Schultheater : Schiller modern und weiblich

Schweren Stoff, spielfreudig und gekonnt auf die Bühne gebracht: Der Wahlpflichtkurs Theater am RBZ zeigte „Die Räuberinnen“ nach Friedrich Schiller.
Foto:
1 von 2
Schweren Stoff, spielfreudig und gekonnt auf die Bühne gebracht: Der Wahlpflichtkurs Theater am RBZ zeigte „Die Räuberinnen“ nach Friedrich Schiller.

Schüler des RBZ Steinburg in Itzehoe bringen Schillers „Räuber“ in der weiblichen Fassung auf die Bühne.

shz.de von
09. Juni 2016, 17:00 Uhr

Es war sein erstes und gleichzeitig eines seiner wichtigsten Dramen: „Die Räuberinnen“ von Friedrich Schiller. Moment mal: „Die RäuberInnen“? Da wunderte sich der Zuschauer. Der Theaterkurs des Regionalen Berufsbildungszentrums (RBZ) Steinburg musste das Stück ein wenig an die Realität anpassen.

Da der Wahlpflichtkurs im 13. Jahrgang aus zwölf jungen Frauen und nur einem Mann besteht, schrieben sie es kurzerhand um. Bei der Premiere Dienstagabend waren 140 neugierige Zuschauer regelrecht beeindruckt.

Der Kurs ließ gewissermaßen alles raus, brachte den schweren Stoff spielfreudig, ja enthusiastisch, auf die Bühne und erweiterte ihn zeitweise in den gesamten Saal hinein. Unter der Regie von Lehrer Lars Heitmann hatten die Schülerinnen und der Schüler das fast vierstündige Original auf gut die Hälfte gekürzt, den Text modernisiert und mit Hilfe weiterer Schüler aus dem Jahrgang auf die Bühne gebracht.

„Wir haben nicht nur die Geschlechter der Rollen getauscht, sondern auch einige alte Ausdrücke in moderne umgewandelt und dadurch eine gewisse Komik erzielt“, erklärte Heitmann am Rande.

Das bekannte Stück in fünf Akten von der Rivalität der Schwestern Karla von Moor (gespielt von Lina Tiedemann, Marika Martensen und Melike Var) und Franziska von Moor (Celina Matschall, Jasmin Jagszent und Rebecca Fock) bot genug Konfliktpotenzial.

Beide begehren Amadeus von Edelreich (Jannik Teichert), der jedoch Franzi verschmäht und Karla liebt. Franzi versucht, durch Intrigen ihre Schwester auszuspielen und an Erbe und Titel ihrer Mutter, der Gräfin Mathilde von Moor (Neele Kemmer) heranzukommen. Karla schließt sich einer Räuberinnenbande an, um (vermeintliches) gesellschaftliches Unrecht zu rächen.

Auch wenn es etwas gewöhnungsbedürftig war, hier von der „Hauptfrau“ (statt dem Hauptmann) befehligt zu werden, gingen die Schauspieler in ihren Rollen auf. Welche Rollen Spiegelburg (Johanna Schnepel), Kosinski (Lena Sass), Schweizer (Michelle Borg) und Grimm (Melissa Kleinschmidt) spielen, können die Zuschauer heute bei einer weiteren Vorstellung erleben.

Lars Heitmann, der schon seit 13 Jahren volle Abendstücke mit Schülern probt, war die Erleichterung anzumerken. „Es wurde viel geschmunzelt und gekichert. Ich bin super zufrieden.“ Besonders das chorische Sprechen mit Rhythmuswechsel des geteilten Texts, habe hohe Ansprüche an sie gestellt.

Ganz begeistert waren auch die Zuschauer. So sagte Marina Poweleit aus Hohenlockstedt, die mit der ganzen Familie da war, weil ihre Tochter Leonie die Rollen „Daniela/Hermine/Pastorin“ spielte: „Dadurch, dass es alles Mädchen sind, kommt eine besondere Spannung hinein.“ Und ihre Oma Gisela Braun sagte: „Ich habe es mir nicht so schön vorgestellt.“


>Heute um 19.30 Uhr gibt es am RBZ eine weitere Aufführung von „Die Räuberinnen“; Eintritt frei.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen