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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 20:12 Uhr

Schlammpeitzger bedroht die A 20

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seltener Fisch wird Gegenstand zweier Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig

von
erstellt am 20.Apr.2015 | 16:29 Uhr

Die Richter des Bundesverwaltungsgerichtes werden sich mit ihm beschäftigen müssen: Mit dem Schlammpeitzger, der auch „Gewitterfurzer“ genannt wird. Der Fisch gilt als zäh – diejenigen, die sein Revier verteidigen wollen, auch. Ein Teil seines Lebensraumes gilt als bedroht, denn dort soll die Bundesautobahn 20 (A20) gebaut werden – inklusive Elbtunnel. Und wie es aussieht, wollen gleich zwei Kläger für den Schlammpeitzger vor Gericht ziehen – der Landesnaturschutzverband und die Gemeinde Kollmar.

„Der Schlammpeitzger ist das intelligenteste Tier unter der Sonne“, sagt Bürgermeister Dr. Klaus Kruse ironisch. „Denn er hat gewusst, dass die A20 geplant wird und hat sich deshalb verzogen.“ Damit bezieht er sich auf die Vorlagen des Landes. In diesen sei zu lesen, dass der Fisch auf dem Trassenverlauf der A20 nicht mehr vorhanden sei. Was Dr. Kruse interessant findet. Denn: „Der Fisch lebt in den Wettern und diese sind alle miteinander verbunden.“

2003 gab es große Aufregung in Kollmar: Wissenschaftler hatten den vom Aussterben bedrohten Süßwasserfisch in der Kollmaraner Marsch mit Hilfe von Elektroden aufgespürt. Denn er lebt im Schlamm – kaum einer hat ihn je zu Gesicht bekommen. Die wissenschaftliche Sensation hatte zur Folge, dass die Kollmaraner Marsch an die EU gemeldet und 2010 vom Land zum FFH-Gebiet (Fauna, Flora, Habitat) erklärt wurde. Selbst der spätere Ministerpräsident Peter Harry Carstensen kam 2003 nach Kollmar, um sich die Problematik anzuhören. Denn die Bauern wollten kein FFH-Gebiet.

Was ihnen und dem Bürgermeister beim Verfahren um A20 und Elbtunnel dann sauer aufstieß: „Bei der Ausweisung des FFH-Gebietes wurde der Bereich für die A20 ausgespart“, erklärt Dr. Kruse.

Auch der Rechtsanwalt der Gemeinde, Dr. Wilhelm Mecklenburg, stellte schon früh fest, dass „die Schlammpeitzger-Vorkommen in der Langenhalser Wetter auf wundersame Weise in der Planung gar nicht mehr auftauchen“.

In der Klageschrift des Landesnaturschutzverbandes heißt es: „Die Klage weist bereits hier darauf hin, dass jedenfalls derzeit dort solche Probleme aufgrund der fehlerhaften Abgrenzung des FFH-Gebiets „Wetternsystem Kollmarer Marsch“ bestehen, das naturschutzfachlich weit über die Trasse hinaus reichen sollte.“

Die aktuelle FFH-Gebietsabgrenzung würde nur unvollständig erfassen, dass der Fisch dort vorkomme. Dies sei aber durch die Elektrobefischung, bei der die Tiere kurz schonend betäubt und gezählt werden, aktuell belegt.

In der Klageschrift heißt es auch: „Der Landrat des Kreises Steinburg hat im Rahmen des Informations- und Beteiligungsverfahrens schriftlich vorgeschlagen, den derzeitigen FFH-Gebietsvorschlag um den weiteren Verlauf der Langenhalsener Wettern bis zum Schöpfwerk in Bielenberg zu erweitern. Dieser Vorschlag führt zu einer Überschneidung mit der A 20-Trasse.“

Zudem wird darauf hingewiesen, dass der Lebensraum auch für weitere Fische wie den Bitterling, den Rapfen und den Steinbeißer von Bedeutung ist, „die eine Ausweisung als FFH-Gebiet jedenfalls rechtfertigen“.

Das Besondere am Schlammpeitzger ist, das er ein Dasein im Verborgenen führt: Er gräbt sich tief in den Schlamm ein und überlebt, indem er durch den Darm atmet. Der Schlammpeitzger gilt als scheuer Süßwasserfisch. Genießbar ist er nicht – er hat zu viele Gräten.

Obwohl er nicht gegessen wird, gilt er doch als vom Aussterben bedroht. Häufiges Ausbaggern der von ihr bewohnten Gewässer bereiten der Art Probleme. Weil der Schlammpeitzger vor einem Gewitter unruhig wird, wird der zirka 30 Zentimeter lange Fisch auch Gewitterfurzer genannt.

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