Schlagader der Energiewende

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Erster Abschnitt der Westküstentrasse zwischen Brunsbüttel und Niebüll kann gebaut werden

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07. Mai 2015, 11:51 Uhr

Die Arbeiten an der Westküstentrasse nehmen Fahrt auf. Die Höchstspannungsleitung mit 380  000 Volt soll Windstrom aus Anlagen zwischen Niebüll und Brunsbüttel transportieren. Gestern erteilte das Land Netzbetreiber Tennet für den ersten Leitungsabschnitt zwischen Brunsbüttel und dem Umspannwerk Süderdonn in St. Michel den Planfeststellungsbeschluss.

„Die Westküstenleitung ist die Hauptschlagader der Energiewende in Schleswig-Holstein. Sie ist unabdingbar, um unseren Windstrom aufzunehmen und nach Süddeutschland zu bringen“, erklärte Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). Mit dem Bau des ersten Trassenabschnitts komme die Energiewende im Land deutlich voran.

Dieser Abschnitt ist 14 Kilometer lang. Für Tennet ist dies alles andere als ein Selbstgänger. Denn vom Umspannwerk beim Kernkraftwerk führen die Stromleitungen am Industriegebiet vorbei zum Nord-Ostsee-Kanal. Dort überquert die Stromleitung zwischen der B5 und den Schleusen die Wasserstraße an zwei 99 Meter hohen Masten. Insgesamt werden zwischen Brunsbüttel und dem Umspannwerk Süderdonn 41 Masten aufgestellt. Ein Teil davon, entlang des Holstendamms im Industriegebiet, werden in Deutschland neuartige Konstruktionen sein, so genannte Vollwandmasten mit einer Höhe von 60 Metern. Die übrigen Masten sind 65 Meter hoch und werden neben der 380-kV-Leitung auch die 110-kV-Leitung der Eon aufnehmen, so dass die alten Strommasten auf neun Kilometern abgebaut werden können.

„Der Marschboden ist eine weitere Herausforderung“, sagt Tennet-Sprecher Alexander Greß. Dort sind Gründungstiefen von rund 20 Metern nicht ungewöhnlich. Damit der erste Abschnitt wie geplant Ende des Jahres in Betrieb genommen werden kann, werden Arbeiten parallel ausgeführt. Zunächst, so Greß, müssen jedoch entsprechende Zuwegungen angelegt werden für die Anlieferung der Mastsegmente und für die Kranwagen, die den Aufbau unterstützen.

Im vorigen Jahr wurde mit dem Bau des Umspannwerks Süderdonn zwischen St. Michel und Volsemenhusen begonnen, Ende das Jahres sollen dort die Arbeiten abgeschlossen sein. Zuletzt wurden dort zwei jeweils 260 Tonnen schwere Transformatoren angeliefert – spektakulär über den Kanal vom Brunsbütteler Südkai zum Fähranleger Nord (wir berichteten).

Auch aus Marne wird Windstrom ins Umspannwerk Süderdonn geliefert. Im November 2013 wurde im Umspannwerk Marne-West ein 5,5 Kilometer langes Erdkabel aus dem Dieksanderkoog frei geschaltet. Jetzt werden die 110-kV-Leitungen nach St. Michel erneuert.

Die gesamte Westküstenleitung wird in vier Abschnitten gebaut. Die nächsten drei führen von St. Michaelisdonn bis Heide, von dort nach Husum und im letzten Abschnitt weiter nach Niebüll. Die Leitung wird am Ende 121 Kilometer lang sein. Tennet beziffert die Baukosten pro Kilometer Leitung mit rund 1,5 Millionen Euro. Die Inbetriebnahme der gesamten Westküstentrasse ist bis Ende 2018 vorgesehen.

Damit sollen auch Netzengpässe beseitigt werden, die bislang immer wieder zum Abregeln von Windkraftanlagen führen, weil nicht der gesamte Strom aufgenommen werden kann. Schon heute werden allein in Dithmarschen über 1000 Megawatt erneuerbare Energien ins Netz eingespeist.

In Brunsbüttel ist mit der Trasse noch nicht Schluss. Denn von dort aus soll das Projekt „Südlink“ Strom nach Süddeutschland führen. Die Übergabestation dazu entsteht bei Nortorf. Südlink wird eine Gleichstromverbindung sein, da diese einen geringen Energieverlust über weite Transportwege aufweist. In Bayern ist die Anlieferung von norddeutschem Windstrom umstritten. Für Robert Habeck gibt es dazu jedoch keine Alternative. „Jetzt muss auch Sorge dafür getragen werden, dass der Strom weiter nach Süden fließt. Wer keine Kohle oder Atom will, der muss Südlink bejahen“, sagt der schleswig-holsteinische Energiewendeminister.

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