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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 22:00 Uhr

Schlechte Aussichten für kleines Kino

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bürger wünschen sich Wiederbelebung des Filmtheaters am Kirchplatz / Alte Technik und geringe Besucherzahlen sind große Herausforderung

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2015 | 16:57 Uhr

„Wie schön wäre es, in Glückstadt wieder ein Kino zu haben“, schwärmte neulich ein Jugendlicher, als er am ehemaligen Filmtheater am Kirchplatz vorbei ging. Auch in der Neujahrs-Umfrage unserer Zeitung hatten mehrere Leser diesen Wunsch geäußert. Doch im Moment ist kein neuer Betreiber für das Kino in Sicht, dessen Betrieb seit zwei Jahren ruht. „Derzeit kennen wir keine Person, die das Kino betreiben möchte“, sagt Dr. Lüder Busch von der Stadtverwaltung. Im Moment hat die Stadt die Räume im ehemaligen Gymnasium hinter der Kirche an einen Kooperationspartner des Jobcenters verpachtet, der dort Fortbildungen für Langzeitarbeitslose anbietet. Das alte Kino-Inventar ist noch vorhanden: 50 Sessel mit Tischen und Lampen, die Leinwand und zwei alte Filmprojektoren.

Problem Nummer eins ist jedoch: Die Vorführ-Maschinen sind veraltet. Kino-Verleiher stellen für die alten Projektoren in der Regel keine aktuellen Filme mehr zur Verfügung. „Rein technisch wird man mit dieser Ausrüstung kein Kino mehr betreiben können“, sagt Ulrich Koch, der unter Betreiber Oliver Bachmann von 2006 bis 2012 im Kino arbeitete und eine große Leidenschaft für das kleine Filmtheater hegt. „Ich fände es auch schön, wenn Glückstadt wieder ein Kino hätte. Aber die alten Maschinen taugen nur noch fürs Museum.“

Nach Einschätzung von Experten müssten mindestens 40 000 Euro für das Aufrüsten auf digitale Technik investiert werden. Die Stadt kann und will diese Summe nicht aufbringen, „weil sie aus den vergangenen Erfahrungen weiß, dass der Betrieb problematisch ist“, sagt Dr. Lüder Busch. Einzelne Politiker äußerten jedoch die Bereitschaft, einen privaten Betreiber zu unterstützen.

Peter Klemm (67), der unter dem letzten Betreiber im Jahr 2013 im Kino arbeitete, sieht noch ein anderes Problem: „Als wir das Kino betrieben haben, kamen kaum Besucher. Wir wären schon glücklich gewesen, wenn wir den Saal einmal halb voll gehabt hätten.“ Stattdessen seien auch zur Vorführung des Films „Ziemlich beste Freunde“ maximal 15 Leute erschienen. Oftmals habe er vergeblich auf Besucher gewartet und sei unverrichteter Dinge wieder nach Hause gegangen. Klemm betont: „Wenn die Glückstädter Bürger ein Kino haben wollen, dann müssten sie das schon mittragen.“ Denn: Je weniger Besucher kommen, desto geringer sind die Aussichten, aktuelle Filme von den Verleihern zu bekommen. Eine Spirale, aus der Betreiber kleiner Kinos nur schwer herauskommen können.

Die nationale Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin bestätigt die schlechten Aussichten für kleine Kinos wie das Glückstädter. „Es ist nicht ganz einfach“, sagt Eva Matlok, zuständig für den Bereich Kinoförderung. „Es erfordert viel Herzblut, Engagement und Know-How, um ein solches Kino voll auszulasten.“ Vom Betrieb leben könne man in der Regel nicht. Zu berücksichtigen sei insbesondere, dass fast die Hälfte der Eintrittspreise für die Miete der Filme drauf gehe. Die FFA bietet für die Aufrüstung auf digitale Technik Fördermittel für bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten an. Doch auch mit dieser Förderung bleiben große Hürden für einen Betreiber bestehen.

Als einzige Möglichkeit, das Kino doch irgendwann noch einmal zu eröffnen, betrachtet Ulrich Koch die Idee eines kommunalen Kinos, das nicht auf Profit ausgerichtet sei und mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und finanzieller Förderung durch die Stadt betrieben werde. In Kiel und Lübeck gebe es solche Modelle bereits. Konkrete Pläne dazu liegen jedoch aktuell in Glückstadt nicht vor.

Für Kino-Liebhaber bleibt ein einziger Hoffnungsschimmer, das alte Lichttheater noch einmal zu besuchen: Die Organisatoren der Krimi Nordica, die im November in Itzehoe und Glückstadt stattfinden soll, planen einige Filmvorführungen im Kino am Kirchplatz. Auf Grund der veralteten Technik wollen sie sich mit einem Beamer behelfen, der die Bilder auf die Leinwand projiziert.

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