Streitthema : Schlagabtausch zum Thema Kreishaus

Kartonweise sind Wahlunterlagen für den Bürgerentscheid im Kreishaus eingetroffen. Ingrid Boie von der Kommunalaufsicht sichtet die Papiere.
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Kartonweise sind Wahlunterlagen für den Bürgerentscheid im Kreishaus eingetroffen. Ingrid Boie von der Kommunalaufsicht sichtet die Papiere.

Bürgerentscheid in vier Wochen im Stadtforum heiß diskutiert: Einziges Aufeinandertreffen von Landrat und Fassaden-Initiative.

shz.de von
04. Juni 2014, 05:00 Uhr

Auch nach zwei Stunden zum Teil hitzig geführter Diskussion im Stadtforum des Vereins Wir für Itzehoe gab es keine Annäherung: Im vor dem Bürgerentscheid am 6. Juli wohl einzigen Zusammentreffen von Anhängern der jetzigen Kreishaus-Fassaden und Befürwortern eines modernen Verwaltungsneubaus trafen im voll besetzten Saal Landrat Torsten Wendt und Karin Dietrich-Olsen von der Initiative zum Fassadenerhalt aufeinander. Zuhörer Volker Blaschke fasste das Ergebnis schließlich so zusammen: „Im Grunde geht es hier doch nur um die Frage, ob die Fassade so erhalten bleiben soll – und darum, dass die Menschen es satt sind, dass ihre Stadt weiter verunstaltet wird.“ Wendt verteidigte das Vorhaben, und zahlreiche Kreistagsabgeordneten sprangen ihm hilfreich zur Seite. FDP-Mann Tobias Rückerl nannte das zur Diskussion stehende Bahnhofshotel „eine abgängige, brüchige und asbestverseuchte Bude“, was ihm allerdings auch Unmutsäußerungen einbrachte.

So machte Zuhörer Peter Olsen eine eigene Rechnung auf: Statt wie vom Kreis geplant 15 Millionen Euro und mehr für einen Neubau auszugeben, solle man mit einer Sanierung bestehender Bausubstanz besser zehn Millionen Euro sparen und dieses Geld an anderer Stelle sinnvoll einsetzen.

Unterschiedliche Ansichten gab es außer in der baulichen Beurteilung auch in Architekturfragen. Während Anhänger der alten Fassaden das Stadtbild bedroht sehen, verteidigt insbesondere die Kreispolitik den Neubau-Entwurf als „Formensprache der neuen Moderne“.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein von Dietrich-Olsen unternommener Ausflug in die Geschichte. So soll Kaiser Wilhelm I. bei einem Besuch 1881 über Itzehoe bemerkt haben: „Hier ist ja der Hund verfroren.“ Er beauftragte seinen Feld-Architekten, die Itzehoer mit einem Kunstpalast zu beglücken, was diese jedoch ablehnten und sich als Alternative einen Ochsenmarkt wünschten. Der Kaiser konterte vielsagend: „So erteile ich der Stadt Itzehoe das Recht, Kuhhandel zu betreiben und beauftrage die Stadtoberen, einen Ochsenmarkt für besonders große Rindviecher zu errichten.“ Spontane Reaktion von Landrat Wendt: „Es lebe die Republik!“ In der leben übrigens auch Menschen wie der Itzehoer Künstler Manuel Zint, dem man die allerdings frei erfundene Geschichte vom Kaiser-Geschenk zu verdanken hat.

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