzlaff. Ebenso sei die gute Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Rad ein Pluspunkt. „Dazu trägt die Velo-Route von Edendorf über die ehemalige Bahntrasse bis zur Itzehoer Versicherung bei“, sagt die ADFC-Vertreterin. „Besonders dann, wenn sie bald hoffentlich bis zum Bahnhof führt.“ Auch die Aufhebung der Benutzungspflicht für Radwege sei positiv. „Insbesondere auf Radwegen, wo vorher in Gegenrichtung quasi als Geisterfahrer gefahren werden musste, wie beispielsweise am oberen Stück der Alten Landstraße oder am Kamper Weg.“

Beim Vergleich mit den Ergebnissen früherer Teilnahmen am ADFC-Test werde deutlich, dass das „Fahrradklima in Itzehoe schon mal besser war“, bewertet Thomas Möller, Landesvorsitzender des ADFC die Ergebnisse. „Mein Eindruck ist, dass Itzehoe mal ein richtiger Vorreiter bei der Radverkehrsförderung war“, sagt der Oelixdorfer. In den frühen 2000er Jahren habe sich viel zum Guten getan. „Um 2012 scheint dann ein Tiefpunkt erreicht worden sein.“ Inzwischen seien die Ergebnisse in einigen Bereichen wieder positiver. Aber: „Noch nie wurden Breite und Oberfläche der Radwege so schlecht bewertet wie heute.“

Mittelfristig soll sich dies wieder ändern, sagt Stadtsprecher Frank-Dieter Simon. Verbesserungen im vorhandenen Wegesystem und die Verbesserung der Verkehrssicherheit gehörten zu den beschlossenen Zielen des 2015 verabschiedeten Masterplans Fahrradverkehr. „Die Verwaltung wird zu den jeweiligen Haushaltsberatungen in den nächsten Jahren konkrete Maßnahmen aus dem Masterplan Fahrradverkehr zur Realisierung vorschlagen“, so Simon. „Diese werden dann unter Berücksichtigung der tatsächlich bewilligten Haushaltsmittel umgesetzt.“ Die Planung seien auf „Langfristigkeit und Nachhaltigkeit“ ausgelegt. „Spätere Befragungen und Tests werden sicherlich ein positiveres Ergebnis zeigen, als es derzeit noch der Fall ist.“ Immerhin: Anderswo sieht es aktuell noch schlechter aus. Im Ranking des ADFC liegt Itzehoe noch vor Rendsburg, Schleswig, Bad Segeberg und dem landesweiten Schlusslicht Pinneberg.


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