„Schlachthof bringt nur Nachteile“

Befürchten eine Ausweitung des Betriebs (v.l.): Angelika und Klaus Steep, Udo Kompenhans, Klaus Pryzybicz, Gabriele Piachnow-Schmidt, Sybille Stuhr und Bettina Wölk.
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Befürchten eine Ausweitung des Betriebs (v.l.): Angelika und Klaus Steep, Udo Kompenhans, Klaus Pryzybicz, Gabriele Piachnow-Schmidt, Sybille Stuhr und Bettina Wölk.

Anwohner befürchten sukzessive Ausweitung des Unternehmens Thomsen / Grüne laden zur Ideenwerkstatt ein

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08. Januar 2018, 10:56 Uhr

6000 Schweine darf Thomsen pro Tag schlachten – doch bleibt es bei dieser Anzahl auf Dauer? Anwohner haben Zweifel daran, verweisen auf andere Standorte des Konzern Tönnies, zu dem die Großschlachterei Thomsen gehört. Mit einer „Salami-Taktik“ sei anderswo die Schlachtzahl sukzessive erhöht worden, betont Anwohner Udo Kompenhans.

Auch die jüngste Versammlung mit Vertretern des Umweltamtes, der Stadt und der Firma Tönnies (wir berichteten) hat die Bewohner im Bereich Feldhusener Straße, Im Winkel und Tewesallee nicht beruhigt. Dort hatte Tönnies-Vorstandsmitglied Josef Tillmann ausgeführt, dass die Genehmigung von 6000 Schweinen pro Tag, die der Schlachthof Thomsen seit 2009 hat, umgesetzt werde. Das Gerücht, dass auch ein Rinderschlachthof geplant sei, stimme dagegen nicht. Zurzeit sei nichts geplant, da es in der Region nicht genug Rinderkapazitäten gebe. Allerdings werde noch ein Zerlegebetrieb gebaut. Für alle Zukunft wollte sich Tillmann nicht festlegen, denn jeder Betrieb entwickele sich.

Dass sie die Genehmigung so hinnehmen müssen, ist den Anwohnern klar. Doch die Zukunft macht ihnen Angst. 2008, bei der damaligen Erweiterung von 2000 auf 6000 Schlachttiere, hätten sie sich schlecht informiert gefühlt. „Da ist an uns vorbei entschieden worden“, sagt Gabriele Piachnow-Schmidt. Dieses Mal fühlten sie sich zwar besser informiert, aber erst „nachdem wir die große Welle“ gemacht haben.

Doch trotz der Informationen und der versprochenen Verbesserungen in Sachen Lärm und Geruchsbelästigung: Der Schlachthof bringe der Stadt nur Nachteile, so Piachnow-Schmidt und ihre Mitstreiter. So müsse unter anderem die Kläranlage mit Millionenaufwand deutlich vergrößert werden, und die Menge des Klärschlamms erhöhe sich. „Und was passiert mit der Kläranlage, wenn die Firma Thomsen abzieht? Wer zahlt dann die Rückbaukosten?“ Sie rechnen zukünftig mit einem steigenden Abwasserpreis, den alle Kellinghusener entrichten müssten. Nicht abzusehen seien darüber hinaus die Auswirkungen der erhöhten Trinkwasserabnahme durch die Firma Thomsen.

Weitere Nachteile nach Ansicht der Anlieger: Imageverlust der Stadt mit negativen Auswirkungen auf den Tourismus, Wertverlust der Immobilien, Schließung kleiner Betriebe durch die Kapazitätsausweitung bei Thomsen, der Schlachthof ziehe weitere Massentierhalter an, Einschränkung der Lebensqualität durch Lärm und Gestank, kaputte Straße durch zusätzliche Schweinetransporte und Belastung des Ökosystems Stör.

Und dass Tönnies Gewerbesteuer zahlt und Arbeitsplätze schafft, glaubt Gabriele Piachnow-Schmidt nicht. Der Konzern werde die Gewinne auf seine Standorte verteilen, und im Betrieb würden Subunternehmer mit „billigen osteuropäischen Lohnarbeitern“ tätig sein.

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