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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 05:49 Uhr

Schirm gegen Schlaganfall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neue Behandlungsmethode bei Vorhofflimmern hilft Herzpatienten im Klinikum Itzehoe

Das Verfahren ist neu am Klinikum Itzehoe. Und wenn der „Watchman“ aufpasst, können viele Herzpatienten beruhigter leben. Vorhofflimmern kann böse Folgen haben – ein kleines Schirmchen verhindert sie.

Beim Vorhofflimmern zieht sich die Kammer nicht richtig zusammen. Dann werde das Blut nicht so rausgespült, wie es sein solle, sagt Professor Dr. Michael Kentsch, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. Die Folge: Im Vorhofohr, einer Ausstülpung ohne weitere Funktion, können sich Gerinnsel bilden. Und wenn sie sich lösen, besteht die Gefahr eines Schlaganfalls. Deshalb bekämen fast alle Patienten mit Vorhofflimmern Blutverdünner. Wenn es denn geht: „Bei manchen Patienten ist das Risiko für Blutungen so groß, dass man das nicht machen darf oder will“, so Kentsch. „Dann stand man bisher ziemlich ratlos da.“

Am Klinikum Itzehoe nicht mehr, denn Reza Golestani ist zurück. Der 53-jährige Oberarzt, der aus Afghanistan stammt, arbeitete bis 2008 sechs Jahre in Itzehoe, war zuletzt am Bodensee und kehrte aus familiären Gründen zurück in den Norden. Und er brachte das „Watchman“-Verfahren mit: Von der Leiste aus wird ein Katheter durch die Vene in den rechten Herzvorhof geschoben, von dort durch die Scheidewand in den linken Vorhof – denn Gerinnsel von dieser Seite gingen in das Gehirn oder die Arterien. Ein Schirmchen – Durchmesser 21 bis 33 Millimeter – wird vor dem Vorhofohr entfaltet, so dass zumindest kein Gerinnsel mehr herauskommt. „Die Patienten werden in der Regel nach zwei Tagen wieder entlassen“, sagt Golestani. Nach einem halben Jahr sei das Schirmchen als Fremdkörper von der Innenschicht des Herzens überzogen, dann seien keine Medikamente mehr nötig.

50 bis 60 Patienten im Jahr werden erwartet. Studien hätten gezeigt, dass dies eine effektive und sichere Alternative sei, so der Oberarzt. Doch noch wird das Verfahren eher selten angewendet: „Es sind nicht viele Kliniken, die das anbieten.“

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erstellt am 25.Jun.2016 | 07:00 Uhr

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