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Irish Folk Open Air : Schlaflos vor dem Ticket-Center

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Irish Folk Open Air in Poyenberg 2016 nach 34 Minuten ausverkauft: Viele Fans kamen noch vor dem Morgengrauen, um Tickets zu ergattern

Es ist Sonnabendmorgen, kurz nach 6 Uhr. Es ist dunkel und es ist kühl. Der beste Ort, an dem man jetzt sein kann, ist das Bett. Britta Kühl (55) sitzt auf einem Klappstuhl vor dem TUI-Reisecenter in der Itzehoer Feldschmiede und ist bester Laune. Weil sie sich lieber auf sich selbst als auf das Internet verlässt, ist sie kurz vor 3 Uhr aufgestanden, um aus Hohenfelde nach Itzehoe zu fahren und Karten für das Irish Folk Open Air am 11. Juni 2016 in Poyenberg zu kaufen. Sie sei ein Fan irischer Musik, außerdem sei die Stimmung beim Open Air „einfach toll“. Dafür lohne sich das frühe Aufstehen. Einziger Wermutstropfen: Eine geöffnete Toilette ist weit und breit nicht in Sicht.

„Internet kann jeder“, findet auch Hagen Trosien (62) aus Elmshorn. „Aber hier sitzen – das ist was für den harten Kern.“ Das Warten ist kein Problem, man treffe Gleichgesinnte, könne ein bisschen schnacken. „Die Zeit vergeht schnell“, findet auch Helga Ficht-Bolln (59) aus Itzehoe, die seit 4.30 Uhr in der Feldschmiede sitzt. „Es ist schön, immer die bekannten Gesichter zu sehen“, sagt sie. „Die Jungs pokern immer“, sagt sie und deutet auf den Tisch direkt vor dem Eingang des Reisecenters. Dort sitzen Steffen Witt (26) aus Lägerdorf, Helga Pajonk (22) aus Kiel und Bastian Lange (25) aus Elmshorn. Um 1.40 Uhr haben sie ihren Platz bezogen.

Bernd Möbius (56) aus Uetersen ist deutlich später dran. Es geht schon gegen 7 Uhr als er an den Wartenden vorbei läuft und sich auf dem La-Couronne-Platz ans Ende der Schlange stellt. Sorgen, dass er womöglich keine Karte mehr abbekommt, hat er nicht. „Letztes Mal stand ich weiter hinten“, sagt er. Das Warten stört ihn nicht. Er hat die Zeitung und Kaffee dabei.

Den holen sich viele wartende Folk-Fans in der Filiale der Bäckerei Carstens direkt gegenüber. Seit 4 Uhr bedienen Meike Urban und Carola Lützen dort die Kunden – normalerweise wird erst um 6.30 Uhr geöffnet. Im Akkord gehen Brötchen, Kaffee und Croissants über den Tresen. Früher sei der Bäcker noch mit dem Bollerwagen zu den Fans gekommen, erinnert sich Stefan Jürgensen, Vorsitzender des Bully Clubs Poyenberg, der das Open Air ausrichtet. „Aber inzwischen kann man die Schlange auch mal verlassen und hält sich gegenseitig den Platz frei.“ Seit 4 Uhr ist er mit seinen Helfern unterwegs und fährt die Vorverkaufsstellen ab, um nach dem Rechten zu schauen. „Wir machen auch eine kleine Stimmungs-Umfrage, was wir im nächsten Jahr besser machen können.“ Zwischendurch werde mit einem Probelauf gecheckt, ob beim Internet-Vorverkauf alles läuft.

In Hohenlockstedt vor Schreibwaren Lemsky macht sich inzwischen etwas Unruhe breit. Es ist gleich 8 Uhr, Jörg und Martina Lemsky machen den extra angemieteten Verkaufs-Anhänger bereit – und Jacqueline Mohr (48) aus Hohenfelde zückt schon mal den Geldbeutel. Sie ist die Erste in der Schlange, seit 3.20 Uhr harrt sie dort aus. Ein paar Meter weiter hinten verbreiten Laura Nobis und ihre Freunde gute Stimmung. Die 25-Jährige stammt aus Aachen, im vorigen Jahr war sie zum ersten Mal in Poyenberg – und fand es „einzigartig“. „Es war so gemütlich, nicht so kommerziell, einfach in sich rund“, sagt sie. Deshalb sitzt sie nun mit Skihose, langer Unterhose, vier Fleecepullis und dicker Jacke auf dem Parkplatz, um Karten zu ergattern.

Und dann geht alles ganz schnell. Einer nach dem anderen holt seine Karten ab. „Die meisten haben das Geld passend dabei“, sagt Martina Lemsky. Streit gebe es nie. „Alle warten geduldig“, sagt sie. „Das ist schon eine richtige kleine Familie. Nur ihr Sohn hat einen undankbaren Job: Er muss nach dem Ansturm Telefondienst schieben und viele Anrufer mit den Worten „Tut mir leid, alle Karten sind weg“ vertrösten.

Das ist diesmal schon nach einer Rekordzeit der Fall: „Es hat 34 Minuten gedauert, bis alle Vorverkaufsstellen blank waren“, so Jürgensen. 6000 Karten gingen dort über den Tresen. Die weiteren 2500 Karten im Internet waren nach viereinhalb Minuten weg – allerdings wurde der Online-Shop wegen Fehl- und Doppelbuchungen später noch einmal kurz geöffnet, doch auch diese Restkarten waren im Nu vergriffen. „Wir danken unseren Fans, dass sie in Eiseskälte ausgeharrt haben“, sagt Stefan Jürgensen. „Wir machen uns jetzt an die restlichen Planungen für das Open Air und werden uns alle Mühe geben, wieder ein super Festival auf die Beine zu stellen.“


Karte
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erstellt am 02.Nov.2015 | 05:11 Uhr

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